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Radio Hamburg

Allheilmittel oder Gesundheitsschädlich?

Kinder nehmen häufiger Antibiotika als Erwachsene

Antibiotika Bertelsmann Studie

Auf der Karte wird deutlich, dass Kindern in Deutschland in verschiedenen Gebieten unterschiedlich häufig Antibiotika verschrieben wird. 

Die Studie der Bertelsmann Stiftung ergab, dass Kindern häufiger Antibiotika verschrieben wird als Erwachsenen. Lesen Sie hier alles zum Heilmittel.

Bielefeld 16.02.2012

Antibiotika sind ein Segen für die Menschheit. Sie gelten zurecht als eine der bedeutendsten Erfindungen der Medizingeschichte. In vergangenen Jahrzehnten wurden die keimtötenden Arzneien aber allzu leichtfertig als Allheilmittel eingesetzt, beispielsweise zur völlig ungeeigneten Bekämpfung von Viruserkrankungen.

Antibiotika wegen Leistungsdruck

Der Gedanke dahinter: Der Mensch muss funktionieren; Krankheiten auszukurieren kostet nur unnötig viel Zeit. Patienten fordern, viele Ärzte verschreiben bereitwillig. Bei Kindern ist das nicht anders. Sie bekommen sogar häufiger Antibiotika verordnet als Erwachsene.

Kinder nehmen häufiger Antibiotika

Der Bertelsmann-Studie zufolge verordnen deutsche Ärzte Antibiotika deutlich häufiger Kindern als Erwachsenen. Bundesweit werde jedem zweiten Kind zwischen drei und sechs Jahren mindestens ein Antibiotikum pro Jahr verschrieben - deutlich mehr als Erwachsenen.

Grund für diese hohe Verschreibungsrate ist zum einen, dass Eltern ihre Kinder nicht leiden sehen möchte. Die Schmerzen und Beschwerden sollen ihnen so rasch wie möglich genommen werden. Darum muss es dann bei einer Mittelohrentzündung gleich ein Antibiotikum sein.

Abhängig vom Wohnort

Ob allerdings sofort zum Antibiotikum als „Allheilmittel“ gegriffen wird, hängt der neuesten Studie der Bertelsmann Stiftung zufolge auch vom Wohnort ab. Denn viele deutsche Kinder müssen offensichtlich unnötig Antibiotika schlucken, weil es in der Nähe keinen Kinderarzt gibt. Ob ein Antibiotikum an kleine Patienten verschrieben wird, ist demnach auch vom Wohnort abhängig: Kinder im Nordosten erhielten doppelt so häufig Antibiotika wie Kinder in Süddeutschland.

Kinderarzt in der Nähe?

Wolfram Hartmann, der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte in Deutschland, unterstreicht dieses Ergebnis mit der Aussage, dass „ sie (Kinder- und Jugendärzte) wissen, dass bei einer nicht eitrigen Mittelohrentzündung Antibiotika nur in Ausnahmefällen angezeigt sind.“

Als weiteren Grund sieht Hartmann die Betreuung der Kinder durch den Kinderarzt von Geburt an. Dadurch könnten sie „Beschwerden besser einschätzen als andere Fachgruppen, zu denen die Kinder und Jugendlichen nur in Ausnahmefällen gehen, und die sie dann aufgrund des hohen Drucks, viele Patienten in kurzer Zeit zu behandeln, schnell mit einem Antibiotikum versorgen.“ Die Zahlen der Studie sprechen ebenfalls für diese Einschätzung: „Bei nicht eitrigen Mittelohrentzündungen, bei denen Antibiotika laut Leitlinien nur in Ausnahmefällen angezeigt sind, verordneten 33 Prozent der Hausärzte Antibiotika, aber nur 17 Prozent der Kinderärzte und 9 Prozent der HNO-Ärzte“, erläuterte Stefan Etgeton, Gesundheitsexperte bei der Bertelsmann Stiftung.

Der Antibiotika-Irrtum

Diese hohe Antibiotika-Einnahmerate bei Kindern ist allerdings unter Umständen schädlich. Denn erst in den vergangenen Jahren hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass der unkontrollierte Einsatz von Antibiotika gefährlich ist. Multiresistente Krankenhauskeime sind das Schlagwort. Ein Antibiotikum ist kein Allheilmittel. Das sollten Patienten und erst recht Ärzte wissen. Bei Mittelohrentzündung sollte also lieber auf ein entzündungshemmendes Schmerzmittel und bewährte Hausmittel zurückgegriffen werden.

(dpa)

Eine weitere Gefahr ist der Wirkungsverlust, der eintreten kann, wenn Antibiotika zu häufig verschrieben wird: