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Radio Hamburg

Niederlage in Warschau

Erste Niederlage für die Fußball-Weltmeister

Warschau, 12.10.2014
EM-Qualifikation, Polen, Warschau, Bellarabi, Rüdiger

Bittere Niederlage: Die deutsche Nationalelf verliert in Warschau gegen Polen mit 0:2.

So hatten sich die Weltmeister das ganz sicher nicht vorgestellt. Das 0:2 in Polen bedeutete gleich das Ende mehrerer Serien für die Fußball-Nationalmannschaft. 

Ganz bitterer Abend für die Weltmeister: Die erste Niederlage gegen Polen hat Joachim Löw und seine Titelhelden schnell wieder geerdet.

Niederlage trotz Überlegenheit

Trotz großer Überlegenheit und vieler Torchancen kassierte die deutsche Fußball-Nationalmannschaft am Samstag (11.10) im Nationalstadion von Warschau ein schmerzhaftes 0:2 (0:0). In der EM-Qualifikation wurden durch die Gegentore von Arkadiusz Milik (51.) und Sebastian Mila (88.) drei wichtige Punkte verspielt und gleich mehrere tolle Serien beendet.

Polens erster Sieg gegen Deutschland

Ausgerechnet in Warschau, dem Ort des 1:2 im EM-Halbfinale 2012 gegen Italien, musste sich die DFB-Auswahl nach 18 Partien wieder in einem Pflichtspiel geschlagen geben. Die letzte Auswärtspleite in einem Qualifikationsspiel lag sogar 16 Jahre zurück. Polen hatte in 18 Spielen noch nie gegen Deutschland gewinnen können, war mit seiner Defensivtaktik und zwei Nadelstichen aber erfolgreich. Die letzte Chance zur Wende verpasste der gebürtige Pole Lukas Podolski, der kurz nach seiner späten Einwechslung an der Latte scheiterte (81.).

Nächstes Spiel gegen Irland

Schon am Dienstag (14.10) bietet sich die Chance zur Wiedergutmachung, wenn Irland in Gelsenkirchen der Gegner ist. Wie die Polen liegen die Iren mit sechs Punkten vor der DFB-Auswahl (3 Punkte).

Löw: Fahrlässig mit Chancen umgegangen

«Klar, bin ich enttäuscht. Aber eigentlich kann ich der Mannschaft keinen Vorwurf machen. Höchstens den, dass wir mit unseren Chancen zu fahrlässig umgegangen sind. Jetzt müssen wir die Kräfte sammeln und dann werden wir das Spiel gegen Irland gewinnen», bilanzierte Löw die bittere Niederlage im TV-Sender RTL. «Ich glaube, dass wir kein schlechtes Spiel gemacht haben. Wir haben aber leider kein Tor gemacht», haderte auch Keeper Manuel Neuer mit der Chancenverwertung seiner Vorderleute.

Erste Auswärtspleite in Qualifikationsspiel seit 1998

Die erste Auswärtspleite in einem Qualifikationsspiel seit dem 10. Oktober 1998 (0:1 in der Türkei) zeichnete sich vor der Pause überhaupt nicht ab. Nach einer längeren Anlaufphase hatte die wegen zahlreicher Ausfälle neu formierte deutsche Mannschaft die Partie fest im Griff, ließ aber bei zahlreichen Gelegenheiten vor dem Tor die Präzision und Konsequenz vermissen. Dies rächte sich sechs Minuten nach Wiederbeginn, als der frühere Bundesliga-Profi Milik die Polen mit ihrer ersten Chance in Führung brachte.

Bellarabi fehlt Kraft im Abschluss

Mit dem Einsatz des Leverkuseners Karim Bellarabi sorgte Löw in seinem 115. Spiel als Bundestrainer für eine echte Überraschung. Der erste Debütant seit dem WM-Gewinn und der insgesamt 73. in der Ära Löw überzeugte auf der rechten Seite durch ein großes Laufpensum und war stark in der Balleroberung. Im Abschluss fehlte dem 24-jährigen Senkrechtstarter allerdings ebenso wie einigen seiner Kollegen die Entschlossenheit. Podolski musste lange auf seinen Einsatz warten. Erst 13 Minuten vor Schluss kam er für Andre Schürrle ins Spiel. 

