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Radio Hamburg

EHEC-Fälle in Hamburg

Erkrankungen rückläufig

UKE-Chef Debatin bestätigt, dass die Zahl der EHEC-Erkrankungen deutlich rückläufig ist.

Hamburg - Die Anzahl der Neuerkrankungen mit dem lebensgefährlichen EHEC-Darmkeim ist am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) "deutlich rückläufig". Das sagte UKE-Vorstandschef Prof. Jörg Debatin am Montag. Die Zahl der
Patienten mit der schweren Komplikation HUS, dem hämolytisch-urämischen Syndrom, sei dagegen etwa stabil. Der Infektiologe Prof. Ansgar Lohse mahnte, die Hygieneregeln weiter strikt zu beachten. "Wir empfehlen, sich an die Empfehlungen des Robert Koch-Instituts zu halten."

Allein am UKE liegen derzeit 18 Patienten auf der Intensivstation, wie der Intensivmediziner Stefan Kluge berichtete. Acht von ihnen seien schwerst erkrankt und müssten beatmet werden. Die Intensivmediziner kämpfen vor allem mit schweren neurologischen Problemen der Kranken - wie etwa Komazustände und Krampfanfälle. Wie erfolgreich der neue Wirkstoff Eculizumab bei schweren HUS-Fällen ist, werde sich erst in drei bis vier Wochen sagen lassen, erklärte der Nierenspezialist Rolf Stahl. Am UKE werde dieser "Rettungsversuch" (Stahl) bei elf Patienten eingesetzt.

Der aggressive EHEC-Erreger fordert immer mehr Menschenleben. Allein bis zum Wochenende stieg die Zahl der Toten auf zehn - alle Opfer stammten aus Norddeutschland. Viele Patienten liegen in äußerst kritischem Zustand auf der Intensivstation. Nun wollen sich Bundesregierung, Länder und Behörden bei einem´Spitzentreffen in Berlin beraten. Vor allem im Norden ist die Situation dramatisch. Im Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf sind 4 Kinder und 14

EHEC: Schulklasse in Othmarschen geschlossen

Unterdessen musste auch die erste Schule in Hamburg reagieren. In der Klasse 10d des Gymnasiums Othmarschen haben sich bereits vier Kinder mit dem EHEC-Erreger infiziert. Daher musste jetzt die Schule in dieser Klasse vorerst schließen, die Zimmer mussten desinfiziert werden.

Über 1.000 Infektionsfälle sind bundesweit bekannt. Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner hält unterdessen an der Warnung vor dem Verzehr für rohe Gurken, Blattsalate und ungekochte Tomaten fest.  Solange die Quelle des EHEC-Erregers nicht feststeht, bleiben die Warnhinweise für Gemüse bestehen, sagt Aigner in der Bild am Sonntag. "Solange es den Experten in Deutschland und Spanien nicht gelungen ist, die Quelle des Erregers zweifelsfrei zu benennen, haben die allgemeinen Warnhinweise für Gemüse weiterhin Bestand."

Sehr zum Ärger der deutschen Landwirte. Nach den jüngsten Warnungen verzichten viele Verbraucher auf Gurken, Tomaten und Blattsalat. Die großen Erzeuger hier im Land wollten scheinbar nicht mehr länger untätig zusehen und haben Stichproben ihrer Ware testen lassen. Das Ergebnis: Ihr Obst und Gemüse sei EHEC-frei, hieß es.

Ob die gefährlichen Darmbakterien noch an anderen Lebensmitteln haften, ist weiter unklar.

Auch Dänemark ist betroffen

Der Erreger breitet sich von Norddeutschland nun auch nach Dänemark aus. Wie das Universitätskrankenhaus Aarhus mitteilte, brachten Laborproben den ersten Nachweis einer Erkrankung in dem skandinavischen Land. Der Patient sei aber außer Lebensgefahr. Die Gesundheitsbehörden in Kopenhagen teilten mit, dass bei mindestens sechs weiteren Krankenhauspatienten Verdacht auf eine EHEC-Erkrankung bestehe. Alle Fälle werden in Krankenhäusern im südlichen und mittleren Jütland behandelt.

UKE hat EHEC-Station eingerichtet

Hier bei uns in Hamburg hat die Krankheit bei fast 60 Menschen, die sich mit dem Darm-Keim angesteckt haben, einen schweren Verlauf genommen. Sie sind an dem so genannten hämolytisch-urämischen Syndrom - kurz HUS - erkrankt, bei dem Nierenversagen droht. Das Universitätsklinikum Eppendorf hat sich auf die Situation eingestellt, Direktor Jörg Debatin: "Wir haben eine neue Station im neuen Klinikum als EHEC-Station deklariert, so dass wir dort 28 Betten für Patienten haben, die stationär versorgt werden müssen. Das sind dann alles Patienten mit HUS. Und wir haben dann auch eine Intensivstation mit 12 Betten, zur sozusagen Exklusivbehandlung dieser Patienten, eingerichtet."

Eine an dem Erreger erkrankte 83-jährige Frau ist im Kreis Diepholz gestorben. Das Gesundheitsministerium in Hannover teilte am Dienstag mit, die Seniorin sei seit Mitte Mai wegen eines blutigen Durchfalls stationär behandelt worden. Der Labornachweis habe eine EHEC-Infektion ergeben. Auch zwei weitere  junge Frauen, die wegen des Verdachts auf den Darmkeim behandelt wurden, sind gestorben. Sie hatten ebenfalls die typischen Symptome, die Laborwerte stehen aber noch aus. Ermittlungen des Gesundheitsamtes Diepholz zu den Todesumständen dauerten an.

