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Radio Hamburg

Wechsel in der Formel 1

Kimi Räikkönen zurück zu Ferrari

Maranello/Berlin , 11.09.2013
Kimi Raikkönen Sieg Melbourne 2013

Kimi Räikkönen fährt in der kommenden Saison wieder für Ferrari.

Ferrari geht mit der Verpflichtung von Kimi Räikkönen auf Risiko. Fernando Alonso muss seinen Anspruch auf Alleinherrschaft aufgeben.

Dauer-Weltmeister Sebastian Vettel hat den ewigen Rivalen Ferrari zu einem gewagten Politikwechsel getrieben. Auf der verzweifelten Verfolgungsjagd rückt die Scuderia vom Prinzip des Platzhirschen ab und schickt 2014 neben Fernando Alonso mit Kimi Räikkönen einen zweiten Ausnahmepiloten ins Rennen gegen den deutschen Formel-1-Titelhamster.

Wochenlange Spekulationen um Rückkehr

"Willkommen zurück, Kimi", schrieb das Team am Mittwoch in einer dreizeiligen Mitteilung und beendete mit der Bestätigung des Zweijahresvertrags die wochenlangen Spekulationen um eine Rückkehr Räikkönens. „Ich begrüße meinen neuen Reisebegleiter“, sagte Alonso mit wohl eher gedämpfter Vorfreude.

Titelgewinn das große Ziel

Die Zeit treu ergebener Edelhelfer wie einst Rubens Barrichello oder dem nun ausgemusterten Felipe Massa ist bei Ferrari damit vorerst vorbei, das Traditionsteam geht voll auf Risiko. Das vermeintliche „Dreamteam“ Alonso/Räikkönen soll die Sehnsucht der Tifosi nach dem nächsten WM-Triumph endlich stillen - könnte aber auch zum Alptraum für den Traditionsrennstall werden. „Alonso wird das nicht gefallen“, unkte Mercedes-Teamaufsichtsratsboss Niki Lauda bereits, „aber Ferrari hat ein Problem“.

Freude bei "Iceman" Räikönnen

Seit der Ankunft des Asturiers in Maranello baute die Scuderia das Team ganz im Sinne und nach Willen Alonsos um. Doch an Vettel kam der Spanier nicht vorbei, auch in dieser Saison scheint Platz zwei das Maximum. Nun muss Alonso den Anspruch auf Alleinherrschaft aufgeben. Räikkönen freut sich schon auf das interne Kräftemessen. „Ich kann es nicht erwarten, mit Fernando zu arbeiten und dem Team den Erfolg zu verschaffen, den es verdient“, erklärte er pflichtgemäß.

Zweite Runde bei Ferrari

Zum ersten Mal seit 1953 geht Ferrari mit zwei ehemaligen Weltmeistern in eine Saison. Damals steuerten Alberto Ascari und Giuseppe Farina die „Rote Göttin“. Zuletzt allerdings setzte das Team zumeist auf klare Hierarchien unter seinen Piloten. Für Michael Schumacher hatte der Brasilianer Barrichello ebenso Platz zu machen wie Massa nun für Alonso. Räikkönen wurde 2009 auch deshalb von Ferrari abgeschoben, weil der Schweiger aus Espoo zu wenig Führungsverantwortung übernahm.

Ans Limit gehen

Nun soll der 33-Jährige bis mindestens 2015 den Beschleuniger spielen - für das Team und für Alonso. Der „Iceman“ ist auf der Strecke ein anderes Kaliber als der zu brave und fehleranfällige Massa. Räikkönen soll Alonso noch öfter ans Limit treiben, vor allem in der Qualifikation. Und er soll konstanter Punkte sammeln, um Red Bull auch die Konstrukteurskrone entreißen zu können. „Er ist sehr entschlossen, seine künftige Aufgabe auf das Beste zu erfüllen“, versicherte Teamchef Stefano Domenicali.

Unstimmigkeiten zwischen Alonso und Ferrari

Vermutlich nur widerwillig hat Alonso seine Zustimmung erteilt. Eine Flucht zu einem anderen Team kommt für ihn wohl auch mangels Alternativen nicht infrage. „Das ist ein Lebensstil. Mein Team, meine zweite Familie, meine Freunde“, schwärmte er über Ferrari. Nach mehreren internen Unstimmigkeiten und einer öffentlichen Rüge von Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo demonstrierten alle Parteien jüngst beim emotionalen Heimrennen in Monza wieder Einigkeit.

Da zeichnete sich der Räikkönen-Coup bereits deutlich ab. Lange hatte sich di Montezemolo gegen Domenicalis Plan gesträubt, Räikkönen zurückzuholen. Am Ende aber gab auch der Graf nach und opferte Massa. Der Paulista muss sich nun nach acht Jahren ein neues Cockpit suchen. „Die WM bleibt mein größtes Ziel“, beteuerte der Routinier.

Wohin geht Massa?

Viel Platz aber ist nicht. Lotus tendiert wohl eher zum Rheinländer Nico Hülkenberg als Räikkönen-Nachfolger. So könnte sich für Massa bei Sauber der Kreis schließen. Beim Schweizer Rennstall begann 2002 seine Formel-1-Karriere, nun wird er dort als Kandidat für 2014 gehandelt. „Viel Glück für die nächsten Jahre! Du wirst ein starker Gegner in jedem Team sein“, rief Alonso seinem  Adjutanten am Mittwoch via Twitter zu.

(dpa / ste)

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