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Radio Hamburg

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Leute, Leute, Leute...

Heute möchte ich neben dem "üblichen" Erlebten im Fokus von Menschen erzählen, die ich in der letzten Woche getroffen habe, deren Einstellungen und Geschichten mich interessiert haben und ich sie deshalb hier nicht unerwähnt lassen will.

Mae Salong, ein Ortsname, der sich mir ins Gehirn gebrannt hat. Einerseits, weil der zweite Teil des Ortsnamen rein sprachlich eine Entsprechung im Deutschen hat und zum zweiten, weil es einer der schönsten Orte ist, die ich bisher gesehen habe. Ein chinesisch angehauchter Ort, der 1.800 Meter über dem Meeresspiegel liegt und traumhafte Blicke über die zahlreichen Teeplantagen des bergigen Umlandes erlaubt. Der Weg dorthin ist die Reise alleine schon wert und sollte mit ein wenig mehr Zeit kalkuliert werden, um diverse Stopps wegen der atemberaubenden Ausblicke einzuschieben.

Norma aus Kansas lebt nun schon seit 5 Monaten hier und denkt noch nicht daran wieder nach Hause zu gehen. Sie hat nichts, was sie dazu bringt, in die USA zurück zu gehen. Mit 73 Jahren und der überschaubaren Rente, die sie immer noch bekommt, lebt es sich hier viel besser, sagt sie. Besser nach ihren Ansprüchen. Sie ist ein bescheidener Mensch, der, wie so viele ihres Alters, ihre täglichen Routinen hat. Sie steht um 4:30 Uhr auf um zu meditieren. Ein hervorragender Ort, der mit dem Klima und der relaxten Atmosphäre hilft, sich besser zu fühlen. Auf dem kleinen Morgenmarkt bekommt sie Alles, was sie für den Tag braucht. Sie kann hier von 200 Dollar (145 EUR) im Monat leben und ist zufrieden. Sie geht gerne auf den Berg zum Tempel, zu dem kleinen Affen, wo es ruhig ist und liest dort sehr gerne.

Zum chinesischen Neujahr geht sie nach China um dort Englisch zu lehren, nicht weil sie es muss, weil sie es liebt. Wir bleiben in Kontakt, sie hat einen Facebook-Account :-)

Ich wäre auch gerne länger geblieben. Doch so günstig es auch ist dort zu bleiben, kostet mich die Miete für das Motorrad im Vergleich ein kleines Vermögen. So sehr ich meinen eigenen fahrbaren Untersatz auch zu schätzen weiß, so bedeutet Stillstand auch in gewisser Weise verschenktes Geld. Also spülen mich die Straßen weiter entlang der burmesischen Grenze nach Mae Sai. Ich hätte gerne noch einen Abstecher nach Myanmar eingelegt, aber da der Motorradverleih als Pfand meinen Reisepass einbehalten hat, komme ich mit meiner Passkopie leider nicht über die Grenze und setzte meinen Weg zum goldenen Dreieck fort. Dort wo sich die Flüsse Ruak und Mekong treffen, kann man vom Fuße der gigantischen Buddha Statue nach Laos und Myanmar hinüberschauen.

In der Vergangenheit ist diese Region durch den Anbau und Handel mit Opium und diversen Derivaten berühmt geworden. Im House of Opium frischte ich mein Wissen rund ums Opium ein wenig auf – das ist keine Art Coffee Shop, sondern ein MUSEUM. Nicht dass hier etwas missverstanden wird :-) Entlang des Mekong Ufers erreichte ich Chiang Khong und checkte in einem beschaulichen Guesthouse ein, wo mich ein englisch sprechender „Cowboy“ freundlichst begrüßte. Der redselige Don aus Michigan lebt hier mit seiner thailändischen Frau und betreibt das Guesthouse seit mehreren Jahren.

