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Radio Hamburg

Rücktritte im HSV-Aufsichtsrat

Slomka als Nachfolger?

Hamburg, 16.02.2014
Bert van Marwijk, HSV, Trainer

Wie geht es für Bert van Marwijk jetzt weiter?

Bert van Marwijk wurde entlassen, Mirko Slomka wird als Nachfolger vermutet und zahlreiche HSV-Aufsichtsräte sollen zurücktreten.

Nach nur 143 Tagen hat der Krisen-Club Hamburger SV am Samstagabend (15.02.14) das Missverständnis mit Trainer Bert van Marwijk beendet. Der abstiegsbedrohte Fußball-Bundesligisten stellte den niederländischen Coach am Samstagabend frei. Das teilte der Club nach einer Krisensitzung mit und zog damit die Konsequenzen aus der anhaltenden Talfahrt mit sieben Bundesliga-Niederlagen in Serie.

Mirko Slomka als Nachfolger?

Am Samstag (15.02.14) hatte der HSV das Kellerduell bei Schlusslicht Eintracht Braunschweig mit 2:4 verloren. Nach Informationen der "Bild am Sonntag" soll Ex-Hannover-Coach Mirko Slomka das Traineramt beim Bundesliga-Gründungsmitglied übernehmen. "Der Vorstand hat einstimmig beschlossen, Herrn van Marwijk mit sofortiger Wirkung freizustellen. Er hat es sehr nüchtern aufgenommen und auch Verständnis gezeigt", sagte der HSV-Vorstandsvorsitzende Carl Jarchow. Zu Slomka als möglichen Nachfolger wollte er sich nicht äußern.

Zahlreiche Rücktritte

Laut Abendblatt wollen noch am späten Samstagnachmittag (16.02.2014) zahlreiche HSV-Aufsichtsräte zurücktreten, zuvor wollen sie jedoch Trainerkandidat Slomka ins Amt heben. Als sicher gelten die Rücktritte von Marek Erhardt, Manfred Ertel, Björn Floberg und Hans-Ulrich Klüver. Sehr wahrscheinlich sind die Rücktritte von Chefkontrolleur Jens Meier, Stellvertreter Eckart Westphalen und Ali Eghbal.

Co-Trainer ebenfalls beurlaubt

Sportchef Oliver Kreuzer ergänzte: "Wir sahen uns zum jetzigen Zeitpunkt gezwungen, diese Entscheidung zu treffen, obwohl wir sie gleichwohl bedauern." Auch Co-Trainer Roel Coumans wurde beurlaubt.

Van Marwijk hatte erst am 25. September vergangenen Jahres beim HSV die Nachfolge von Thorsten Fink angetreten. Der anfängliche Aufschwung unter dem früheren Bondscoach, der die Niederlande 2010 ins WM-Finale geführt hatte, war aber nur von kurzer Dauer. Der 61-Jährige hatte selbst einen Rücktritt abgelehnt. "Da denke ich gar nicht dran", hatte van Marwijk nach dem Spiel bei Sky gesagt. Den Schritt vollzogen dann aber die HSV-Verantwortlichen.

Job-Garantie bis Braunschweig-Spiel

Bereits nach dem 0:3 gegen Hertha BSC am vergangenen Wochenende hatten Teile des HSV-Aufsichtsrates die Trennung von van Marwijk gefordert. Jarchow und Kreuzer hatten da aber noch dem umstrittenen Coach eine Job-Garantie bis zum Braunschweig-Spiel ausgestellt und waren daraufhin selbst unter Beschuss geraten.

Verhandlungen des Aufsichtsrates mit Felix Magath, der zum starken Mann beim Bundesliga-Gründungsmitglied aufsteigen sollte, scheiterten allerdings. Magath unterschrieb stattdessen am Freitag einen Vertrag beim englischen Premier-League-Club FC Fulham.

Krisensitzung in Hamburg

Nach dem Debakel in Braunschweig mit erneut haarsträubenden Fehlern sahen sich die Verantwortlichen aber offenbar zum Handeln gezwungen. Nach der Rückkehr aus Braunschweig setzten sich die Bosse zu einer Krisensitzung in der Hamburger Arena zusammen. Kurz darauf fuhr van Marwijk bereits vom Parkplatz. In Braunschweig hatte ein ratloser van Marwijk die nächste Niederlage einer völlig verunsicherten Mannschaft mit ansehen müssen. Als beste Medizin würden "ein, zwei Siege" helfen, hatte er anschließend gesagt. Dabei wird der frühere Dortmunder Trainer, der in Braunschweig zum 100. Mal in der Bundesliga auf der Trainerbank saß, aber nicht mehr mithelfen können.

Rettet Slomka den HSV?

Slomka soll jetzt den Traditionsverein vor dem ersten Bundesliga-Abstieg der Vereinsgeschichte bewahren. Zu einer Stellungnahme war der Coach noch nicht zu erreichen. Slomka war am 27. Dezember vergangenen Jahres bei Hannover 96 nach fast vier Jahren entlassen worden. Zuvor hatte er die Niedersachsen zweimal in die Europa-League geführt.

Höchste Abstiegsgefahr

So denn Slomka tatsächlich am Sonntag das Traineramt übernimmt, wartet auf ihn ein Berg an Arbeit. Mit nur 16 Punkten schwebt der Club als Vorletzter in höchster Abstiegsgefahr. Auch in Braunschweig ließen die Spieler jegliche Bundesliga-Tauglichkeit vermissen. Im ausverkauften Stadion an der Hamburger Straße schossen vor 23.200 Zuschauern der eingewechselte Domi Kumbela sowie Jan Hochscheidt die Tore für die Braunschweiger.

Für die Hamburger, die einschließlich des 0:5 gegen Bayern München bereits ihr achtes Pflichtspiel hintereinander verloren, trafen Pierre-Michel Lasogga und Ivo Ilicevic. "Persönliche Fehler", beklagte der HSV-Coach: "Man kann fast darauf warten." HSV-Verteidiger Marcell Jansen kommentierte: "Wir sollten als Spieler keine Diskussionen anfangen." Der Nationalspieler sagte weiter: "Alles, was ich jetzt sagen kann, ist irgendwie falsch. Das werden jetzt schwierige Wochen."

Hamburger Profis sind verunsichert

Nach einer chaotischen Woche mit Trainer-Diskussion und Pokal-Aus wirkten die Hamburger Profis auch gegen das abgeschlagene Schlusslicht verunsichert. Das Niveau des Sports passte zu dem öffentlich ausgetragenen Machtkampf zwischen dem Hamburger Vorstand und dem Aufsichtsrat während der Woche.

(dpa/eli)