Mit Daniel um die Welt
Von New York nach North York...
...so sehr sich der Name der vorerst letzten Station meiner Reiseroute klanglich meiner jetzigen „Wahlheimat“ ähnelt, so unterschiedlich sind die Orte und Gründe meines Daseins.
Wo in New York noch Tagesausflüge mit Sightseeing, leckerem Essen und besonderen Aktivitäten Programm waren, erhalten in North York, einem nördlichen Stadtteil Torontos, Kochen, Waschen und Bewerbungen schreiben wieder Einzug in mein tägliches Leben. Wo ich mich vor zwei Wochen noch fragte, wie ich all mein Hab und Gut in meinen Rucksack verpacken kann, klaffen nun große Lücken in einem viel zu großen Kleiderschrank meines kleinen gemütlichen Raumes in einer 7er-WG.
Aber um mal von der Erlebnisberichterstattung aus Mangel an Erlebnissen wegzukommen und einen kleinen Einblick in meine Gefühlswelt zu gestatten, fühlt es sich auch gar nicht so verkehrt an. Gar nicht so verkehrt mal wieder „angekommen“ zu sein. Gar nicht so verkehrt mal wieder eine Basis zu haben, einen eigenen Haustürschlüssel und einen Tagesablauf. Den Rucksack und den Kulturbeutel ausgepackt zu lassen. Sich Zutaten fürs Kochen zu besorgen und kein fertiges Gericht, sich einen Tee zu kochen und nicht zu kaufen.
Aber das macht es auch etwas schwierig, Spannendes mit der Fotokamera einzufangen, um den heutigen Beitrag bildlich zu supporten. Deswegen ist mein „Brief“ als ein großes Dankeschön an alle treuen und fleißigen Leser zu verstehen, die ich hoffentlich inspirieren und motivieren konnte, mal rauszukommen. Rauszukommen aus einem Alltag, der mir jetzt wieder bevorstehenden wird.
Es ist ein Abschied auf Zeit und neue Berichte und Bilder aus dem wunderschönen Kanada und vielleicht noch aus einigen anderen Ländern der Welt werden folgen. Also das Lesezeichen des Webbrowsern ruhig an selbiger Stelle belassen und regelmäßig auf radiohamburg.de nach dem Ausschau halten, was nicht nach der schönsten Stadt der Welt aussieht, aber anders schön aus der weiten Welt von mir nach Hamburg geschickt wird.
Vielen, vielen Dank und bis dann… Daniel
Abschied nehmen 2 Punkt 0
Das Reisen bringt es ja so mit sich, dass ich mich des Öfteren verabschieden musste. Ich lernte viele neue Menschen kennen, mit denen ich mich durch unterschiedliche Reisepläne meist viel zu früh trennen und auf ein hoffentlich baldiges Wiedersehen verständigen musste. Ganz zu schweigen von den vielen Ländern, die ich mal länger und mal kürzer besucht habe, denen ich dann wieder den Rücken zukehren musste. Oder aber eben von den verschiedensten Anschaffungen, denen ich durch ihren unabsichtlichen Verlust oft nicht den gebührenden Abschied habe geben können. Jetzt ist es soweit, dass ich nach 71 Tagen die Vereinigten Staaten von Amerika verlassen werde und nicht nur von diesem Land, sondern auch noch einigen anderen Dingen Adé sagen muss. Was genau ich in bester Hamburger Manier mit einem traditionellen „Tschüss“ habe zurücklassen müssen, kommt mit dem folgenden Text und in bildlicher Begleitung.
Hamburg - New York in 90 Minuten...
...was klingt wie die Flugzeit der stillgelegten Concorde, ist vollkommen ernst gemeint und die von mir mit meinem liebgewonnenen Chevy Astro Van zurückgelegte Zeit auf dieser Strecke. Warum ich mich wieder in Hamburg habe blicken lassen, was ich in New York, meiner letzten Station in den vereinigten Staaten, erlebt habe und wie es für mich jetzt weitergeht, erfahren Sie unter den Fotos.
Meilenfresser, Kurierfahrer, Städtehopper und Edelfan...
...so lassen sich meine Tätigkeiten der vergangene Woche in Kurzform zusammenfassen! Nach meinem "Wundenlecken" in der Woche nach dem Marathon schaltete ich wieder auf Reisemodus und tausche kurze Hosen, Flip-Flops und Sonnencreme gegen Winterjacke, festes Schuhwerk und Stadtpläne! Welche dubiosen Waren ich durch fünf Bundesstaaten "geschmuggelt" habe und warum mein Besuch im Kapitol in Washington bei mir im Nachhinein großes Unwohlsein hervorgerufen hat, ist im Detail hier zu finden - Viel Spaß!
