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Radio Hamburg

Ein Jahr nach dem Epedemie-Ausbruch in Hamburg

EHEC: Schicksale und Folgen der Erkrankung

Hamburg, 25.04.2012
EHEC Bluttransfusion

Vor einem Jahrbrach im Norden die EHEC-Epedemie aus.

Bereits ein Jahr ist es her, dass der gefährliche EHEC Keim 53 Menschen das Leben kostete, 3.900 erkrankten. Ausgebrochen war er hier im Norden.

Verunsicherung, Angst und penible Sauberkeit - das verbinden nicht nur wir Hamburger mit dem Trauma EHEC. Der gefährliche Lebensmittelkeim hielt, ausgehend vom Norden, fast ganz Deutschland in Atem. Die traurige Bilanz: 53 Menschen starben, 3.800 erkranken. Wir blicken nun, ein Jahr nach dem Epidemie-Ausbruch, mit Ihnen zurück. Wie geht es den damals Erkrankten heute, mit welchen Folgeschäden müssen sie leben, welche Konsequenzen hat die Politik, das Verbraucherschutzministerium, daraus gezogen,  wie kann man sich effektiv gegen EHEC schützen und wie geht es den Betreibern des  Bio-Bauernhofes in Bienenbüttel, denn von dort, so stellten Forscher später fest, soll die Epidemie ihren Lauf genommen haben. Unser EHE-Special ein Jahr nach Ausbruch der Epidemie informiert Sie darüber.

EHEC verbreitete Angst und Schrecken im Norden

Bauchkrämpfe, blutiger Durchfall, Bluthochdruck: Der gefährliche Darmkeim  EHEC trifft die Infizierten im Mai 2011 aus heiterem Himmel. Aus kerngesunden, jungen Menschen werden innerhalb weniger Stunden Schwerkranke. Viele liegen auf der Intensivstation, klagen über schlimme Schmerzen. Rund 3.800 Menschen erkranken, 53 überleben den größten bisher bekannten EHEC-Ausbruch in Deutschland nicht.

Das Zentrum der Epidemie ist Hamburg

Wochenlang herrscht Panik vor Ansteckung. Die  Krankenhäuser der Hansestadt behandeln 900 EHEC-Patienten, darunter auch Menschen aus dem Umland. Zudem müssen zahlreiche Verdachtsfälle untersucht werden. Auf eine solche Krise ist niemand vorbereitet, die Belastung für Behörden, Ärzte und Pflegepersonal ist groß. Allein im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) liegen 137 Patienten, bei denen die  schwere EHEC-Verlaufsform hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS) diagnostiziert wird. Ständig kommen neue Symptome hinzu: Nierenprobleme, neurologische Störungen, hämmernde Kopfschmerzen oder 30 Kilo Wassereinlagerungen sind typisch. "Die Schwere der Krankheitsbilder belastete mich", erinnert sich UKE-Nierenspezialist Professor Rolf Stahl.

Fieberhafte Suche nach der Erreger-Quelle

Insgesamt erkranken in der Hansestadt 568 Menschen an EHEC, weitere 184 haben HUS. Fieberhaft wird nach der  Infektionsquelle gesucht. Warum sind so viele Frauen betroffen, die sich gesund ernähren? Das Berliner Robert Koch-Institut (RKI)  warnt am 22. Mai vor dem Verzehr roher Tomaten, Gurken und Salate. Der Absatz von frischem Gemüse geht drastisch zurück. Vier Tage später vermeldet das Hamburger Hygiene-Institut,  spanische Salatgurken seien mit EHEC-Keimen belastet. Doch es stellt sich heraus, dass es sich um einen anderen Erregertyp handelt. Bis heute ist eine  Schadenersatzklage eines Gemüseproduzenten anhängig. Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) sieht der Klage gelassen entgegen: "Ich sage nach wie vor, es war notwendig, diese Warnung auszusprechen", erklärt sie. "Auch wenn es schließlich nicht der damals grassierende Typ 0104 war, so haben wir doch auf dem Lebensmittel einen EHEC-Erreger gefunden, der die Komplikation HUS hätte auslösen können."

