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Radio Hamburg

Neustart mit Nachwuchs

HSV Handball stellt Spielbetrieb ein

Hamburg, 26.01.2016
Johannes Bitter, HSV-Handball, Niederlage

Die HSV Handballer werden zur Rückrunde nicht mehr antreten, der Spielbetrieb wird eingestellt.

Nach 13 Jahren Handball-Bundesliga ist Schluss. Der HSV tritt zur Rückrunde nicht mehr an und stellt den Spielbetrieb ein.

Ohne Geld und ohne Spieler hat sich der HSV Hamburg mitten in der Saison endgültig aus der Handball-Bundesliga verabschiedet. Insolvenzverwalter Gideon Böhm meldete am Montag den mit rund vier Millionen Euro verschuldeten Verein mit sofortiger Wirkung vom Spielbetrieb der Eliteliga ab und beendete damit das seit mehr als 13 Jahren laufende Projekt Bundesliga-Handball in Hamburg.

Bisherigen Spiele werden annulliert

Knapp eine Woche zuvor war den Hamburgern die Lizenz zum Saisonende aberkannt worden. Laut Statuten hätten sie das Spieljahr zwar noch regulär beenden dürfen, verfügten aber über keine Mannschaft mehr. Die 20 absolvierten HSV-Spiele der laufenden Saison werden annulliert und aus der Tabelle gerechnet. Gravierende Veränderungen im Klassement gibt es nicht.

Fast alle Spieler bereits weg

"Die Anreise zu den Auswärtsspielen, die Kosten für die Heimspiele, die Organisation der Spiele, die Betreuer und nicht zuletzt die Spieler selbst sind nicht mehr zu finanzieren", sagte Böhm. "Ohnehin haben fast alle Spieler mittlerweile die Spielbetriebsgesellschaft verlassen und sind bereits bei anderen Vereinen unter Vertrag."

Rivalen prüfen juristische Konsequenzen

Bundesligisten, die für bevorstehende Heimspiele gegen den Tabellenvierten aus Hamburg bereits Karten verkauft hatten, wollen diese erstatten oder Testspiele organisieren. Eigentlich sollte der HSV in zweieinhalb Wochen zur ersten Partie des Jahres bei der SG Flensburg-Handewitt antreten. Die 6.400 Zuschauer fassende Flens-Arena war ausverkauft. Rivalen prüfen jetzt juristische Konsequenzen für die Hamburger.

Insolvenzverfahren Mitte Januar eröffnet

Das einstige Handball-Schwergewicht HSV mit Europacupsieg 2007, DHB-Pokalerfolgen 2006 und 2010, deutschem Meistertitel 2011 und Champions-League-Gewinn 2013 hinterlässt in der Bundesliga ein Loch. Das traurige Ende des Profi-Teams hatte sich mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens am 15. Januar abgezeichnet. Mittlerweile haben zehn Profis den Verein verlassen, darunter Adrian Pfahl (Frisch Auf Göppingen), Ilija Brozovic (THW Kiel) und Johannes Bitter (TVB 1898 Stuttgart). Weitere Spieler wie Top-Torjäger Hans Lindberg handeln mit Interessenten gerade die Bedingungen aus.

Keine Geldgeber gefunden

Böhm hatte die finanzielle Lücke für den laufenden Spielbetrieb auf zwei Millionen Euro taxiert und daraufhin Profis und Angestellte der Betriebs-GmbH freigestellt. Geldgeber, die zur sofortigen Nothilfe bereit gewesen wären, ließen sich nicht finden. Die Haftungserklärung von Mäzen und Ex-Präsident Andreas Rudolph über 2,5 Millionen Euro war das Papier nicht wert, auf dem sie stand. Rudolph, der nach eigenen Angaben seit 2004 bis zu 50 Millionen Euro in den Verein investiert haben will, hatte die Verpflichtung mit einer erst kürzlich bekanntgewordenen Zusatzvereinbarung ausgehebelt.

Neubeginn mit der U23

Das Erbe der positiven Errungenschaften soll die U23-Mannschaft des HSV Hamburg e.V. antreten. Als Spitzenreiter der Oberliga Hamburg/Schleswig-Holstein hat sie den diesjährigen Aufstieg in die 3. Liga ins Auge gefasst und will mittelfristig in den Profi-Bereich vordringen. Als Lückenbüßer für die insolvente Profi-Mannschaft wollten die Amateure jedoch nicht herhalten und lehnten es ab, für die Bundesliga-Restsaison zur Verfügung zu stehen. Der Ärger wegen massiver Wettbewerbsverzerrung wäre vermutlich groß gewesen, hätte das Nachwuchsteam die Saison zu Ende gespielt. "Wenn wir 18:43 verloren hätten, wäre die Wettbewerbsverzerrung doch viel größer als bei Annullierung aller Spiele", sagte Präsident Karl Gladeck. Böhm will nunmehr das vorhandene Vermögen der Betriebsgesellschaft verwerten, um die Gläubiger zu befriedigen. Die Masse reiche derzeit aber nicht aus, heißt es in der Erklärung. Die Gläubiger müssen mit erheblichen Verlusten rechnen.

(dpa / ste)

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