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Radio Hamburg

Robert Enke (†)

Ein Jahr nach seinem Tod

Robert Enke

Robert Enke (†) sah keinen anderen Ausweg aus seinen Depressionen als den Freitod.

Vor einem Jahr beging Fußballer Robert Enke Selbstmord - was hat sich seither getan?

Hannover - Ein Jahr nach dem Selbstmord von Robert Enke trauern die Menschen um den Fußball-Star. DFB-Präsident Theo Zwanziger, Bundestrainer Joachim Löw und Teammanager Oliver Bierhoff haben am Grab von Robert Enke einen Kranz niedergelegt. Zusammen mit Enkes Witwe Teresa, Berater Jörg Neblung und Hannover-96-Clubchef Martin Kind nahmen sie an einer Gedenkfeier auf dem Friedhof Empede teil - unter Ausschluss der Öffentlichkeit, Polizisten hatten die Zufahrt gesperrt. Dafür ist auf dem Gelände von Robert Enkes letztem Verein Hannover 96 vor dem Nordeingang ein Gedenkzelt aufgebaut, wo Fans ihrer Trauer Ausdruck verleihen können.

Vor einem Jahr sorgte der Suizid von 96-Torwart Robert Enke für tiefe Betroffenheit. Der Profi-Fußballer stürzte sich vor einen Zug, weil er keinen Ausweg aus seinen Depressionen mehr gesehen hatte. Er hinterließ nicht nur eine Frau und eine kleine Adoptiv-Tochter, sondern viele erschütterte Kollegen und Fans. Und offene Fragen.

Wie sieht das Leben ein Jahr später aus - für Robert Enkes Familie, seinen Verein und andere depressive Fußballer?

Auf der Pressekonferenz kurz nach dem Freitod ihres Mannes überraschte Teresa Enke die Öffentlichkeit mit ihrer Gefasstheit und ihrem Mut. Sie sagte damals ganz offen: "Ich dachte, wir schaffen alles." Heute lebt die Witwe von Robert Enke sehr zurückgezogen in einem umgebauten Bauernhaus in Empede. "Es geht ihr nicht besonders gut", sagte Enkes Freund Jörg Neblung unlängst laut "Focus". Halt findet Teresa Enke vor allem durch ihre Tochter Leila (1). Gemeinsam mit ihrem verstorbenen Mann Robert hatte Teresa Enke das kleine Mädchen im Mai 2009 adoptiert, nachdem ihr leibliches Kind Lara 2006 im Alter von zwei Jahren durch die Folgen eines Herzfehlers bei einer Operation gestorben war. Erst kürzlich hat das Vormundschaftsgericht Hannover die Adoption endgültig genehmigt. "Ich schöpfe Kraft aus unserer Tochter, wo ich mich zusammenreißen muss", soll Teresa Enke Medienberichten zufolge gesagt haben.

Enkes Witwe ist auch Vorstandsvorsitzende der Robert-Enke-Stiftung, die sich unter anderem für Kinder mit Herzfehlern und Depressionen im Leistungssport einsetzt. Ein erster Schritt - dem viele folgen sollten. Nicht nur DFB-Boss Theo Zwanziger sagte nach Enkes Tod: "Fußball darf nicht alles sein." Es gab Beteuerungen, Ideen, den Ruf nach offenerem Umgang mit der Krankheit Depression.

Robert Enke (†) - sehen Sie hier Bilder seines Lebens.

Was aber ist seither passiert?

Offenbar noch immer zu wenig. Jedenfalls nach Meinung von St. Pauli-Manager Helmut Schulte. Er sagt dem "Abendblatt" ernüchtert: "Wer die Hoffnung hatte, dass sich in der Gesellschaft grundsätzlich etwas ändert, der sieht sich getäuscht."

Das kann auch der ehemalige St. Pauli-Profi Andreas Biermann bestätigen. Er unternahm im Oktober 2009 einen Selbstmordversuch. Der Freitod Robert Enkes öffnete Biermann die Augen für die Ursache seiner Probleme: "Mir wurde bewusst, […] dass ich mir Hilfe holen muss." Biermann lässt sich in einer Klinik behandeln; einen Profi-Job hat er nicht mehr und der Kontakt zu Trainer Stanislawski ist eingeschlafen.

Erst Ende Oktober hat ein weiterer Profi-Fußballer einen Selbstmord-Versuch unternommen: Der 26-jährige Mittelfeldspieler Stefan Schumann (FSV Zwickau) leidet nach Angaben seines Vereins auch an Depressionen und lässt sich mittlerweile in einer Fachklinik behandeln. Er geht bewusst offen mit seiner Erkrankung um - jetzt. Warum musste es erst zum Suizid-Versuch kommen, hätte Prävention helfen sollen, ein Jahr nach Enkes Tod?

Der DFL entwickelt derzeit laut Nachrichtenagentur "dpa" jedenfalls ein Netzwerk zur Stressprävention im Fußballbereich. Der Sportpsychologe Jens Kleinert sagte dazu: "Der Blick ist immer noch zu wenig auf psychologisches Training oder auf die Prävention von Stress und Burnout gerichtet."

Trotz aller Bemühungen sind Depressionen im Profi-Sport - ähnlich wie Homosexualität - nach wie vor ein Tabu-Thema. Das bestätigt auch Nationaltorwart René Adler: "Nach dem tragischen Tod von Robert ist zwar viel heiße Luft fabriziert worden, geändert hat sich aber nichts", so Adler zu "ran". Und weiter: "Für Schwäche ist kein Platz."

HSV-Coach Armin Veh geht laut "Abendblatt" sogar noch einen Schritt weiter: "Kein Verein wird einen Spieler, von dem man weiß, dass er an dieser Krankheit leidet, verpflichten. Vielleicht wäre es auch besser für den Spieler, diesen Beruf nicht mehr auszuüben."

DFB-Sportdirektor Matthias Sammer sieht das zwar grundsätzlich anders, rät Spielern aber doch eher zum defensiven Umgang mit der Erkrankung: "Wenn wir es schaffen, zu Spielern, die spüren, dass etwas mit ihnen nicht in Ordnung ist, Vertrauen zu schaffen, dass sie zum Trainer gehen, dann ist das doch schon die höchste Form, die wir erreichen können. Die Öffentlichkeit sollten wir dabei weglassen."

Genau das aber - Öffentlichkeit - hat beispielsweise Andreas Biermann zur Therapie bewegt. Und hätte vielleicht auch Stefan Schumann vom Suizid-Versuch abgehalten. Bleibt zu hoffen, dass Robert Enke nicht nur für seine Familie unvergessen bleibt.