Biohof in Bienenbüttel fängt bei Null an 

Es dauert Wochen, bis mit frischen Sprossen endlich die Ursache für die EHEC-Welle gefunden ist.  Aus Ägypten importierte Bockshornkleesamen gelten als Quelle für die Infektionen. Am Ende führten die Spuren zu dem kleinen Biohof im niedersächsischen Bienenbüttel. Dort verarbeitete Sprossensamen aus Ägypten sollen nach Erkenntnissen der Behörden Auslöser für die EHEC-Epidemie vor einem Jahr gewesen sein. "Wir fangen im Prinzip wieder bei Null an", sagt Geschäftsführer Klaus Verbeck im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. "Das ist jetzt ein ganz neuer Anfang dieses Jahr." Von einst 15 Mitarbeitern seien nur eine Teilzeitkraft und eine Aushilfe übriggeblieben. Nach der EHEC-Epidemie war der Umsatz auf 5 Prozent eingebrochen. "Mittlerweile liegen wir wieder bei fast 15 Prozent, Tendenz leicht steigend", sagt der Gärtnermeister. "Obwohl bei uns nichts gefunden wurde, sind wir in der Öffentlichkeit immer noch der EHEC-Hof." Klaus Verbeck und seine Lebensgefährtin Uta Kaltenbach arbeiten seit mehr als 20 Jahren auf dem Hof, Sprossen trugen erheblich zum Umsatz bei. Am 5. Juni vergangenen Jahres kam dann der Schock: Die Spuren der EHEC-Epidemie laufen in Bienenbüttel zusammen, hieß es.

Schwierige Behandlung der Patienten

Die richtige Behandlungsmethode für die neue Form des EHEC-Erregers? Darüber herrscht in den Kliniken große Unsicherheit. Man versucht es bei vielen HUS-Patienten mit Plasmapherese (Austausch von Blutplasma) oder einer neuen Antikörpertherapie. Professor Stahl ist überzeugt, dass Plasmapharese wenig gebracht hat, der Einsatz des Antikörpers Eculizumab aber die Patienten überwiegend zur vollständigen Genesung führte. Noch läuft dazu eine klinische Studie
 an 25 Zentren. Alle Daten sollen zur Auswertung im Juni vorliegen, die Ergebnisse wahrscheinlich Ende des Jahres publiziert werden.

Die Folgen für Patienten mit HUS

Noch heute kommen 120 Patienten zur Nachsorge in das UKE. Bis zu zehn Prozent der ehemaligen HUS-Kranken hat Folgen wie Bluthochdruck, eingeschränkte Nierenfunktion, erhöhte Eiweiß-Ausscheidung oder Konzentrationsstörungen zurückbehalten. Vielleicht werden die Schäden ein Leben bleiben. Wer im vergangenen Jahr schwer an EHEC erkrankte, spricht heute meist ungern darüber. "Die Patienten haben zum Teil fürchterlich schreckliche Erinnerungen an diese Zeit, nicht jeder will damit konfrontiert werden", erklärt Stahl. Die Hamburgerin Monka Pankowska gibt einen Einblick in ihr Martyrium.

Akutes Nierenversagen

Mitte Mai 2011 erkrankte Monika Pankowska aus Hamburg-Barmbek an dem Lebensmittel-Keim EHEC. Die heute 33-Jährige lag drei Wochen im Universitätsklinikum Eppendorf (UKE), hatte die schwere EHEC-Verlaufsform hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS). An die Zeit denke sie nur ungern zurück, sagt die Gastronomin. "Ich bekam bei der Arbeit Bauchweh und blutigen Durchfall. Mir war schlecht, ich dachte, ich hätte etwas Falsches gegessen. Ich hatte tagelang schlimme Bauchkrämpfe, konnte nicht mehr aufstehen. Schließlich kam ich ins Krankenhaus, hatte ein akutes Nierenversagen. Ich konnte nicht mehr rechnen, nicht mehr richtig sprechen, habe 12 Kilo Wasser eingelagert, konnte nur schwer etwas essen, fühlte mich so schwach. Es wurde bei mir eine Blutwäsche angeordnet. Wirklich geholfen hat mir aber die neue Antikörpertherapie mit Eculizumab. Ich nehme an einer Studie zu deren Wirkung teil."

Monika Pankowska fand es besonders belastend, dass keiner sie ohne Schutzkleidung oder Handschuhe besuchen und anfassen konnte. "Man hat immer die Nähe von anderen Menschen gesucht, durfte aber niemanden berühren das war schlimm für mich. Jeder hatte natürlich Angst krank zu werden. Eine große Stütze waren in dieser schweren Zeit die Ärzte und das Pflegepersonal im UKE, denen ich allen sehr dankbar bin."

2012: Sechsjährige stirbt in Hamburg an HUS

Im Februar dieses Jahres sorgte der  Tod eines sechsjährigen Mädchens in Hamburg wieder für großes Aufsehen, es starb an den Folgen von HUS. Der Erregertyp war jedoch ein anderer als bei der Epidemie im vergangenen Jahr. "Die Krankheit trat in der Vergangenheit auf und es wird sie auch weiterhin geben", sagt Senatorin Prüfer-Storcks. "Hoffentlich nicht in dem Ausmaß wie im Frühsommer 2011, aber niemand kann das für die Zukunft ausschließen." 

(dpa/aba)