Ich laufe einen Marathon...
Marathon... und was jetzt? Wer jetzt glaubt, dass ich jetzt heißgelaufen bin und mich direkt in die nächste sportliche Herausforderung stürze, den muss ich nach jetzigem Stand leider enttäuschen. Die Gründe dafür, ein paar Eindrücke vom Melbourne Music Marathon und was mir sonst noch so aufgefallen ist, gibt es hier. Viel Spaß
Mein dritter Marathon und noch nie war ich mir so unsicher über den Ausgang. Ich wusste, ich bin zu schlecht vorbereitet. Drei Wochen Training nach siebenmonatiger Sportabstinenz können nicht für eine gute Zeit reichen. Ich weiß aber auch, dass ich eine Marathonvergangenheit habe und in etwa weiß was auf mich zukommt. Und doch muss ich resümieren, dass ich lange nicht mehr so gelitten habe.
Sich Ziele zu setzen ist eine hilfreiche Sache, um an sein Limit zu gehen. Nach 26,2 Meilen (42,12 km) wollte ich unter 4 Stunden bleiben und war nach dem Abgleich meiner Stoppuhr und dem Ermüdungszustand meiner Beine nach etwa 17 Meilen guter Dinge mein Ziel zu erreichen. Jenes Ziel verhalf mir dann auch an mein oben erwähntes Limit zu gehen. Denn bei Meile 18 ließ mich meine Armbanduhr im Stich - Batterie leer. Vor zwei Jahren gewechselt und ausgeregnet in diesen 4 Stunden, wo ich sie mehr brauche denn je - einfach AUS! Hoffentlich keines dieser sagenumwobenen Omen, dachte ich mir.
Seit Durchquerung der Halbmarathondistanz, die etwa 1600 Teilnehmer absolvierten, nahm logischerweise nicht nur die Zahl der Mitläufer drastisch ab, sondern auch die Zahl der Zuschauer. Die euphorischen Bands am Streckenrand, die dem Marathon ja schließlich zu diesem Namen verholfen haben, wandelten sich plötzlich in ein paar unmotivierte Straßenmusikanten, die nur hofften, dass der bewölkte Himmel sich nicht über ihnen ausschüttet. Ich hätte gegen eine solche Abkühlung nicht einzuwenden gehabt.
Jedenfalls verhalfen all diese Umstände nicht, um über die Einsetzende Ermüdung hinwegzusehen. Meine Erinnerung sagte mir, dass die bevorstehende Brücke mit einem steilen Anstieg die letzte Herausforderung wäre und ich mich von dem höchsten Punkt der Brücke einfach ins Ziel purzeln lassen könnte. Mein im Kopf schon geprobter Zieleinlauf (mit Deutschlandfahne in der Hand usw.) wurde von einem abrupten Linksschlänker, adhoc wieder durch das schmerzende Gefühl meiner gefühlt 100 Kilo Beine verdrängt. Die Tatsache, dass mich die Streckenführung immer weiter von dem bereits in Hörweite befindlichen Zieles entfernte und mein Tempo und Laufstil sich gefühlt gen "das noch Fortbewegung zu nennen, wäre eine Beleidigung der Evolution" entwickelte, läutete meinen ultimativen Leidensweg ein. Ich schleppte mich bis zum Ende durch und war ehrlicherweise überrascht, als meine Zielzeit von 3:54:31 auf dem Display aufleuchtete. Die Bank auf der ich mich nach dem Zieleinlauf niederließ, wollte ich nie wieder verlassen...
Die nächste sportliche Herausforderung ist deswegen noch nicht in Sicht, weil meine Beine und Füße heute noch, eine Woche später, mit den Strapazen dieser vier Stunden zu kämpfen hatten! Meine Tagesbeschäftigungen reduzierten sich deswegen auch auf einen minimalen Bewegungsradius am Strand in Floridas Sonne.
Vergangenes Wochenende, schaffte ich es dann doch, wieder etwas Produktives zu tun und wuchtete meinen geschundenen Körper nach Orlando. Ich befinde mich jetzt auf dem Weg in die Hauptstadt nach Washington D.C., wo, und das verspreche ich, wieder etwas mehr Berichtenswertes passiert. Also, bis dahin!!!
