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Radio Hamburg

Wer, wie, wo?

Was ist eigentlich die Nations League

Lausanne, 24.01.2018
UEFA Nations League

Schon einmal von der Nations League gehört? Nein. Wir erklären, was hinter dem neuen UEFA-Teamwettbewerb steckt, bei dem Deutschland unter anderem auf Frankreich und die Niederlande trifft.

"Nations was?", werden sich einige gedacht haben, als am Mittwoch (24.01.) bekannt wurde, dass Fußball-Weltmeister Deutschland in ebenjener Nations League auf Frankreich und die Niederlande treffen wird. Hinter der Nations League steckt ein neuer UEFA-Teamwettbewerb, dessen genauer Spielplan am Mittwoch im schweizerischen Lausanne vorgestellt wurde. Doch bereits vor dem Start des neuen Fußballturniers hagelt es Kritik - auch aus der Bundesliga.

Noch mehr Länderspiele für Jogis Jungs

Die Europäische Fußball-Union hat die Nations League unter anderen ins Leben gerufen, weil das Interesse an Testspielen von Nationalmannschaft europaweit zurückgeht. Die Bundesliga-Vereine FC Bayern München und Borussia Dortmund kritisierten diesen Plan und die damit verbundene Ausweitung von Fußball-Länderspielen zunächst scharf: "Ich sehe die inflationäre Entwicklung von Wettbewerben der Nationalmannschaften grundsätzlich kritisch", sagte Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandschef der Münchner. "Wir brauchen nicht mehr Länderspiele, sondern weniger Länderspiele, denn die Spieler sind körperlich absolut am Limit. Wenn es keine Nations League geben würde, dann würde sie wohl auch niemand vermissen." Bei dem neuen Wettbewerb gehe es "wie so oft ausschließlich um die Finanzen." Auch Hannovers Sportdirektor Horst Heldt fand deutliche Worte: "Jetzt haben sie eine neue Idee entwickelt. Das alles tut den Vereinen nicht gut. Deswegen halte ich von dem Wettbewerb nichts, weil er zu Lasten der Vereine und zu Lasten der Spieler geht." Er fürchtet eine größere Beanspruchung der Akteure.  "Aber am Ende ist es ein Wettbewerb mit einer Auslosung und es hat alleine mit dem Namen Nations League eine andere Wertigkeit als ein Freundschaftsspiel. Ich halte das in der Belastung für zu viel".

Nachfolger des Confed Cups

Die UEFA will die noch nicht einmal gestartete Nations League für die Zukunft sogar noch ausweiten und als Nachfolger des Confed Cups ein Endturnier mit den Sieger von möglichen Nations Leagues anderer Kontinente schaffen. "Ich empfinde das als ein weiteres Drehen an der Schraube, wo man zu dem Punkt kommt, ob es nicht doch zu viel wird", sagte Michael Zorc, Sportdirektor von Borussia Dortmund. "Ob die Belastung zu viel wird, ob es am Ende des Tages nicht eine Überfrachtung an Wettbewerben gibt."

Die Nations League erklärt

Insgesamt teilen sich die 55 europäischen Nationalteams auf vier Staffeln mit je vier Gruppen auf. Die je vier Gruppensieger aus den Staffeln B, C und D steigen in die höhere Staffel auf, die Gruppenletzten aus den Staffeln A, B und C steigen ab. In Playoffs kann sich je ein Team pro Staffel im März 2020 noch ein Ticket für die drei Monate später beginnende EM sichern, sofern sie sich das Ticket nicht schon über die reguläre Ausscheidungsrunde gesichert haben. Die Gruppenphase der Nations League geht von September bis November mit jeweils einem Hin- und Rückspiel pro Gruppen-Gegner. Die vier Gruppensieger der Staffel A mit den besten Fußballmannschaften qualifizieren sich dann für das Finalturnier im Juni 2019 und kämpfen dann um den Nations-League-Sieg. Die vier Gruppenletzten steigen in die Staffel B ab.

Deutschland mit hochkarätigen Gegnern

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft spielt in der Gruppenphase der Nations League gegen Frankreich und die Niederlande. "Das ist mal eine Hammergruppe!!! Ein interessanter Start dieses neuen Wettbewerbs", twitterte Fußballer Thomas Müller nach der Entscheidung. Nach dem Jahreshöhepunkt in Russland will das DFB-Team die umstrittene Nationenliga aber mit Elan bestreiten. "Die Nations League ist ein neuer Wettbewerb, den wir engagiert und ehrgeizig angehen werden. Sicherlich wird das ein oder andere Spiel auch hilfreich sein, neue, junge Spieler unter Wettbewerbsbedingungen gegen andere große Fußballnationen zu testen und in die Mannschaft einzubinden", sagte Teammanager Oliver Bierhoff. Für Löw geht es um eine neue Trophäe, die silbernfarben an eine stilisierte Flamme erinnert. "Wir hatten oft Beschwerden, dass die stärksten Teams gegen schwächere Mannschaften spielen - jetzt spielen sie untereinander", sagte Aleksander Ceferin, Präsident der Europäischen Fußball-Union, bei der Pokal-Präsentation zu den Vorteilen des neuen Wettbewerbs. "Gleichzeitig haben die kleineren Teams nun größere Chancen, sich zu qualifizieren." 

Auch die anderen Teams versprechen Fußballvergnügen

Auch in Gruppe 4 der Top-Liga stehen attraktive Begegnungen an: Spanien, England und Kroatien treffen aufeinander. In Gruppe 2 spielen Belgien, die Schweiz und Island, Europameister Portugal mit Superstar Cristiano Ronaldo duelliert sich mit Italien und Polen. Als neuer österreichischer Nationaltrainer trifft Franco Foda in der zweitklassigen Liga B auf Nordirland sowie Bosnien und Herzegowina - und hat damit gute Chancen auf die Playoffrunde um ein EM-Ticket. Die von Michael Skibbe trainierten Griechen bekommen es in Liga C mit Ungarn, Finnland und Estland zu tun. Die Kritik an dem Wettbewerb tat DFB-Präsident Reinhard Grindel mit den Worten ab: "Mit der Nations League wird ein zusätzlicher sportlicher Anreiz geschaffen. Statt Freundschaftsspiele, in denen es um nichts geht, sehen die Fans einen attraktiven Wettbewerb. Ich gehe davon aus, dass sich das in vielen Ländern auch positiv auf das Zuschauerinteresse auswirkt." Ob die Nations League tatsächlich ein Erfolg wird oder am Ende ebenso scheitert wie der Confederations Cup, bleibt abzusehen.

(dpa/san)

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