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Radio Hamburg

Bad Oldesloe

Methadonvergiftung - Kleinkind auf Intensivstation

Bad Oldesloe, 20.01.2015
Drogen, Kokain, Heroin, Methadon, Drogentütchen, Pulver

In Bad Oldesloe hat ein Kleinkind in Wasser aufgelöstes Methadon zu sich genommen.

In Bad Oldesloe hat ein 19 Monate altes Kleinkind in Wasser aufgelöste Methadon getrunken. Die Ersatzdroge gehörte dem Vater. 

Der kleine Junge kam mit lebensgefährlichen Vergiftungen in ein Krankenhaus und befindet sich dort zur Beobachtung auf der Intensivstation. Der Vater (55) hatte anscheinend einen Rest in Wasser aufgelöstes Methadon auf dem Küchentisch stehen lassen. Als die Mutter des Jungen bemerkte, dass der 19 Monate alte Junge das Methadon zu sich genommen hatte, verständigte sie einen Rettungswagen. Die Polizei ermittelt nun wegen fahrlässiger Körperverletzung gegen den Vater.

Erinnerungen an den "Fall Chantal"

Der Fall erinnert an den Methadon-Tod der 11-jährigen Chantal vor drei Jahren. Im Prozess um den Methadon-Tod der 11-Jährigen hat der Staatsanwalt zwei Jahre und sechs Monate Haft für den Pflegevater wegen fahrlässiger Tötung gefordert. "Es war
kein bedauernswerter Unfall, sondern eine sehr schwere Straftat", sagte Staatsanwalt Florian Kirstein am Freitag (16.01) vor dem Landgericht. Die ebenfalls angeklagte Pflegemutter soll nach dem Willen der Anklage wegen Vernachlässigung des Kindes eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten erhalten.

Chantals Pflegemutter "manipulativ" bei Vernehmungen

Chantal war vor drei Jahren, am 16. Januar 2012, an einer Methadon-Überdosis gestorben. Das Mädchen soll in der Wohnung in Hamburg-Wilhelmsburg über seine drogenabhängigen Pflegeeltern Zugang zu der Heroin-Ersatzdroge Methadon bekommen haben. Laut Anklage habe die Pflegemutter bei den Polizeivernehmungen und auch im Prozess "sehr manipulativ gearbeitet" und habe die Schuld für den Tod des Mädchens immer wieder deren leiblichen Vater zugeschoben. Von ihm solle Chantal die Ersatzdroge erhalten haben. "Das Methadon stammt von den Angeklagten, es gibt gar keine Zweifel", sagte der Staatsanwalt. 

Chantal hatte kein eigenes Bett

Laut Anklage hatte sich der Pflegevater am Morgen nach der Drogeneinnahme nicht um das im Sterben liegende Mädchen gekümmert. "Der Angeklagte befand sich noch fünf Stunden in der Wohnung und hat sich nicht um Chantal gekümmert“, sagte der Staatsanwalt. Die Zustände in der Wohnung seien "grenzwertig" gewesen, und die Räume seien übergequollen mit Kleidern, Fahrrädern und Renovierungsutensilien. Chantal habe weder ein eigenes Bett gehabt, noch über ausreichend Kleidung verfügt, obwohl der Angeklagte einer Arbeit nachgekommen sei und vom Jugendamt insgesamt über 30.000 Euro Pflegegeld bereitgestellt worden sei.

Verteidigung spricht von einem Unglück

Die Verteidigung sprach von einem "Unglück", Chantal habe sich in der Pflegefamilie trotz der einfachen Umstände sehr wohlgefühlt. "Der Zustand in der Wohnung war zum Schluss relativ chaotisch", verteidigte der Anwalt des Pflegevaters, Udo Jacob, die Umstände. Nach einer Geburtstagsfeier hätten die Kinder am Abend vor der "Katastrophe" alleine in der Wohnung getobt und Fußball gespielt. Der 54-jährige Pflegevater habe sich durchaus "sanft" um Chantal gekümmert. "Wenn ein Kind schläft, lässt ein Vater es schlafen", sagte Jacob. 

Urteil Ende Januar erwartet

Woher Chantal die Tablette bekommen habe, konnte in dem Prozess nicht eindeutig geklärt werden. Die beiden Angeklagten hätten sich "immer bemüht, alles Erforderliche zu tun, um die Tabletten sicher aufzubewahren". Beide Verteidiger forderten daher für die Pflegeeltern einen Freispruch. "Für mich ist die größte Strafe überhaupt, dass Chantal gestorben ist und mit anzusehen, wie unser Sohn unter der ganzen Situation leidet", sagte der Pflegevater. "Sollten es zu einer Haft kommen, würde das unserem Sohn den Boden ganz wegreißen", ergänzte die Pflegemutter. Das Urteil wird am 26.1. erwartet.

(mgä/dpa)

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