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Radio Hamburg

Wild, Haustier oder Kleintier

Wie verhalte ich mich richtig, wenn ich ein Tier angefahren habe?

Hamburg, 04.10.2017
Wild, Straße, Wildunfall, Wildtier

Gerade wenn der Herbst beginnt, häufen sich die Wildunfälle. Aber wie verhalte ich mich eigentlich richtig und was muss ich beachten?

Die Straßen werden rutschiger durch das nasse Laub, die Sicht wird schlechter durch die frühe Dunkelheit - ein Wildunfall oder ein Unfall mit einem Haustier passiert schneller, als man denkt. Doch wie reagiert man eigentlich richtig, wenn man ein Tier angefahren hat oder ein verletztes Tier am Straßenrand entdeckt?

Tiere können sich nicht selbst helfen

Wer denkt, dass Tiere nicht so schnell und effizient umsorgt werden müssen, nachdem sie angefahren worden sind, wie Menschen, der irrt. Denn es verstößt gegen das Tierschutzgesetz, ein Tier verletzt auf der Fahrbahn liegen zu lassen. Es besteht also eine gesetzliche sowie ethische Verpflichtung, sich um ein verletztes, angefahrenes Tier zu kümmern. Denn Tiere können sich selbst noch weniger helfen, als Menschen. Worauf man achten sollte, wenn man ein angefahrenes Tier findet oder es selbst angefahren hat: Ist es ein Wildtier? Oder ein Haustier? Denn je nach Art werden auch Unterschiede beim Handeln gemacht. Übrigens muss auch ein Wildunfall gemeldet werden, wenn das Tier angefahren worden ist, sich aber von allein wieder aufstellt und flüchtet. 

Wie verhalte ich mich bei einem Unfall mit einem Tier?

  • Unfall mit einem Wildtier: 

    Zunächst sollte Wildtier definiert werden. Denn neben Rehen und Wildschweinen gelten auch Füchse und Hasen als Wildtier. Da die meisten Wildtiere tendenziell durch die Geschwindigkeit des Wagens schwer verletzt sind, dürfen sie auf keinen Fall unversorgt am Straßenrand liegen gelassen werden. Das gleiche gilt für Tiere, wenn sie nur leicht verletzt sind.

    - Direkt am Unfallort muss die Polizei informiert werden, macht Angaben zur Unfallstelle

    - Unfallstelle absichern (so fahren keine weiteren Autos das verletzte Tier an oder in die Unfallstelle rein) dafür Warndreieck aufstellen, den Warnblinker einschalten und die Warnweste anziehen

    - Unfallstelle nicht verlassen, bis ein Jagdausübungsberechtigter oder Rettungskräfte eingetroffen sind

    - ist nach einer halben Stunde noch immer kein Rettungsteam am Unfallort eingetroffen, sollten die Rettungskräfte nochmals angerufen werden

    - Anfassen ist untersagt, da verletztes Wildtier wehrhaft sein und einen verletzten könnten - Abstand halten

    - Eine Mitnahme des angefahrenen Tiers wird als Wilderei gezählt und ist daher strafbar

  • Unfall mit einem Haustier: 

    Nicht wegsehen, sondern helfen. Und nicht in Panik ausbrechen, denn die hilft einem verletzten Tier am wenigsten. Anders als beim Wildtier, sollen die angefahrenen Tiere eigenständig mitgenommen und zum Tierarzt gebracht werden. Hier hilft die Polizei die naheliegenste Tierklinik zu finden. 

    - Unfallstelle absichern (somit fährt kein weiteres Fahrzeug in die Unfallstelle)

    - Eine Decke, wenn möglich und vorhanden, ausbreiten

    - Ein Tier, das bei Bewusstsein ist, wird mit einer Hand am Nacken und der anderen Hand unter dem Tier hochgehoben und auf die Decke gelegt. Mit dem Nackengriff verhindert man Abwehrreaktionen

    - Ein Tier, das nicht bei Bewusstsein ist, wird mit beiden Händen unter dem Körper des Tieres hochgehoben und vorsichtig auf die Decke gelegt. Wichtig: Den Kopf des Tieres stützen! Liegt das Tier auf der Decke, wird die Zunge herausgelagert, damit es nicht erstickt und eine Herzmassage vorgenommen (kurzer Druck auf den Brustkorb, wie bei menschlicher Herzmassage)

