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Radio Hamburg

Gedenken an Olympia in München 1972

IOC verweigert Schweigeminute in London

London, 25.07.2012
München 1972

Eine Schweigeminute für die Opfer des Terror-Attentat von München 1972 wird es bei den aktuellen Spielen in London nicht geben.

Die Israel-Debatte ist heikel für die Ringe-Organisation, aber das IOC blieb hart. Keine Schweigeminute während der olympischen Eröffnungsfeier in London für die Terror-Opfer von München 1972.

Das IOC hat ein Problem: Ausgerechnet das Gedenken an den schwärzesten Moment seiner Geschichte hat die Ringe-Organisation mitten in den finalen Vorbereitungen auf die Olympischen Spiele in London in politische Erklärungsnot gestürzt. Angeführt von US-Präsident Barack Obama fordert die internationale Politik eine Schweigeminute während der Eröffnungsfeier für die israelischen Opfer des Terroranschlags bei den München-Spielen 1972 - das IOC lehnt diese Würdigung angesichts des Konfliktpotenzials weiter kategorisch ab.

Jüdischer Weltkongress ist schockiert

Der jüdische Weltkongress verurteilte das Internationale Olympische Komitee (IOC) dafür prompt als realitätsfremd. "Baron Rogge und seine Kollegen der IOC-Exekutive haben komplett versagt", hieß es in einer Erklärung. Nach einem Bericht der "Sunday Times" befürchtet der israelische Geheimdienst Mossad sogar eine Art "Jubiläums-Anschlag".

Die Zeremonie am Freitag im Londoner Olympiastadion sei "nicht der geeignete Anlass für ein Gedenken dieser tragischen Tat", begründete IOC-Präsident Jacques Rogge. Er verwies auf eine traditionelle Gedenkfeier, die vom Nationalen Olympischen Komitee (NOK) Israels jeweils bei Olympia abgehalten wird; dieses Mal am 6. August in Londons Guildhall.

Das war 1972 in München passiert - eine Chronologie

Bei dem Überfall eines palästinensischen Terrorkommandos auf die israelische Olympia-Delegation waren am 5. September 1972 elf Mannschaftsmitglieder und ein deutscher Polizist ums Leben gekommen.

- Acht Mitglieder der palästinensischen Terrororganisation Schwarzer September klettern über den Zaun des Olympischen Dorfs kletterten und dingen in das Appartement der israelischen Olympiamannschaft in der Connollystraße 31 ein.

- Elf israelischen Delegationsmitglieder werden von Terroristen als Geisel genommen: David Mark Berger, Eliezer Halfin, Ze'ev Friedman, Yossef Gutfreund, Josef Romano, Amitzur Schapira, Kehat Shorr, Mark Slavin, André Spitzer, Yakov Springer und Mosche Weinberg als Geiseln.

- Der Ringertrainer Mosche Weinberg und der Gewichtheber Yossef Romano wurden gleich zu Beginn der Aktion verwundet. Beide starben noch im Olympischen Dorf an ihren Verletzungen.

- Als Gegenleistung verlangten die Terroristen die Freilassung von 232 Palästinensern und die Freilassung der deutschen Terroristen Andreas Baader und Ulrike Meinhof. Die Terroristen verhandelten unter anderem mit dem damaligen Innenminister Hans-Dietrich Genscher, der sich sogar im Austausch gegen die Geilseln anbot.

- Die israelische Regierung ließ nicht mit sich verhandeln - ein Austausch fand nicht statt.

- Bereits im Olympischen Dorf versuchten normale Polizisten die Geiselnahme zu vereiteln. Das misslang. Als Konsequenz dieser tragischen Spiele wurde später die Spezialeinheit GSG 9 gegründet. Bei einem gescheiterten Befreiungsversuch der deutschen Behörden wurden in Fürstenfeldbruck alle anderen Geiseln, fünf Terroristen und ein deutscher Polizist getötet.

- Zu Beginn der Geiselnahme wurden die Spiele zunächst fortgesetzt und erst nach Protesten zahlreicher Teilnehmer und Besucher unterbrochen. Nach dem Tod der israelischen Sportler blieben die Spiele für einen Tag unterbrochen und nach einer Trauerfeier im Olympiastadion ließ IOC-Präsident Avery Brundage sie mit dem Satz „The games must go on!“ fortführen.

Forderung nach Schweigeminute für Opfer von München

Die Situation ist heikel und kommt zur Unzeit. Nicht nur Obama erklärte, die Kampagne für eine Schweigeminute zu unterstützen. Auch das kanadische Parlament, Australiens Premierministerin Julia Gillard, britische Parlamentarier und sogar Rogges Landsmann, der belgische Sportminister Philippe Muyters, wendeten sich mit ähnlichen Forderungern an das IOC. Das IOC scheint es eher zu riskieren, Obama, andere prominente Politiker und Israel zu brüskieren, als eine Schweigeminute abzuhalten.

Konflikten aus dem Weg gehen

Tatsächlich gehen die Olympier durch die Absage an Israel möglichen Konflikten mit der arabischen Welt aus dem Weg. 23 arabische und 53 muslimische Länder sind derzeit unter dem IOC-Dach vereint. Er könne die Rufe nach einer Schweigeminute verstehen, hatte das israelische IOC-Mitglied Alex Gilady der Nachrichtenagentur dpa bereits Mitte Mai gesagt. "Ich verstehe sie, kann sie aber nicht unterstützen. Sie könnte die olympische Einheit gefährden."

Der israelisch-arabische Konflikt bedroht Olympia in vielfältiger Weise. Laut eines Berichts der "Sunday Times" seien britische und israelische Sicherheitskräfte aus Angst vor einem möglichen Anschlag in erhöhter Alarmbereitschaft. Der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak warnte im israelischen Rundfunk vor einer "globalen Terrorkampagne" des Irans und der mit ihm verbündeten Hisbollah im Libanon. Die britischen Sicherheitskräfte erhielten Unterstützung von vielen internationalen Sicherheitsorganen, um einen Anschlag während der Olympischen Spiele in London zu verhindern, sagte der 70-Jährige.

An den Wettkampfstätten will das IOC hart durchgreifen. In einem Schreiben an alle Nationalen Olympischen Komitees (NOK) hat das IOC mit massiven Sanktionen gedroht, sollte sich ein Athlet - unter Vorspiegelung falscher Tatsachen - weigern, gegen einen anderen Athleten anzutreten. Bei vergangenen Olympischen Spielen hatten Sportler Irans, der den Staat Israel nicht anerkennt, unter dem Vorwand einer Verletzung oder Erkrankung immer wieder israelische Athleten boykottiert. "Wir haben alle daran erinnert, dass diese Praxis in der olympischen Charta komplett verboten ist", sagte Rogge.

(dpa/aba)