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Radio Hamburg

Rainer Hirsch: Das Ding mit der Anrede

Siezt Du noch oder Duzt Du schon?

Anrede Gespräch Du Sie

Siezen oder Duzen? Nicht immer so einfach...

Rainer Hirsch aus der Nachrichten-Redaktion hat sich Gedanken zu der persönlichen Anrede im Deutschen gemacht. "Du" oder "Sie"?

Eben kam eine Meldung mit Zündstoff über den Ticker. Das Apothekenmagazin „Senioren Ratgeber“ hat repräsentativ von der GfK ermitteln lassen, wie wir Deutschen es mit der persönlichen Anrede halten. Demnach stört es 38,7 Prozent der Menschen in Deutschland, wenn sie beim ersten Kennenlernen unaufgefordert geduzt werden. Eigentlich ein erstaunlich geringer Prozentsatz, bedenkt man, dass 67 Prozent der Menschen hierzulande über 18 Jahre alt sind und damit quasi einen Anspruch auf das „Sie“ haben. Und 83 Prozent der Befragten sagen, dass das „Sie“ für sie mehr ist als eine formale Anrede, sondern ein Ausdruck des Respekts.

Da sollten jetzt bei Ikea aber die Alarmglocken schrillen, verprellen sie mit ihren „Wohnst Du noch oder lebst Du schon“-Werbespots doch rein theoretisch jeden Tag mindestens 800.000 Menschen hier in Hamburg. Knapp eine Million Hörer hat allein Radio Hamburg jeden Tag, der Rest ist Mathematik…

Hier in der Redaktion duzen wir uns alle, über alle Altersgruppen hinweg. Medienszene halt, wir sind ja cool, locker und alle sooo jung bis ins hohe Alter. Wenn wir neue Praktikanten im Hause haben, die gerade erst die Volljährigkeitsmarke überschritten haben, merken wir aber schon, dass die es teils merkwürdig finden, Leute zu duzen, die locker ihre Eltern sein könnten. In wenigen Fällen wäre biologisch und rechnerisch auch die Großeltern-Variante schon denkbar… (Namen der Redaktion bekannt – aus Sorge um meine körperliche Unversehrtheit verschweige ich sie aber).

Für mich persönlich hat das Du oder Sie eigentlich nichts mit Respekt zu tun. Es gibt genügend Fälle, da ist das Sie eher Ausdruck eines Sudordinationsverhältnisses, eine Frage der Hierarchie. Wie wohl jeder kenne ich durchaus Menschen, die ich Siezen muss, die aufgrund ihres Verhaltens das aber eigentlich gar nicht rechtfertigen. Das Du hat für mich mit Nähe und Sympathie zu tun, die ich nicht jedem gegenüber empfinde. Mehrheitlich prägen aber eher diese Emotionen mein Verhältnis zu anderen Menschen und so rutscht mir in vielen Fällen ein Du raus. An der Budni- oder Karstadt-Kasse kann das schon mal zu Irritationen führen. Der alte Spruch „Es sagt sich leichter Du Arschloch, als Sie Arschloch“ wird ja gern rausgeholt, wenn es um berufliche Zusammenhänge geht. Angeblich soll diese Haltung vor Verbal-Injurien gegenüber Kollegen, vornehmlich Vorgesetzten, schützen. Da ich das Glück habe, hier gar keine Menschen um mich herum zu haben, die die Anwendung dieses Schimpfwortes rechtfertigen würden, ist das Gefahrenpotential eher gering.

Durch ein freundliches Du fühle ich selbst mich nie brüskiert. Irritiert bin ich eher, wenn die Frau in der blutverschmierten Schürze an der Supermarkt-Fleischtheke mir ein joviales „Na, was darf’s denn sein, junger Mann?“ an den Kopf schleudert. Das ist schließlich eine offensichtliche Lüge. Wo bleibt denn da der Respekt?

16 Prozent der von GfK Befragten finden übrigens das häufige Duzen zum Beispiel unter Nachrichtensprechern für unangemessen und es stört sie. Das wiederum geht mir genauso – ich werde meinen Kollegen gleich mal das „Sie“ anbieten. Wahrscheinlich bin ich dann das Arschloch.

Wie ist das bei Euch/Ihnen? Fühl(t)en Ihr/Sie Euch/sich wohler mit Du oder Sie und wie geh(t/en) Ihr/Sie damit um? Schreibt es gerne in die Kommentare!

Schönes Wochenende wünscht  Rainer Hirsch aus unserer Nachrichten-Redaktion!

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