Klarheit erst nach ungefähr 36 Stunden

Da das Bakterium erst in einer speziellen Bouillon mit einem Antibiotikum angereichert werden muss, kann es bis zu 36 Stunden dauern, bis Gewissheit darüber besteht, ob der Patient auch tatsächlich mit dem EHEC-Bakterium infiziert ist. „Der Keim produziert nicht zuverlässig“, so Dr. Ines Fenner vom Labor Dr. Thomas Fenner „daher wird empfohlen, ihn eine Nacht anzureichern.“ Anschließend kann man durch unterschiedliche Verfahren feststellen, ob es sich um ein EHEC-Bakterium handelt.

Ein Test der Oberflächeneigenschaften des Bakteriums kann Klarheit über den Sereotyp des einzelnen EHEC-Bakteriums bringen. „Am häufigsten kommt der sogenannte o750-Typ vor“, so Ines Fenner. Serotypen sind Untergruppen von, zum Beispiel, Bakterien, die sich in verschiedenen Eigenschaften unterscheiden.

Hier können Sie sich informieren

Das Zentrum für Gesundheits- und Infektionsschutz (ZGI) im Niedersächsischen Landesgesundheitsamt steht Ihnen für Fragen telefonisch unter der Info-Hotline 0511/4505-555 zur Verfügung.

Die aktuellsten Informationen zu EHEC veröffentlicht auch das Robert-Koch-Institut

Das Zentrum in Hamburg informiert außerdem über die wichtigsten Fragen und gibt Antworten, die Sie vor dem Erreger schützen. Fazit: Unbedingte Sauberkeit und ständiges Händewaschen sind in der nächsten Zeit lästige, allerdings auch wichtige Pflicht. In dieser Klickgalerie haben wir die wichtigsten Schutzinformationen und Wissenswertes für Sie zusammengestellt:

Gefährliches Darmbakterium EHEC

Alles Wissenswerte rund um die Krankheit

  •  Wo kann ich mich anstecken?
    Die Erreger leben im Darm von Säugetieren, folglich werden sie über den Kot der Tiere übertragen. Rohe Fleischprodukte oder andere Lebensmittel, die mit dem Keim verunreinigt sind, können ein Ansteckungsherd sein.

  • Wie kann ich Gemüse, Fleisch und Rohmilchprodukte nun sorgenfrei genießen?
    Das A und O ist, dass Verbraucher auf die richtige Küchenhygiene achten: Es gilt, Obst und Gemüse vor dem Verzehr gründlich zu waschen, Fleisch gut durchzugaren und Rohmilchprodukte vorerst zu meiden. Außerdem ist es ratsam, Küchengeräte, mit denen zum Beispiel Gemüse oder Fleisch zerkleinert wurde, sorgfältig zu reinigen – am besten in der Spülmaschine. Auch die Küchenarbeitsfläche sollte regelmäßig gesäubert werden. Denn Bakterien vermehren sich gerade bei Wärme sehr schnell.

  •  Wie kann ich mich im Alltag schützen?
    Da auch der Mensch die Bakterien überträgt, ist eine intensive Händehygiene unabdingbar: Waschen Sie sich regelmäßig ihre Hände, insbesondere nach der Toilettennutzung, am besten mindestens 30 Sekunden lang mit Seife und warmem Wasser – ein handelsübliches Händedesinfektionsmittel ist eine sehr gute Ergänzung. Achten Sie darauf, dass sich auch Ihre Kinder regelmäßig die Hände waschen und dass die Kleinen den Kontakt beispielsweise mit Streichelzoo-Tieren derzeit meiden.

  • Was tun, wenn ich jetzt plötzlich Bauchschmerzen und/oder Durchfall bekomme?
    Geraten Sie nicht in Panik, denn dies muss nicht zwangsläufig eine Infektion mit dem EHEC-Erreger sein. Suchen Sie jedoch unverzüglich einen Arzt auf oder fahren Sie in ein Krankenhaus. Eine Stuhlprobe gibt Klarheit über die Art der Erkrankung.

  • Welche Beschwerden sind kennzeichnend?
    Starke Bauchschmerzen einhergehend mit Übelkeit, fleischwasserfarbigem oder blutigem Durchfall sind die Symptome einer Ansteckung mit dem EHEC-Erreger.

  • Wie verläuft eine Therapie?
    Betroffene werden symptomatisch behandelt, zum Beispiel mit Infusionen, um den Flüssigkeits- und Mineralstoffverlust auszugleichen. Eine Therapie mit einem Antibiotikum könnte die Bakterienausscheidung verlängern und die Toxinbildung vermehren, deshalb wird auf ein Antibiotikum verzichtet. Besonders gefährdet, das HUS zu erleiden, sind vor allem Kleinkinder und ältere Personen, deren Immunsystem schwach ist. Sie erhalten eine besondere Beobachtung während der Erkrankung. Im schlimmsten Fall muss ein HUS mit Blutwäsche und Bluttransfusionen behandelt werden. (Quelle: Diagnostik Zentrum Fleetinsel Hamburg)