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Radio Hamburg

Rassistische Rufe von Fans

Boateng verlässt nach Beleidigung den Platz

Boateng verlässt den Platz

Rassistische Sprechchöre: Kevin-Prince Boateng zieht sein Trikot aus und verlässt den Platz.

Ein Rassismus-Eklat und ein mutiges Signal von AC Mailands Fußballstar Kevin-Prince Boateng haben am Donnerstag in Italien für Aufregung gesorgt. 

Es sollte ein Freundschaftsspiel werden und endete mit einem Eklat: Weil gegnerische Fans die farbigen Fußballer des AC Mailand rassistisch beleidigten, verließ Kevin-Prince Boateng beim Testspiel gegen Pro Patria den Platz. Nachdem der gebürtige Berliner mit ghanaischen Wurzeln von Zuschauern rassistisch beleidigt worden war, drosch der Mittelfeldspieler den Ball auf die Tribüne, zog sein Trikot aus und verließ den Platz. Seine über die Schmähungen entsetzten Teamkollegen folgten ihm.

Partie in der 26. Minute unterbrochen

"Es ist eine Schande, dass so etwas immer noch passiert. Es ist inakzeptabel - ich hoffe, dass das Zeichen bei solchen Unbelehrbaren endlich ankommt: Schwarz und weiß ist eins - es gibt keine Menschen zweiter Klasse", sagte Boateng dem Internetportal Sport Bild online. "Die Entscheidung ist aus meiner Sicht komplett richtig gewesen." Die Partie wurde beim Stand von 0:0 in der 26. Spielminute zunächst unterbrochen und nicht wieder aufgenommen. "Ich bin enttäuscht und betrübt, aber ich denke, dass es die richtige Entscheidung war, nicht auf das Feld zurückzukehren - aus Respekt vor unseren Spielern und allen anderen farbigen Spielern in jeder Liga", sagte Mailands Trainer Massimiliano Allegri. "Wir müssen dieses unzivilisierte Verhalten stoppen. Italien muss ein bisschen zivilisierter und intelligenter werden."

Laut der Zeitung "Gazzetta dello Sport" war es das erste Mal, dass ein Spiel in Italien wegen rassistischer Rufe abgebrochen wurde. Der italienische Verbandspräsident Giancarlo Abete bezeichnete den Vorfall als "entsetzlich und nicht tolerierbar. Wir müssen mit aller Macht reagieren, um die wenigen Kriminellen zu isolieren, die dieses Freundschaftsspiel in einen Aufruhr verwandelt haben, der den ganzen italienischen Fußball beleidigt."

Rassistische Sprechchöre von 40 Ultras

Neben Boateng waren auch die farbigen Milan-Spieler M'Baye Niang und Sulley Muntari das Ziel der rassistischen Sprechchören von schätzungsweise rund 40 Ultras. AC-Kapitän Massimo Ambrosini berichtete, dass die Rufe wiederholt aus dem Fan-Block des Gegners zu hören gewesen seien. "Wir wurden von Beginn an belästigt. Wir haben ein starkes Signal abgegeben", erklärte Ambrosini. Insgesamt waren rund 2.000 Zuschauer im Stadion, darunter sehr viele Familien mit Kindern. Während der Unterbrechung hatten die Spieler des Amateur-Clubs Pro Patria aus Busto Arsizio noch versucht, mit ihren Anhängern zu sprechen, um eine Fortsetzung des Spiels zu ermöglichen. Club-Präsident Pietro Vavassori verurteilte die rassistischen Rufe
und zeigte Verständnis für Boatengs Reaktion. "Ich bin verbittert, verstehe aber Milans Entscheidung", sagte Vavassori. Seinen Angaben nach gehörten die Störenfriede nicht zu den Fanclubs des Vereins.

Video: Boateng verlässt den Platz

(lhö)

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