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Radio Hamburg

Volkssucht Nasenspray

Bist du süchtig nach Nasenspray?

Hamburg, 20.09.2017
Mann sprayt sich Nasenspray in die Nase

Mehr Menschen als gedacht, sind in Deutschland von Nasenspray abhängig.

Experten gehen davon aus, dass Hunderttausende Deutsche von Nasenspraysucht betroffen sind - die Dunkelziffer dürfte noch deutlich höher liegen. Seid ihr auch betroffen?

Bei Erkältungen oder Heuschnupfen sind Nasensprays und Nasentropfen ganz alltägliche Produkte, die schnell Abhilfe schaffen uns die Betroffenen wieder tief durchatmen lassen. Frei in Apotheken verkäuflich, sind Nasensprays für jeden quasi jederzeit verfügbar und dadurch eines der meist verkauften Medikamente in der Republik. Mit einem Problem: Bereits nach zwei Wochen führen die am häufigsten verwendeten Wirkstoffe Xylometazolin oder Oxymetazolin, die das Abschwellen der Nasenschleimhäute bewirken, zur Abhängigkeit. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen geht deshalb davon aus, dass deutschlandweit mindestens 100.000 Menschen von Nasenspraysucht betroffen sind, sich also mehrmals täglich eine Dosis in die Nase sprayen müssen. Die Dunkelziffer dürfte allerdings noch deutlich höher liegen, sodass Experten die Zahl sogar im Millionenbereich ansetzen. Habt auch ihr manchmal Probleme nach der längeren Verwendung von Nasenspray wieder ohne Spray durchs Leben zu kommen? Oder habt ihr das Gefühl, dass euer Konsum inzwischen schon außer Kontrolle geraten ist. Macht hier unseren Test, ob ihr vielleicht auch abhängig von Nasenspray seid.

Ernst zu nehmende Sucht mit typischen Suchtanzeichen

Von vielen - auch Betroffenen - belächelt, ist die Nasenspraysucht ebenso eine Suchterkrankung wie Alkoholismus oder anderer Drogenmissbrauch. Die Abhängigen müssen über den Tag verteilt immer wieder zum Fläschchen greifen, steigern ihren Konsum über die Zeit, weil die Wirkung des Sprays immer geringer wird, bekommen Panik, Aggressionszustände oder sogar Erstickungsängste, wenn sie nicht rechtzeitig eine neue Dosis nehmen können und entwickeln letztlich auch körperliche Entzugserscheinungen. Wer über Jahre oder Jahrzehnte Nasenspray nimmt, läuft Gefahr die eigene Nasenschleimhaut nachträglich zu zerstören und eine sogenannte Stinkenase zu entwickeln. Die Schleimhaut ist dann mit einem süßlich-faul riechendem gelb-grünen Belag überzogen. Vorher wird die Nase der meisten Betroffenen aber schon deutlich trockener und anfälliger für Keime.

Schnell süchtig machende Wirkstoffe

Hauptproblem sind die Wirkstoffe Xylometazolin oder Oxymetazolin, die die Schleimhäute schnell abschwellen lassen und damit wieder für fast sofortige Linderung und freies Atmen sorgen. Durch diese ziehen sich die Blutgefäße in der Nasenschleimhaut zusammen, wodurch die blockierten Nasenkanäle wieder frei werden. Lässt die Wirkung aber nach, pumpt der Körper nur noch mehr Blut in die Gefäße, sodass die Nase sogar stärker verstopft ist als vor der Verwendung. Dadurch beginnt meist ein Teufelskreis, der schnell nach immer mehr Nasenspray ruft. Hinzu kommt, dass sich die betroffenen Areale im Körper schnell an den Wirkstoff gewöhnen und immer mehr in immer kürzeren Abständen verlangen. Aus diesem Grund sollte die Verwendung nicht länger als eine Woche andauern. Nach 14 Tagen hat sich die Nase bereits an die Wirkstoffe gewöhnt - eine Sucht entsteht, die nur schwer wieder zu durchbrechen ist.

Ausstieg fällt oft schwer

Versuchen Betroffene ihren Konsum einzuschränken, fällt das oft schwer. Die Nase ist blockiert, Durchschlafen häufig nicht möglich und die Einschränkungen im Alltag für die Patienten oft zu groß - zu schnell greifen viele dann wieder zu den Sprays. HNO-Ärzte raten Nasensprayabhängigen zu mehreren verschiedenen Methoden, um der Sucht zu begegnen:

- Der kalte Entzug, bei dem man von jetzt auf gleich alle abschwellenden Sprays verbannt und wirklich nur noch im Notfall anwendet. Die gereizte Nase pflegt man währenddessen mit Cremes und Kochsalzlösung

- Der schrittweise Entzug, bei dem Patienten die Dosis in ihrem Nasenspray immer weiter zurückfahren. Das kann durch Wasser/Kochsalzlösung passieren oder die Verwendung von Kindernasenspray und/oder Meerwassernasensprays

- Der Entzug mit der Ein-Loch-Therapie, bei der zuerst das eine Nasenloch entwöhnt wird und danach das zweite. Dabei können jeweils die beiden oberen Möglichkeiten angewandt werden

- Die Verwendung von Kortisonnasenspray, welches abschwellend und entzündungshemmend wirkt

- Tabletten mit Pseudoephedrin, die ebenfalls abschwellend wirken. Die Tabletten sollten allerdings nur mit Rücksprache mit dem Arzt verwendet werden, da sie nicht nur explizit auf die Nasenschleimhäute einwirken

- Bleiben alle Versuche über lange Zeit erfolglos, bleibt am Ende noch die operative Lösung, bei der die Nasenschwellkörper verkleinert werden und die Patienten dann wieder frei durchatmen könne 

Macht jetzt den Test und findet heraus, ob auch ihr vielleicht Probleme mit dem Konsum von Nasenspray habt.

Los geht's
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