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Radio Hamburg

Fehmarnbelt-Tunnel

Dänemark baut, Deutschen droht Blamage

Fehmarn/ Kiel, 04.08.2014
Fehmarnbelttunnel, Fehmarn, Tunnel

Während die Bauarbeiten für den Fehmarnbelt-Tunnel auf Hochtouren laufen, kommt Deutschland mit den Planungen für die Hinterlandanbindung des Tunnels nicht voran.

Bis 2022 will Dänemark den Fehmarnbelt-Tunnel bis zur Insel Fehmarn gebaut haben. Auf der deutschen Seite kommen die Planungen aber kaum voran.

Der Fehmarnbelt-Tunnel, der in wenigen Jahren die deutsche Ostseeinsel Fehmarn mit Dänemark verbinden soll, ist eines der größten Infrastrukturprojekte Europas. Während die Dänen die Bauarbeiten für den Tunnel allein und vor allem zügig durchführen, droht die Anbindung des Tunnels auf der deutschen Seite zur nächsten peinlichen Baustelle in Deutschland zu werden. Die Planungen noch in den Kinderschuhen stecken, droht mit Vollendung des Tunnels ein gigantisches Verkehrschaos.

Fertigstellung bis 2022

Das Megavorhaben und dänische Prestigeprojekt soll bis 2022 vollendet sein. Dann will sich Deutschlands kleiner Nachbar im Norden mit dem Fehmarnbelt-Tunnel 18 Kilometer unter der Ostsee hindurchgebuddelt haben. Für Deutschland dagegen droht ein Schreckensszenario. Die größte Wirtschaftsnation Europas ist lediglich für die Straßen- und Zuganbindung von der Insel Fehmarn ans Festland zuständig, kommt damit aber nicht voran. Nach der Fertigstellung der hochmodernen Ostseeunterquerung droht in Ostholstein nun ein peinliches Nadelöhr.

Kein Plan, keine Entscheidung

Bisher ist noch nicht einmal klar, ob die leistungsschwache Brücke über den Fehmarnsund, der die Insel mit dem Festland verbindet, überhaupt einen Ersatz haben wird - geschweige denn, ob sie gegebenenfalls durch eine neue Brücke oder einen weiteren Tunnel ersetzt werden sollte. "Es gibt dazu keine Entscheidung", sagte Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD). Acht Jahre vor der Vollendung des Tunnels scheint das drohende Unheil nun auch in Berlin angekommen zu sein: "In unserem jüngsten Gespräch hat Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt zum ersten Mal richtig erkannt, dass wir hier ein echtes Problem haben", so Meyer.

"Viel zu lange geschlafen"

Dabei sind die Planungen für das Verkehrsprojekt keineswegs neu. Bereits seit Jahren ist klar, dass die Dänen bis 2022 den knapp 20 Kilometer langen Tunnel von der dänischen Insel Lolland zur deutschen Insel Fehmarn fertig haben. Dort kommen dann je zwei Straßen- und Schienentrassen an - und würden an der 1,3 Kilometer langen Sundbrücke auf nur je eine Spur treffen, wenn bis dato nichts Neues da ist. Weil nur noch acht Jahre bleiben, ist nach deutschen Planungs-, Klage- und Baumaßstäben höchste Eile geboten. Laut Meyer ist klar, warum die Planungsphase derart chaotisch verläuft: "Das liegt auch daran, dass man bei dem Projekt viel zu lange geschlafen hat."

Wer hat Schuld an dem Chaos?

Schuld an den Verzögerungen ist aber nicht nur der für die Finanzierung zuständige Bund allein. Das Land Schleswig-Holstein hat es auch lange versäumt, das Projekt für den Bundesverkehrswegeplan anzumelden. Laut Meyer, der erst seit 2012 zuständig ist, habe man dies inzwischen aber fristgerecht nachgeholt und dem Bund mehr als deutlich gemacht, dass es ein riesiges Problem darstellen würde, wenn der Fehmarnbelt-Tunnel fertig sei und auf der deutschen Seite dann ein Nadelöhr vorhanden sei.

Nicht teurer als eine Milliarde Euro

Dass bisher kaum etwas passiert ist, hat wohl auch etwas damit zu tun, wie in Deutschland politische gewollte Großvorhaben durchgesetzt werden. "Das Gesamtprojekt Fehmarn-Hinterlandanbindung sollte nicht mehr als eine Milliarde Euro kosten, und mit der Sundbrücke wäre man darüber gerutscht", berichtet Meyer. "Also hat man die Brücke einfach rausgelassen, obwohl man wusste, dass da einmal vier Fahrspuren vom Norden auf eine zweispurige Brücke treffen werden und zwei Schienenstränge auf einen." Dabei wird Deutschland das Geld dennoch irgendwie aufbringen müssen, weil es sich im Staatsvertrag mit Dänemark zu dem Anschluss verpflichtet hat. Von mindestens 1,6 Milliarden Euro ist die Rede. Den Tunnelbau selbst, mit veranschlagten 5,5 Milliarden Euro, bezahlt Dänemark allein.

Nur die Bahn hat konkrete Planungen

Eine gute Nachricht hat Meyer immerhin: Die Bahn AG folge dem Vorschlag der Landesplanung und werde von Fehmarn nach Lübeck entlang der Autobahn A1 eine zweigleisige elektrifizierte Strecke bauen. Allerdings: Die bisherige Bäderbahn durch die Ferienorte an der Lübecker Bucht soll dann auf Sicht stillgelegt werden.

(dpa/san)

 

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