    - Polizei anrufen, die einem die nähsten Tierärzte oder Tierkliniken nennt

    - In einigen Fällen kommt auch die Polizei vorbei und bringt das Tier zum Arzt, manchmal muss man das jedoch auch selbst erledigen

  • Unfall mit einem Vogel: 

    Tendenziell ist es eher unwahrscheinlich, dass man einen Unfall mit einem Vogel hat und dieser dabei überlebt. Jedoch gibt es auch für Vögel, die bei einem Unfall verletzt worden sind, Erste-Hilfe-Maßnahmen. 

    - Versichert Euch zunächst, wie schwer der Vogel verletzt ist

    - Zeigt der Vogel Anzeichen einer ernsthaften Verletzung, sollte schnell gehandelt werden, da Vögel einen hohen Stoffwechsel haben und schnell an ihren Verletzungen erlegen

    - Liegt der Vogel bereits auf der Fahrbahn und bewegt sich nicht mehr viel, zeigt allerdings noch Anzeichen von Leben, dann versucht ihn sanft in eine Jacke oder eine Decke einzuwickeln

    - Ist das nicht der Fall, sollte man versuchen den Vogel mit der Decke oder einer Jacke in eine Ecke zu treiben und ihn dann einfangen

    - Verletzte Vögel sind scheu, verängstigt und können aggressiv sein. Daher eignet sich ein luftdurchlässiger Karton mit einem Handtuch innen ideal für Untersuchungen. Das ist natürlich nur der Fall, wenn man in der Nähe einen Karton hat und kein Tierarzt in der Nähe ist

    - Für Knochenbrüche und Flügelverletzungen muss der Vogel einmal ganz vorsichtig abgetastet werden

    - Blutungen kommen meistens von Bissen oder Kratzern von Katzen und Co. Hierdurch können die Vögel schnell geschwächt werden, weil mit der Bissverletzung und dem fremden Speichel teilweise Infektionen auftreten können

    - Hat der Vogel eine Infektion bemerkt man diese an einer geringen Körpertemperatur, Krämpfen, Atemnot und Lähmungen beim Vogel

    - Bevor der Vogel zu einem Tierarzt gebracht wird, sobald dieser länger entfernt liegt, sollte das Tier unbedingt stabilisiert werden: Blutungen müssen weitestgehend gestillt und Brüche möglichst durch Festbinden des Flügels am Körper des Tieres oder durch Verwenden einer kleinen Holzplatte vor weiteren Verletzungen geschützt werden

    - Wegen ihres schnellen Stoffwechsels, sollten die Vögel gefüttert werden. Hierzu eignet sich am besten Traubenzuckerlösung

    - Wichtig ist auch, den Vogel warm zu halten

Wie muss ich reagieren, wenn ein Wildtier vor meinem Auto erscheint? 

Vorab kann man bereits versuchen einem Wildunfall aus dem Weg zu gehen, indem man auf die Uhrzeit achtet. Denn zwischen 17 Uhr und 8 Uhr morgens sind die Tiere auf Nahrungssuche und daher vermehrt unterwegs. Hier lohnt es sich vom Gas runter zu gehen und immer bremsbereit zu sein. Sieht man bereits vorher ein Tier an der Fahrbahn stehen, muss die Geschwindigkeit deutlich verlangsamt und abgebremst werden. Das Fernlicht wird ausgeschaltet, um das Tier nicht zu blenden, und es sonst stehen bleibt. Ist das Licht aus und wird zudem auch noch gehupt scheucht das das Wildtier meist fern. Da Wildtiere nicht immer allein unterwegs sind, muss auf weitere Tiere geachtet werden. Ausweichen ist beim plötzlichen Erblicken eines Wildtieres nicht zu empfehlen, da die Unfälle meistens schwerer ausfallen, als wenn man einfach draufhält. Das Gleiche gilt für eine Vollbremsung, da man in Kauf nimmt, weitere Verkehrsteilnehmer - hinter sich fahrend - durch die Vollbremsung zu verletzen. Es gilt: Fernlicht aus, Geschwindigkeit runter, draufhalten, Lenkrad gut festhalten. 

(pgo)

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