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Radio Hamburg

Weltmeister geschlagen

Chile stößt Spanien vom Thron

Rio de Janeiro, 19.06.2014
Chile Spanien WM 2014 2:0

Nach dem Schlusspfiff gab es für die Chilenen allen Grund zum Jubeln.

Auch gegen Chile klappte es nicht: Spanien hat sein zweites Gruppenspiel der WM-Vorrunde verloren und muss nach Hause fahren.

Mit Angriffswucht hat Chile die spanische Regentschaft im Weltfußball beendet und den Titelverteidiger brutal vom Thron gestoßen. Am Tag der Abdankung ihres Königs Juan Carlos verloren die Iberer in Rio de Janeiro auch ihr zweites Gruppenspiel bei der Weltmeisterschaft in Brasilien gegen den WM-Geheimtipp aus Südamerika mit 0:2 und müssen als fünfter Weltmeister nach Italien, Brasilien und Frankreich schon nach der Vorrunde die Heimreise antreten.

Chile und Niederlande im Achtelfinale

Eduardo Vargas und Charles Aranguiz versetzten dem Favoriten am Mittwoch vor 74.101 Zuschauern im Maracanã-Stadion den endgültigen K.o. und machten den von Tausenden angereister Fans gefeierten vorzeitigen Achtelfinal-Einzug Chiles perfekt. Nach der Niederlage der Spanier steht auch das Team der Niederlande, das Australien zuvor 3:2 bezwungen hatte, in der K.o.-Runde. "Das ist fantastisch. Der schönste Augenblick in der chilenischen Fußball-Geschichte", sagte der Ex-Leverkusener Arturo Vidal glückstrahlend in der ARD.

Sein Teamkollege Alexis Sanchez bekannte: "Wir hatten alle einen wahnsinnigen Willen. Wir wollten dieses Spiel gewinnen." Total deprimiert war Vicente del Bosque. "Ich hätte nie gedacht, dass wir die WM nach der ersten Runde verlassen würden. Wir leiden darunter, dass wir unsere Fans nicht haben glücklich machen können", sagte Spaniens Chefcoach in der Pressekonferenz.

"Solche Ergebnisse haben immer Konsequenzen. Aber das ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt. Wir müssen uns ein bisschen Zeit nehmen und analysieren, wie es weitergeht. Das gilt auch für meine Person", ergänzte der 63-Jährige.

"Wir sind selbst dafür verantwortlich."

Torhüter Iker Casillas entschuldigte sich bei den Fans für das Abschneiden: "Wir sind selbst dafür verantwortlich." Del Bosque hatte das zum Auftakt von den Niederlanden mit 1:5 gedemütigte Team auf zwei Schlüsselpositionen verändert. Der im ersten Spiel indisponierte Xavi wurde durch Pedro Rodriguez ersetzt, für Gerard Pique rückte Javi Martinez vom FC Bayern München in die Innenverteidigung.

Diese Maßnahmen zeigten zunächst keine Wirkung, denn schon in den ersten 80 Sekunden drohte den Iberern zweimal höchste Gefahr. Erst klärte Xabi Alonso zur Ecke, die anschließende Hereingabe köpfte Gonzalo Jara knapp am Tor von Casillas vorbei. Dieser Start sorgte für glänzende Stimmung auf den Rängen, die sich ohnehin fest in chilenischer Hand befanden.

Schwächen in Spaniens Abwehr

Erst nach einer Viertelstunde legte der Titelverteidiger ein wenig seine Nervosität ab und kam zur ersten Chance: Chiles Keeper Claudio Bravo verhinderte mit toller Reaktion einen Treffer von Xabi Alonso. Doch schon der erste perfekt vorgetragene Angriff der Südamerikaner deckte abermals die Schwächen in Spaniens Abwehr auf.

Eingeleitet von Vidal und den weiteren Stationen Sanchez und Aranguiz landete der Ball bei Vargas, der Sergio Ramos ins Leere laufen ließ und Casillas überwand. Der enormen Wucht der Chilenen hatten die Spanier mit ihrem Kurzpassspiel auch danach nichts Gleichwertiges entgegenzusetzen. Ein weiterer Schnitzer des bereits gegen Oranje völlig indisponierten Casillas leitete das zweite chilenische Tor ein.

Der Keeper von Real Madrid faustete einen Freistoß von Sanche genau in die Mitte, wo Javi Martinez Aranguiz nicht mehr am erfolgreichen Nachschuss hindern konnte. Mit gesenkten Köpfen schlichen die niedergeschlagenen Spanier nach dem Halbzeitpfiff in die Kabine. Mit dem Mute der Verzweiflung starteten Diego Costa und Co. in die zweiten 45 Minuten.

Die Riesengelegenheit, dem Spiel vielleicht noch einmal eine Wende zu geben, verpasste Sergio Busquets, der den Ball aus drei Metern neben das Tor von Bravo setzte. Del Bosques Elf erhöhte zwar weiter den Druck auf das chilenische Tor, doch zündende Ideen brachten David Silva und Andres Iniesta nicht zustande. Der starke Bravo ließ sich nicht mehr überwinden. Phasenweise glich das Geschehen auf dem Rasen am Ende einer Vorführung für den Weltmeister. Nach Querpass von Eugenio Mena vergab Mauricio Isla sogar das 3:0.

(dpa/pne)

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