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Radio Hamburg

Im Vergleich zu Herstellerangaben

Kraftstoffverbrauch 42 Prozent höher als angegeben

Berlin, 06.11.2017
Tankanzeige Auto

Der Karftstoffverbrauch weicht eklatant von den Angaben der Hersteller ab.

Der reale Kraftstoffverbrauch bei Neuwagen ist laut einer neuen Studie satte 42 Prozent höher als vom Hersteller angegeben.

Der Kraftstoffverbrauch von Neuwagen in Europa liegt einer Untersuchung zufolge im Durchschnitt 42 Prozent höher als von den Herstellern angegeben. Dies ist das Ergebnis einer Studie des International Council on Clean Transportation (ICCT), die den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Montag) vorliegt.

Der höhere Verbrauch bedeutet nicht nur Mehrkosten für die Autofahrer, sondern auch eine stärkere Belastung der Umwelt etwa durch CO2-Ausstoß. Die EU hat bereits strenge CO2-Grenzwerte ab 2021 festgesetzt, die nach einer Analyse der Beratungsgesellschaft MSCI kaum ein Autohersteller wird einhalten können.

"Die Kluft zwischen offiziellem und tatsächlichen Verbrauch ist dabei so groß wie noch nie. Noch vor zehn Jahren betrug die Differenz zwischen dem von den Herstellern veröffentlichten und dem real gemessenen Verbrauch nur etwa 15 Prozent", wurde der ICCT-Geschäftsführer in Europa, Peter Mock, zitiert. Die ICCT ist eine unabhängige Forschungsorganisation, die vor zwei Jahren den VW-Diesel-Skandal in den USA mit aufgedeckt hat.

Die ADAC-Tipps

So spart ihr Sprit

  • Tipp 1: Früh Hochschalten

    Bei einer Drehzahl von ca. 2000 U/min solltet ihr die einzelnen Gänge bereits hoch schalten. Zurückschalten ist nicht nötig, solange der Motor noch Gas annimmt ohne zu ruckeln. Nach jedem Schaltvorgang ist wieder ein Tritt aufs Gaspedal notwendig und das kostet jedes Mal Sprit.

  • Tipp 2: Auf den Reifendruck achten

    Der richtige Reifendruck ist enorm wichtig und wird oft unterschätzt. Zu hoher oder zu niedriger Reifendruck wirkt sich negativ auf den Verschleiß der Reifen und den Verbrauch Ihres Autos aus. Eine Druckschwankung von 0,2 bar kann für einen Mehrverbrauch von ca. 1 % führen.

  • Tipp 3: Auch der Leerlauf verbraucht Sprit

    Dauert die Leerlaufzeit voraussichtlich länger als 20 Sekunden, zum Beispiel im Stau oder an der roten Ampel, schaltet den Motor aus. Wer an Bahnübergängen wartet, weil die Schranke unten ist, muss den Motor sogar abstellen. So steht es in der Straßenverkehrsordnung. Wer sich nicht daran hält, muss mit einem Bußgeld von bis zu 10 Euro rechnen.

  • Tipp 4: Unnötiges Gewicht vermeiden

    Wer kistenweise Bier oder andere schwere Gegenstände im Kofferraum herumkutschiert, muss das Mehrgewicht auch bezahlen. Pro 100 kg Gewicht ergeben sich ca. 0,3 l mehr Spritverbrauch auf 100 km. Auch Dachboxen und Fahrradträger können den Spritverbrauch massiv beeinflussen.

  • Tipp 5: Kurze Strecken lieber vermeiden

    Geht kurze Strecken lieber zu Fuß, fahrt mit dem Fahrrad oder nutzt Sie öffentliche Verkehrsmittel. Auf den ersten 1 – 2 Kilometern nach dem Kaltstart hat fast jedes Auto einen immens höheren Spritverbrauch, der bis zu 30 Liter betragen kann. Außerdem sind kurze Fahrten, besonders in der kalten Jahreszeit, kein Segen für die Autobatterie.

  • Tipp 6: Elektronische Verbraucher abschalten

    Beheizbare Heckscheibe, Lüftung oder das Autoradio haben eins gemeinsam: Sie funktionieren nur mit Strom. Und der muss auch im Auto mit Energie erzeugt werden, also aus dem Kraftstoff, mit dem das Fahrzeug fährt.  100 Watt elektrische Leistung erfordern je nach Motordrehzahl und Lichtmaschinen-Auslegung ca. 0,1 l auf 100 Kilometern.

  • Tipp 7: Motor nicht warmlaufen lassen

    Warmlaufen lassen des Motors schadet der Umwelt und ist verboten. Bei Nichtbeachtung sind darüber hinaus 10 Euro Verwarnungsgeld fällig.

    Ein aktueller ADAC-Test zeigt, dass auch das Fahrzeug gar nicht warm wird. Nach vier Minuten Warmlaufen, bei einer Außentemperatur von -10 °C, hat das Motoröl erst eine Temperatur von -7 °C erreicht und auch aus den Luftaustrittsdüsen kommt nur ein laues Lüftchen mit ca. 13 °C. Dafür wurden jedoch bereits circa 0,15 l Benzin verbrannt.

  • Tipp 8: Spritspar-Wundermittel

    Im Internet werden sie oft angepriesen und versprechen einen deutlich niedrigeren Spritverbrauch. Ein Test des ADAC beweist: Alles totaler Unsinn und reine Geld- und Zeitverschwendung. Viel Wichtiger dagegen sind regelmäßigen Ölwechsel (eventuell mit Leichtlauf-Öl), saubere Filterelemente, korrosions- und schmutzfreie Kabelstecker, funktionstüchtige Zündkabel und zündwillige Zündkerzen.

  • Tipp 9: Klimaanlage und Standheizung

    Frieren oder schwitzen ist auch während des Autofahrens eine unangenehme Angelegenheit. Die Standheizung oder die Klimaanlage schaffen Abhilfe. Nutzt diese aber auch mit Bedacht.

    ADAC-Messergebnisse zeigen:

    - Klimaanlage: Mehrverbrauch zwischen 0,1 l und 2,1 l pro 100 km, je nach Fahrzeugmodell, Klimaanlagentechnik und Einsatzbedingungen.

    - Standheizung: Mehrverbrauch ca. 0,2 bis 0,5 l pro Stunde

  • Tipp 10: Das ADAC Spritspartraining

    Gerade die Fahrgewohnheiten beinhalten ein überraschend hohes Sprit-Sparpotenzial. Vertiefen und optimieren lässt sich das unter Anleitung erfahrener Trainer im "ADAC Spritspar-Training".

Eklatante Entwicklung

 

Als die Studie im Jahr 2013 zum ersten Mal veröffentlicht wurde, lag die Diskrepanz noch bei etwa 25 Prozent. Ein Grund für die hohe Diskrepanz liege darin, dass der Kraftstoffverbrauch von Pkw für die Herstellerangaben in Testlaboren und nicht im realen Fahrbetrieb ermittelt werden. Seit September würden aber für neue Fahrzeugtypen strengere Richtlinien bei den Testverfahren gelten, ab Herbst dann für alle Autos. Die ICCT-Forscher erwarten, dass dies die Diskrepanz zwischen offiziellen und realen Verbrauchswerten etwa halbieren könnten.

Es wäre auch wichtig, "dass endlich europaweit Sanktionsmöglichkeiten eingeführt werden, um Autohersteller bei Tricksereien und Falschangaben bestrafen zu können", sagte Mock. "Sonst ändert sich nichts."

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