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Radio Hamburg

Tag der Organspende

So bekommt Ihr einen Organspendeausweis

Hannover, 04.06.2016
Organspende, Organspendeausweis, Spende, Ausweis, Unterschrift

In Deutschland herrscht ein chronischer Mangel an Organspenden - mit einem Organspendeausweis lässt sich das ändern.

Noch immer gibt es in Deutschland viel zu wenig Organspenden - mit einer Organspende kann jeder jedoch bis zu sieben Leben retten!

Trotz der zuletzt gestiegenen Zahl an Organspenden warten weiterhin Tausende schwer kranke Menschen auf eine rettende Operation. "Niemand kann zufrieden sein", sagte der Medizinische Vorstand der Deutschen Stiftung Organspende (DSO), Axel Rahmel bei der zentralen Veranstaltung zum Tag der Organspende am Samstag (04.06) in München.

Chronischer Mangel an Organspenden

Überall auf der Welt gebe es zu wenig Spenderorgane. "In Deutschland ist es natürlich eklatant." Mit einer Spende könne man bis zu sieben Menschen das Leben retten, sagte Rahmel. "Was für eine unglaubliche Möglichkeit." Die Zahl der Organspender war in den ersten fünf Monaten 2015 erstmals seit Jahren wieder gestiegen - bundesweit um fünf Prozent auf 375 (ohne Lebendspender). Dennoch warten mehr als 10.000 schwer kranke Menschen in Deutschland auf eine Transplantation, die meisten von ihnen auf eine neue Niere.

Eigene Haltung dokumentieren

Die eigene Haltung zum Thema Organspende sollte man möglichst schriftlich festhalten. Dazu haben Politiker, Verbände und Prominente am Samstag in Hannover aufgerufen. Dort fand die zentrale Veranstaltung zum Tag der Organspende statt. "Man sollte auch immer bedenken, dass man auch Angehörige entlastet", sagte Axel Rahmel, der Medizinische Vorstand der Deutschen Stiftung Organspende (DSO).  Ohne schriftliche Erklärung - beispielsweise auf einem Organspendeausweis - seien trauernde Verwandte nach dem Tod eines Menschen auch noch damit konfrontiert, ob Organe gespendet werden sollen. Rahmel wies darauf hin, dass sich unsichere Angehörige meist gegen eine Organspende entscheiden. Aber auch ein klares "Nein" zur Organspende sollte festgehalten werden. 

Tag der Organspende

Alle Infos zur Organ- und Gewebespende

  • Informieren

    Mit dem Thema Organ- und Gewebespende sollte man sich vor einer Entscheidung intensiv auseinandersetzen, um dann eine persönliche Entscheidung treffen zu können. Die eigene Entscheidung sollte in einem Organspendeausweis festgehalten werden und danach am besten bei den persönlichen Papieren bei sich getragen werden. Damit seid Ihr auch im Notfall auf der sicheren Seite.

  • Mit Angehörigen sprechen

    Hat man sich für oder gegen eine Organspende entschieden, sollte das Ergebnis den Angehörigen mitgeteilt werden. So kennen diese den eigenen Willen und können im Fall der Fälle im entsprechenden Sinne handeln.

  • Ausweis am Körper tragen

    Der Organspendeausweis ist ein verbindliches Dokument der eigenen Entscheidung für oder gegen eine Organ- und Gewebespende. Deshalb sollte dieser immer zusammen mit den Personalpapieren bei sich geführt werden. Im Notfall wird er dann schneller gefunden. Anders als bei der Knochenmarkspende gibt es bei der Organspende nämlich keine Registrierung der Spender.

  • Krankenkassen schreiben an

    Seit November 2012 werden alle Personen ab 16 Jahren von ihrer Krankenkasse angeschrieben und zu einer freiwilligen Entscheidung aufgefordert. Dazu stellen die Krankenkassen kostenlose Organspendeausweise und Infomaterialen zur Verfügung.

  • Diese Organe kann man spenden

    Spenden lassen sich die Organe: erz, Lunge, Leber, Nieren, Bauchspeicheldrüse, Darm und Teile der Haut sowie Hornhaut der Augen, Herzklappen und Teile der Blutgefäße, des Knochengewebes, des Knorpelgewebes und der Sehnen (Gewebe). Bei der Knochenmarkspende werden Stammzellen entnommen.

  • Wer kann alles spenden?

