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Radio Hamburg

Von wegen "Winterspiele"

In Sotchi schmilzt der Schnee davon

Sotschi, 11.02.2014
Sotchi, Olympia, Winterspiele

In Sotchi schmilzt der Schnee davon

Bei den olympischen Spielen in Sotchi machen hohe Temperaturen Probleme. Der erste Schnee schmilzt und es soll noch wärmer werden. Für Schnee-Nachschub ist jedoch gesorgt.

Offiziell sind im russischen Sotchi zwar Winterspiele angesagt, aktuell gleicht Olympia aber eher einem nasskalten Frühlingsstart. Unter den Palmen an der Schwarzmeerküste sind bei Nieselregen dicke Jacken und Handschuhe überflüssig, denn in den Bergen von Krasnaja Poljana herschen Temperaturen um fünf Grad. Das macht vor allem Langläufern zu schaffen.

Olympia-Macher bleiben entspannt

Im Gegensatz zu den Temperaturen bleiben die Olympia-Macher cool. Trotz voraussichtlich weiter steigender Werte sieht man die Kritik an den Bedingungen gelassen. "Wir haben ein starkes Programm für die Lagerung und Produktion von Schnee", sagte Alexandra Kosterina, Sprecherin des Sotschi-Organisationskomitees, am Dienstag. In den vergangenen zwei Jahren seien Schneemassen gesammelt und gelagert worden – mehr als 700.000 Kubikmeter. "Wir hatten sehr warme Temperaturen im vergangenen Winter. Aber alles ging gut." Es gebe viel Schnee. Betonte auch Mark Adams, Sprecher des Internationalen olympischen Komitees. "Es ist nur ein bisschen warm." Nachts lägen die Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. "Bisher läuft alles nach Plan", versicherte er.

Ungleichmäßig schlechte Bedingungen in Sotchi

Nachdem bereits erste Trainings in der Damen-Abfahrt oder beim Springen der Nordischen Kombinierer abgesagt werden mussten, werden die Klagen jedoch lauter. "Die Sprintstrecke war heute früh eine Katastrophe", sagte Herren-Langlauf-Trainer Andreas Schlütter vor der Sprint-Entscheidung. Dabei quälten sich Denise Herrmann und Co. über eine tiefe, sulzige Loipe. Mit Salz wurde der Schlussanstieg im "Laura"-Komplex präpariert – in der Halfpipe warnten die Athletinnen zunächst sogar vor bedenklichen Verhältnissen. "Ich habe so viele Leute stürzen sehen wie in der gesamten Saison. Es ist gefährlich, weil es beschissen ist", sagte die Amerikanerin Hannah Teter, Olympiasiegerin von 2006. Das mit Chemikalien behandelte Eis garantierte aber zumindest der Qualifikation der Männer am Dienstag gute Bedingungen. "Der Schnee ist weich, aber er hält. Es ist ganz anders als gestern", lobte US-Superstar Shaun White. "Ich bin so dankbar."  Die Biathleten werteten ihr Geläuf bislang als "gut präparierte Strecke", erklärte Männer-Bundestrainer Mark Kirchner. "Fürs Wochenende ist ja wieder leichter Frost, so minus fünf bis sechs Grad angesagt sowie leichter Schneefall. Dann ist alles wieder ok."

Bis zu 17 Grad vorausgesagt

Vor dem Wochenende werden in den Bergen mehr als zehn Grad erwartet, im Olympia-Park in den Subtropen sind für Freitag sogar frühsommerliche 17 Grad prognostiziert. Bei der Siegerehrung für Maria Höfl-Riesch wähnte ein Mitglied aus der Delegation der Super-Kombi-Siegerin bereits den Geruch des Frühlings in der Luft. Das Problem warmer Winterspiele ist allerdings nicht neu: So erwies sich das Wetter auch bei den Spielen von Vancouver 2010 auf dem Cypress Mountain als größte Hürde. Der Schnee für die Snowboarder und Ski-Crosser musste mit Hubschraubern gebracht werden, Nebel und Dauerregen führten in Whistler zu Absagen und Verschiebungen. Soweit ist es in Sotschi noch nicht – auch wenn das Wetter für manche unerwartete Probleme sorgt. "Ich versuche hier die Sonne zu meiden", meinte die britische Skirennfahrerin Chemmy Alcott. "Ich fühle mich, als ob ich bereits einen Sonnenbrand bekomme."

(dpa/slu)

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