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Radio Hamburg

Zahnarztbesuch

Kasse verzichtet auf Praxisgebühr

Hamburg, 06.07.2012
RHH - Expired Image

Die Hanseatische Krankenkasse erlässt bei einem Zahnarztbesuch ihren Versicherten die Praxisgebühr.

Versicherte der Hanseatischen Krankenkasse (HEK) müssen künftig bei Zahnarztbesuchen keine Praxisgebühr mehr bezahlen.

Der HEK-Verwaltungsrat forderte am Donnerstag in Hamburg nach eigenen Angaben den Gesetzgeber zudem auf, die 10 Euro Praxisgebühr pro Quartal generell abzuschaffen. "Wir gehen dabei voran und machen deutlich, dass wir die Forderung von Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) und der Mehrheit der Gesundheitsminister der Länder unterstützen", begründete HEK-Verwaltungsratschef Horst Wittrin die Entscheidung des Gremiums.

HEK verzichtet auf rund 2,5 Millionen Euro

Nach Überzeugung des HEK-Verwaltungsrats hat die Praxisgebühr keinerlei Steuerungsfunktion und verursacht unnötige Bürokratie-Kosten. "Wer Zahnschmerzen hat, soll zusätzlich nicht auch noch finanziell belastet werden", betonte Wittrin. Die HEK werde ihren Versicherten deshalb die Praxisgebühr rückwirkend zum 1. Januar 2012 im Rahmen ihres Bonusprogrammes erstatten, sollte das Bundesversicherungsamt dem HEK-Beschluss zustimmen. Nach eigenen Angaben verzichtet die HEK damit pro Jahr auf Einnahmen in Höhe von etwa 2,5 Millionen Euro. Sie betreut bei einem Haushalt von rund 916 Millionen Euro etwa 400.000 Versicherte.

Ziehen andere Krankenkassen nach?

Zuletzt war ein Vorstoß des Stadtstaates Hamburg zur Abschaffung der Praxisgebühr gescheitert. Der Plan fand zwar Unterstützung bei zehn weiteren Bundesländern. Das notwendige Quorum wurde aber dennoch nicht erreicht. In der Regierungskoalition im Bund dringt vor allem die FDP auf eine Reform der Gebühr, während die Union sie beibehalten will. Gesundheitsminister Bahr hatte besonders gut dastehende Kassen bereits mehrfach gedrängt, Prämien an ihre Mitglieder zu zahlen. Notfalls will er sie sogar per Gesetz dazu zwingen. Die deutschen Krankenkassen sitzen derzeit auf einer Rekordreserve in Höhe von rund 11,5 Milliarden Euro, Prämien schütten bislang jedoch nur rund zehn überwiegend kleinere Kassen mit rund 700.000 Versicherten aus. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sprach von einem vorbildlichen Signal der HEK. "Wenn die Kassen schon freiwillig damit beginnen, die Praxisgebühr zurückzuzahlen, muss die CDU ihre Blockade-Haltung aufgeben und die Sinnlos-Gebühr endlich abschaffen", sagte er der Bild-Zeitung. Derzeit sei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei den deutschen Patienten aber offenbar noch weniger großzügig als zu spanischen Banken.

(dpa / ste)