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Radio Hamburg

Rainer Hirsch: Das macht mir richtig Angst...

Die Ängste der Deutschen

Hamburg, 03.09.2015
Angst

Wovor habt Ihr Angst?

Rainer Hirsch aus der Nachrichten-Redaktion erzählt, was ihn ängstigt und warum wir Deutschen allumfassend versichert sind.

Die R+V Versicherung präsentiert heute wieder ihre Studie zu den Ängsten der Deutschen.

„Angst ist kein guter Ratgeber“, besagt eine Redensart, die auf Versicherungen aber höchstwahrscheinlich nicht zutrifft. Schließlich nimmt ihr Umsatz mit unseren Ängsten zu. Und wir Deutsche sind Meister im Angst haben, wenn nicht sogar Weltmeister.

Eine aus Mexiko stammende Freundin war echt beeindruckt, als ich ihr kurz nach ihrem Umzug nach Deutschland mal erklärt habe, gegen was wir Deutsche uns alles versichern können.

Klar, Kranken-, Haftpflicht- und Rentenversicherung machen bestimmt Sinn, schon bei der Reisegepäckversicherung drängt sich mir allerdings der Verdacht auf, dass die Versicherung da mehr von hat als ich. Wie oft ist mein Gepäck eigentlich bisher im Trubel der Flughafen-Gepäckbänder verloren gegangen? Zwei Mal. Und beide Mal ist es sogar wieder aufgetaucht.

Beim ersten Mal sind mein Gepäck und ich im englischen Norwich getrennt voneinander gelandet. Der Flughafen ist so klein, dass man sofort Verdacht schöpft, wenn das Gepäck nicht schon vor einem in der Ankunftshalle unterwegs ist. 200 Kilometer von Norwich entfernt wollten wir am Tag nach unserer Landung zu einer Wanderung aufbrechen. Also sind wir mit dem Bus vom Flughafen zum Startpunkt des Trails vorgefahren und KLM hat uns die Ausrüstung schön hintergebracht. Selten so bequem gereist - Wahrscheinlich haben die für’s Taxi mehr ausgegeben als uns das Ticket von Hamburg gekostet hat. Da hätte eine Reisegepäckversicherung keinen benefit gebracht.

Dann vor anderthalb Jahren: Yangon, Myanmar. Da mussten wir am Morgen nach unserer Einreise nochmal zum Flughafen, weil erst dann unser Gepäck die Strecke Hamburg-Dubai-Bangkok-Yangon geschafft hatte und die Airline uns wegen der Zollvorschriften die Rucksäcke nicht ins Hotel bringen durfte. Alles gar nicht schlimm, im Hotelbadezimmer lagen– wie in vielen asiatischen Hotels üblich – Zahnbürsten bereit und die Klamotten haben wir dann eben ein paar Stunden länger getragen als gewöhnlich. Nervig war eben nur, dass wir nochmal zum Flughafen mussten. Aber dafür wollte uns Bangkok Airways neben der Erstattung der Taxikosten 75 Dollar Entschädigung zahlen. Kein Kleckerbetrag in einem Land, in dem das durchschnittliche Jahreseinkommen bei rund 1.300 Dollar liegt. Vielleicht auch deswegen hatte die Angestellte am Bangkok Airways-Schalter so viel Geld nicht zur Hand und versprach uns die Auszahlung drei Wochen später, da wollten wir mit der Airline nach Bangkok zurück fliegen. „Das Geld bekommen Sie dann automatisch, wenn Sie an unserem Schalter einchecken“, sagte sie. Darauf ich: „Können Sie uns das irgendwie schriftlich bestätigen, damit wir etwas in der Hand haben?“ Entsetzter Blick – „Wissen Sie, wir sind hier keine Lügner bei Bangkok Airways“. Das saß und offenbarte einen eklatanten Kulturunterschied. Wir Deutschen haben nämlich gerne mal Angst, beschissen zu werden, irgendwie zu kurz zu kommen. Davor sollen uns Rechtsschutzversicherungen und neuerdings auch Internetschutzversicherungen bewahren. Falls wir den Nachbarn wegen des Zigarettenrauchs verklagen müssen oder wir uns beim Beobachten der Nachbarin auf YouPorn mal ein Virus einfangen.

In einigen deutschen Regionen könnten Versicherungen wahrscheinlich auch mit „Flüchtlingsschutzpaketen“ so richtig Kasse machen. Nicht für Flüchtlinge natürlich, sondern für die richtig anständigen Deutschen, die eine apokalyptische Überflutung ihrer Nachbarschaft mit Asylsuchenden fürchten. Wer schützt mich eigentlich vor denen? Die machen mir Angst.

 

PS: Das Geld von Bangkok Airways lag natürlich pünktlich parat!

Rainer Hirsch aus unserer Nachrichten-Redaktion schreibt zur Flüchtlingstragödie in der Welt und in Deutschland

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