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Radio Hamburg

Zika-Virus in Brasilien

Experten fordern Absage von Olympia in Rio

Ottawa/Río de Janeiro, 28.05.2016
Olympia 2016 Rio Zuckerhut und Copacabana

In Brasilien grassiert das gefährliche Zika-Virus. Experten fordern deshalb die Verlegung oder Absage der olympischen Sommerspiele im August 2016.

150 Gesundheitsexperten empfehlen in einem offenen Brief die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro abzusagen oder in ein anderes Land zu verlegen.

Als gäbe es im Vorfeld der Olympischen Spiele in Brasilien, die ab dem 8. August ausgetragen werden sollen, nicht bereits genug Probleme mit Umweltverschmutzung, sozialen Spannungen, Kriminalität und Pfusch am Bau droht nun neuer Ungemach - und der könnte Tausende von Besuchern davon abhalten, die Spiele am Zuckerhut zu besuchen. Als Reaktion auf die Zika-Epidemie haben mehr als 150 Gesundheitsexperten in einem offenen Brief die Verschiebung der Olympischen Spiele in Rio empfohlen - oder gleich einen ganz anderen Austragungsort. In einem am Freitag (27.05) veröffentlichten Schreiben an die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf warnen die Experten vor globalen Gesundheitsrisiken. Eine halbe Million Besucher der Spiele könnten in Rio de Janeiro angesteckt werden und die Krankheit mit in ihre Heimatländer bringen, hieß es darin.

Keine Gefahr für Besucher

Die WHO wies diese Bedenken zurück: Es bestehe keine Gefährdung der öffentlichen Gesundheit, die die Vertagung oder Absage der Olympischen Spiele rechtfertige, teilte die Organisation in der Nacht zum Samstag (28.05) mit. Auch würde eine solche Entscheidung "die internationale Ausbreitung des Zika-Virus nicht signifikant" beeinflussen, schließlich sei Brasilien nur eines von fast 60 Ländern und Gebieten, aus denen Übertragungsfälle durch Moskitos gemeldet würden - und zwischen denen reger Reiseverkehr herrsche.

Unverantwortliches Handeln

Der besonders in Brasilien verbreitete Zika-Virus kann unter anderem schwere Schädelfehlbildungen bei Babys auslösen. In dem Brief empfehlen die Wissenschaftler, die WHO solle eine unabhängige Expertengruppe aufstellen, die das Internationale Olympische Komitee (IOC) zu den Risiken der Zika-Verbreitung beraten könne. Diesen Schritt nicht zu tun, wäre aus ihrer Sicht unverantwortlich.

Geballtes Expertenwissen

Zu den Unterzeichnern gehören 151 Experten von Universitäten und Gesundheitszentren in 29 Ländern. Verfasst wurde der Brief von Amir Attaran von der Universität Ottawa, Arthur Caplan und Lee Igel von der Universität New York und Christopher Gaffney von der Universität Zürich.

WHO empfiehlt Schutzmaßnahmen

Die WHO hat als Reaktion auf das Schreiben am Samstag (28.05) derweil weitreichende Schutzmaßnahmen für die Besucher der Spiele am Zuckerhut vor dem Zika-Virus gefordert. In einer Mitteilung gibt die Behörde in Genf konkrete Empfehlungen, um das Ansteckungsrisiko zu minimieren. Sie rät Schwangeren generell davon ab, Rio de Janeiro oder andere Zika-Gebiete zu besuchen.

Die WHO empfiehlt zudem allen Reisenden:

- Mit Hilfe von Mückenschutzmittel und möglichst heller, langer Kleidung sich vor den Moskitos zu schützen, die das Virus übertragen.
- immer Kondome zu benutzen oder ganz auf Sex zu verzichten; das gilt auch noch mindestens vier Wochen nach der Rückkehr aus Südamerika. Denn das Virus kann durch Geschlechtsverkehr weitergeben werden.
- in Unterkünften mit Klimaanlagen zu übernachten. Die in der Regel verschlossenen Fenster und Türen dort seien eine Barriere für Mücken.
- keine Gebiete in Orten zu besuchen, in denen die Sanitäranlagen schlecht sind und es offene Wasserstellen gibt. Dies sind ideale Brutstätten für die Mücken.
- alle Empfehlungen der Gesundheitsbehörden im Heimatland zu beachten und vor der Reise nach Brasilien einen Arzt zu konsultieren.

(dpa/san)

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