Milik und Mila treffen für Polen

Die Sorge im deutschen Lager vor Torjäger Robert Lewandowski erwies sich als unbegründet, denn der Bayern-Angreifer war im Angriff der Polen fast völlig auf sich allein gestellt und machte vor der Pause nur einmal auf sich aufmerksam. Nach einem Konter in der 15. Minute war Antonio Rüdiger in seinem dritten Länderspiel auf der Hut und gewann das Laufduell gegen den 26-Jährigen. Doch für Lewandowski sprangen diesmal Milik und Mila als Torschützen in die Bresche.

Die mit neun Weltmeistern aufgelaufene DFB-Elf brauchte eine gute Viertelstunde, um gegen einen äußerst defensiv eingestellten Gegner ins Spiel zu finden. Die Gastgeber beschränkten sich in der ersten Halbzeit darauf, das deutsche Aufbauspiel zu stören und die Räume eng zu machen. Erst in der Schlussphase der ersten Spielhälfte übernahm die deutsche Mannschaft das Kommando und erspielte sich beste Möglichkeiten zur Führung. 

Viele Chancen für Deutschland

In der 38. Minute schoss der am langen Pfosten freistehende Bellarabi ein Zuspiel von Mario Götze aus spitzem Winkel knapp am Tor vorbei. Kaum mehr als 60 Sekunden später passte Schürrle steil auf Müller, der sich im Laufduell nach außen abdrängen ließ. Die nächste Gelegenheit leitete der Münchner mit seinem Zuspiel auf Bellarabi ein, doch der Leverkusener scheiterte an Szczesny (43.). Wenig später vergab Mats Hummels aus kurzer Distanz das zu diesem Zeitpunkt eigentlich verdiente 1:0 für die deutsche Elf.

Fehlerkette in der Defensive

Sechs Minuten nach Wiederanpfiff geriet die deutsche Mannschaft nach einer Fehlerkette in der Defensive völlig überraschend in Rückstand. Nach einer Kopfballabwehr von Erik Durm ließ Müller den Dortmunder Lukasz Piszczek ungehindert flanken. In der Mitte konnte Jerome Boateng den früheren Leverkusener und Augsburger Milik nicht am Kopfball hindern, auch Manuel Neuer kam nicht mehr rechtzeitig heran. Dieser Treffer ließ die Polen die Sensation wittern, auch das Publikum war plötzlich wieder da.

Die Löw-Elf reagierte mit verstärkten Angriffsbemühungen. In der 55. Minute parierte Szczesny gegen Schürrle, danach schloss Durm (63.) viel zu schwach ab. Elf Minuten vor Schluss lenkte Szczesny einen Bellarabi-Knaller zur Ecke.

Toni Kroos: "Zu viele Spiele, zu wenig Urlaub"

In einem Interview mit der "Welt am Sonntag" hat Nationalspieler Toni Kross die zu hohe Belastung für international aktive Profis kritisiert. «Ich bin der Meinung, dass es viel zu viele Spiele gibt und viel zu wenig Urlaub», sagte der Neuzugang von Real Madrid in dem vor dem 0:2 des Weltmeisters in der EM-Qualifikation in Polen geführten Interview. «Es ist doch kein Zufall, dass sich in den vergangenen zwei Monaten so viele Spieler verletzt haben. Und wir reden nicht von Zerrungen, sondern von schweren Verletzungen - von Muskelrissen.»

Es sei sinnvoll den Spielplan zu überdenken, forderte Kroos. «Wenn es mit der Anzahl der Spiele so weitergeht, haben wir irgendwann Kader mit 30, 35 Spielern, damit es für jeden eine vernünftige Belastung ist. Nur wer will so große Kader? Niemand.»

Zufrieden bei Real Madrid

Nach den ersten Monaten bei seinem neuen Club sieht sich der 24-Jährige in seinem Wechsel vom FC Bayern München zu den Königlichen bestätigt. «Ich bin froh, dass ich nun die Chance habe, etwas Neues zu machen», erklärte Kroos. «Der Club ist, auch wenn das manche nicht glauben wollen, sehr familiär. Ich spüre Vertrauen in meine Person.»

(dpa/mgä)

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