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Radio Hamburg

Darmbakterium EHEC

Keine Entwarnung in Sicht

Nach Informationen des Robert-Koch-Instituts steigt die Zahl der Neuerkrankungen vor allem in Norddeutschland weiter an.

Hamburg - Bei dem gefährlichen Durchfall-Erreger EHEC ist keine Entwarnung in Sicht. Im Gegenteil: Nach Informationen des Robert-Koch-Instituts steigt die Zahl der Neuerkrankungen vor allem in Norddeutschland weiter an. Patienten werden auf verschiedene Krankenhäuser verteilt, das UKE ruft zu Blutspenden auf.

Untersuchungen ergeben, dass ein angebliches Umkippen einer Palette mit Salatgurken als Quelle der Verunreinigung nicht infrage kommt. Es ist deshalb davon auszugehen, dass die Infektionsquelle noch aktiv ist, meint das Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin.

Weiteres Todesopfer in Schleswig-Holstein

Der EHEC-Erreger hat in Schleswig-Holstein das zweite Todesopfer gefordert. Eine 38 Jahre alte Frau ist am Donnerstagabend in einem Kieler Krankenhaus an der schweren Komplikation gestorben, sagte eine Krankenhaussprecherin am Samstag. Damit sind in Deutschland bisher mindestens sieben Menschen durch den gefährlichen Darmkeim gestorben, zudem erkrankten binnen eines Tages bundesweit weitere 60 Patienten an der schweren Komplikation HUS.

Erst am Freitag hatte sich die Zahl der Infektionen mit dem aggressiven Durchfallerreger in Schleswig-Holstein auf 248 mehr als verdoppelt. Bundesweit schweben mehrere Menschen weiter in Lebensgefahr.

Krankenhäuser an ihren Grenzen

Weil die Durchfall-Erreger weiter auf dem Vormarsch sind, kommen die Krankenhäuser an ihre Kapazitätsgrenzen. Das UKE wird am Wochenende erste Patienten in Kliniken nach Hannover verlegen

Auch Gurken aus den Niederlanden betroffen?

Unterdessen wird weiter darüber spekuliert, woher die gefährlichen Bakterien kommen. Nicht nur Spanien kommt inzwischen als Ursprungsland in Frage, auch auf Salatgurken aus den Niederlanden ist das Bakterium entdeckt worden, heißt es aus der Gesundheitsbehörde. Die Spanier befürchten große Verluste für ihre Landwirtschaft durch die Vermutungen aus Deutschland. Spanien hat sich sogar bei der EU beschwert, weil zuerst die Medien informiert wurden und erst anschließend die Behörden. Das Deutsche Verbraucherschutzministerium weißt das allerdings zurück.

Gefährliches Darmbakterium EHEC

Alles Wissenswerte rund um die Krankheit

  •  Wo kann ich mich anstecken?
    Die Erreger leben im Darm von Säugetieren, folglich werden sie über den Kot der Tiere übertragen. Rohe Fleischprodukte oder andere Lebensmittel, die mit dem Keim verunreinigt sind, können ein Ansteckungsherd sein.

  • Wie kann ich Gemüse, Fleisch und Rohmilchprodukte nun sorgenfrei genießen?
    Das A und O ist, dass Verbraucher auf die richtige Küchenhygiene achten: Es gilt, Obst und Gemüse vor dem Verzehr gründlich zu waschen, Fleisch gut durchzugaren und Rohmilchprodukte vorerst zu meiden. Außerdem ist es ratsam, Küchengeräte, mit denen zum Beispiel Gemüse oder Fleisch zerkleinert wurde, sorgfältig zu reinigen – am besten in der Spülmaschine. Auch die Küchenarbeitsfläche sollte regelmäßig gesäubert werden. Denn Bakterien vermehren sich gerade bei Wärme sehr schnell.

  •  Wie kann ich mich im Alltag schützen?
    Da auch der Mensch die Bakterien überträgt, ist eine intensive Händehygiene unabdingbar: Waschen Sie sich regelmäßig ihre Hände, insbesondere nach der Toilettennutzung, am besten mindestens 30 Sekunden lang mit Seife und warmem Wasser – ein handelsübliches Händedesinfektionsmittel ist eine sehr gute Ergänzung. Achten Sie darauf, dass sich auch Ihre Kinder regelmäßig die Hände waschen und dass die Kleinen den Kontakt beispielsweise mit Streichelzoo-Tieren derzeit meiden.

  • Was tun, wenn ich jetzt plötzlich Bauchschmerzen und/oder Durchfall bekomme?
    Geraten Sie nicht in Panik, denn dies muss nicht zwangsläufig eine Infektion mit dem EHEC-Erreger sein. Suchen Sie jedoch unverzüglich einen Arzt auf oder fahren Sie in ein Krankenhaus. Eine Stuhlprobe gibt Klarheit über die Art der Erkrankung.

  • Welche Beschwerden sind kennzeichnend?
    Starke Bauchschmerzen einhergehend mit Übelkeit, fleischwasserfarbigem oder blutigem Durchfall sind die Symptome einer Ansteckung mit dem EHEC-Erreger.

  • Wie verläuft eine Therapie?
    Betroffene werden symptomatisch behandelt, zum Beispiel mit Infusionen, um den Flüssigkeits- und Mineralstoffverlust auszugleichen. Eine Therapie mit einem Antibiotikum könnte die Bakterienausscheidung verlängern und die Toxinbildung vermehren, deshalb wird auf ein Antibiotikum verzichtet. Besonders gefährdet, das HUS zu erleiden, sind vor allem Kleinkinder und ältere Personen, deren Immunsystem schwach ist. Sie erhalten eine besondere Beobachtung während der Erkrankung. Im schlimmsten Fall muss ein HUS mit Blutwäsche und Bluttransfusionen behandelt werden. (Quelle: Diagnostik Zentrum Fleetinsel Hamburg)