    Grundsätzlich kann jeder Mensch Organspender werden. Minderjährige können ihre Bereitschaft zur Organ- und Gewebespende ab dem 16. Lebensjahr und ihren Widerspruch ab dem 14. Lebensjahr erklären. Eine Einwilligung der Eltern ist dabei nicht notwendig. Eine Begrenzung bis zu welchem Alter eine Spende möglich ist gibt es nicht. Auch Hautfarbe, Religionszugehörigkeit oder sexuelle Orientierung sind keine Ausschlusskriterien. Lediglich wenige Vorerkrankungen schließen eine Organspende direkt aus. Wichtig ist jedoch immer die Feststellung des Hirntodes und die Zustimmung zur Organ- und Gewebespende, denn nur dann dürfen Organe und Gewebe entnommen werden.

  • Welches Körpergewebe kann gespendet werden?

    Körpergewebe kann für viele verschiedene Krankheiten und Verletzungen gespendet werden. So können Augenhornhaut, Blutgefäße, Haut, Herzklappen und Knochen gespendet werden. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen körpereigener Spende, also von einer Patientin oder einem Patienten selbst, und dem Gewebe einer fremden, verstorbenen oder auch lebenden Person. Gewebespenden werden in der Regel nicht sofort transplantiert, sondern zunächst in speziellen Gewebebanken gereinigt, aufgearbeitet und konserviert.

  • Was bedeutet Hirntod?

    Der Hirntod bedeutet den kompletten und unwiderruflichen Ausfall aller Gehirnfunktionen und wird deshalb als unwiederrufliches Todeszeichen angesehen. Der Hirntod wird von zwei Ärzten unabhängig voneinander nach den Richtlinien der Bundesärztekammer festgestellt und dokumentiert.

  • Spürt ein hirntoter Patient Schmerzen?

    Bei der Organentnahme werden keine schmerzstillenden Medikamente verabreicht, weil eine Schmerzwahrnehmung beim Hirntod nicht mehr möglich ist. Jedoch können spontan oder als Reaktion auf äußere Reize durch die Tätigkeit des Rückenmarks Bewegungen der Arme und Beine auftreten. Diese Bewegungen, die sogenannten Lazarus-Zeichen, sind für den Hirntod geradezu typisch. Sie haben mit dem personalen Leben des Menschen nichts zu tun und weisen auch nicht auf Schmerzempfindungen hin.

  • Der genaue Ablauf einer Spende

    Sobald der Hirntod festgestellt wurde und eine Zustimmung des Verstorbenen oder der Angehörigen vorliegt, werden der DSO die relevanten Informationen vermittelt, sodass sie sich um weitere Abläufe kümmern kann. Hierzu zählen unter anderem die Koordinierung weiterer Untersuchungen, die Weiterleitung der erhobenen Daten an Eurotransplant zur Ermittlung eines geeigneten Empfängers oder einer Empfängerin oder die Organisation des Transports der entnommenen Organe.

  • Was ist Eurotransplant?

    Neben der DSO ist auch die Stiftung Eurotransplant für den Organspendeprozess verantwortlich. Sie kümmert sich um die Vermittlung der Organe nach Richtlinien der Bundesärztekammer, wobei diese nach Dringlichkeit, Erfolgsaussicht sowie Wartezeit vergeben werden.

  • Was passiert mit dem Körper des Spenders?

    Das Transplantationsteam geht zu jedem Zeitpunkt respektvoll mit dem Körper der oder des Toten um. Die Entnahme findet in einem Operationssaal statt, die Regeln der medizinischen Kunst werden wie bei anderen chirurgischen Eingriffen beachtet. Nach der Entnahme verschließen die Ärztinnen und Ärzte den Körper wieder, um den Patienten zur Beisetzung an die Angehörigen zu übergeben. Ein würdevolles Abschiednehmen ist immer möglich.

  • Die Lebendspende

    Eine Lebendspende ist nur unter Verwandten ersten oder zweiten Grades, zum Beispiel Eltern und Geschwistern, unter Ehepartnern, Verlobten oder unter Menschen, die sich persönlich sehr nahe stehen erlaubt. Es können in Deutschland die Niere oder ein Teil der Leber lebend gespendet werden. Eine Lebendspende muss sehr sorgfältig abgewogen werden. Wie jede andere Operation stellt eine Organentnahme für den Spender ein medizinisches Risiko dar.

Organspendeausweis als Download

Den  Organspendeausweis könnt Ihr Euch direkt bei uns downloaden oder aber auf der Seite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Dort gibt es auch ausführliche Informationen zum Thema Organ- und Gewebespende, dem Spendeprozess und weitere aktuelle Informationen.

(dpa/san)

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