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Untersuchungswahnsinn

Untersuchungen in der Schwangerschaft.

Untersuchungen in der Schwangerschaft sind nötig, aber nicht alles ist auch hilfreich. (Symbolfoto istock)

Zu Beginn der Schwangerschaft und gerade wenn die ersten 12 kritischen Wochen rum sind, war ich einfach nur glücklich. Wie ein grenz-debiles Honigkuchenpferd bin ich durch die Gegend gelaufen. Aber dann kommt der Hammer, spätestens beim Frauenarzt oder beim Kaffeklatsch mit den Mädels. Lässt Du Dich auf Ringelröteln, Toxoplasmose etc. testen, machst Du eine Nackentransparenzmessung oder eine Fruchtwasseruntersuchung? Hä?

Beim ersten Kind war ich damit echt überfordert. Am Ende habe ich die Dinge gemacht, die mir was gebracht haben. Beispiel: Mich gegen Toxoplasmose (eine Infektionskrankheit) testen zu lassen, war für mich wichtig, weil sich das über Katzen oder über Nahrung wie rohes Hack oder Frischmilchprodukte übertragen kann. Aber ob ich nun Antikörper gegen Ringelröteln habe, brachte mir nichts, denn selbst wenn ich keine hätte, könnte ich mich in der Schwangerschaft nicht dagegen impfen lassen. Da wäre es schlau gewesen, wenn mein Frauenarzt das schon mal eher getestet hätte.

Warten, bangen, Konsequenzen bedenken

Da ich beim ersten Kind 33 und jetzt 35 Jahre alt bin, haben mein Mann und ich uns für eine Nackentransparenzmessung entschieden. Die gibt anhand von Ultraschall-Untersuchungen und Blutwerten an, ob eine Wahrscheinlichkeit für eine z.B. Trisomie-Erkrankung des Kindes besteht. Aber hier besteht auch das Problem: es ist nur eine Wahrscheinlichkeit, ein Wert, der natürlich auch die Geschichte der Frau, ihren Gesundheitszustand, ihre Vorgeschichte mit einbezieht, aber auch Entscheidungen zur Folge hat, die man vielleicht vorher nicht bedenkt. Bei uns war das beim zweiten Kind jetzt so: Meine Werte waren etwas aus der Norm - es gab also eine Wahrscheinlichkeit, dass unser Kind Trisomie 21 oder eine andere genetische Erkrankung haben könnte. Und dann muss man wissen, was man tut. Denn ich konnte mit dem Gedanken nicht ruhig schlafen, das waren drei Horror-Wochen für mich, denn jetzt stand die Fruchtwasseruntersuchung an.

Am Ende wurde ich in einer Klinik in Altona untersucht und es reichte schon ein hochauflösender Ultraschall, um unsere Sorgen auszuschließen, eine Fruchtwasseruntersuchung war nicht nötig, aber trotzdem: jede Untersuchung muss zu Ende gedacht werden. Was wäre, wenn die Fruchtwasseruntersuchung eine Behinderung prognostiziert hätte? Hätten wir uns dann zu einer Abtreibung entschieden?

Richtig: das muss jeder für sich, gemeinsam mit dem Partner entscheiden. Kein Freund, kein Arzt kann da letztlich helfen oder die Entscheidung abnehmen, aber mein Tipp: denkt es zu Ende. Denn wir hatten es nicht in aller Konsequenz bedacht. Hintergrund: ein eventueller Abbruch nach der 20. Schwangerschaftswoche (und eher erfährt man meist die Ergebnisse der Fruchtwasseruntersuchung nicht) bedeutet nicht "nur" eine Ausschabung der Gebärmutter (schon belastend genug), sondern man muss das Ungeborene richtig zur Welt bringen - die Geburt wird also eingeleitet. Und das ist eine extrem psychische Belastung für Mutter und Vater. Im Umkehrschluss muss man abwägen, wie das Leben mit einem behinderten Kind wäre - und das ist unendlich schwer. Gerade für die werdende Mutter, denn sie spürt schon das Kind in sich, ihr Körper ist schon voll auf Schwangerschaftsmodus.

Einen fertigen Rat kann ich Euch also nicht geben, aber nur den Wunsch mit auf den Weg, immer Fragen zu stellen, immer den Partner in alles mit einzubeziehen und sich früh zu informieren.

Mein Mutterpass.

Nur ein kleiner Auszug aus meinem Mutterpass mit Tabellen und Untersuchungen.

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