Vielmehr interessierte mich jedoch der Thai-sprechende große und weißhaarige Holländer, der offensichtlich nicht zum ersten Mal in Thailand war. Ich sprach ihn darauf an und hatte eine Lawine losgetreten. Über seine Reisen nach Thailand, Reisetagebücher, sein Selbststudium der hiesigen Sprache und sein Geschäft in Holland, waren wir, nein, war er schnell bei der Weltlehre des Jiddu Krishnamurti angelangt. Ich schreibe das so einseitig, weil er viel erzählt hat und ich immer sehr kritische Fragen zu der Wahrheit und Spiritualität dieser Weltlehre gestellt habe. Er hat sich sehr damit identifiziert und auch hineingesteigert. Was ich an der Konversation interessant fand, war zum Teil der Inhalt seiner Ausführungen, teilweise sinnig, teilweise realitätsfern und sehr theoretisch. Viel interessanter fand ich den Gedanken daran, dass dieser Mensch zwei völlig verschiedene Leben führt, wenn er in Holland seinem Geschäft nachgeht und wenn er 2 bis 3 Monate des Jahres in Thailand verbringt. Eine komische aber neue Erfahrung.

Ich hätte gerne noch mehr Zeit in dem Guesthouse, mit Blick auf den Mekong und die Berge Laos‘ verbracht, aber die oben bereits beschriebene Tatsache, zwang mich wieder auf meine Honda Phantom. Zu lang wäre die Distanz zurück bis Chiang Mai gewesen, um es an einem Tag zu schaffen und ich wollte mich ja auch nicht hetzen müssen. Warum hatte ich eigentlich mein Zelt mitgenommen? Aus dieser Frage entstand meine Entscheidung, einen Nationalpark am Fuße des Wang Kaew Wasserfalls, auf dem Weg nach Chiang Mai, anzusteuern, wo Zelten laut Reiseführer erlaubt sein sollte. Ehrlicherweise war ich kurz vor Einbruch der Dunkelheit etwas spät dran gewesen und so kam es erschütternd, dass mir die Parkwärter nach ersten Verständigungsschwierigkeiten deutlich machten, dass ich mein Zelt nicht im Park aufstellen könnte. Noch schwieriger war es, die beiden davon zu überzeugen, dass ich jetzt keine andere Möglichkeit mehr hätte als mein Zelt irgendwo aufzustellen, woraufhin sie mir eine Fläche vor den Schranken des Parks anboten. Das Zelt stand innerhalb weniger Minuten und sanitäre Anlagen waren bestens in Schuss. Das heiße Wasser für mein Instant-Nudel-Abendessen setzten mir die beiden ohne zu zögern auf und ich genoss meine Mahlzeit, vor dem Fernseher, der die thailändische Fassung von GZSZ ausstrahlte.

Hab mir morgens noch schnell den Wasserfall angeschaut und verabschiedete mich mit einem fetten „Khoop khun khrap“ (Dankeschön) für die kostenfreie Übernachtung (Eintritt zum Wasserfall waren eigentlich fünf Euro) und ich  startete in Richtung Chiang Mai, um das Bike wieder abzugeben.

Zurück an meinem Ausgangsort, erfreue ich mich wieder einer gewohnten Umgebung und nutze die Tage um mit einem kleinen Roller die Umgebung zu erkunden. Einem sehr entspannten Tag mit angeln, lesen und schlafen am Huay Teung Thao Reservior folgte ein weiterer entspannter Tag mit Besuchen der Universität, der Sunday Walking Street und der Busstation, wo ich mein Ticket nach Bangkok gebucht habe.

Von den wilden Fluten, die durch die Nachrichtensendungen gehen, ist hier nichts zu spüren und deshalb werde ich mir weiter im Süden mal selbst ein Bild davon machen ;-)

Nach vier Monaten auf großer Tour habe ich schon so einiges Schönes, wie auch Kurioses  gesehen. All das Schöne habe ich so oft wie möglich beschrieben und mit den Bildern zu übermitteln versucht, für das Kuriose ist es jetzt Zeit. In der Bilderserie habe ich die kuriosesten Dinge zusammengefasst und kommentiert. Viel Spaß beim Schmunzeln.

Auf vieles weiteres Kurioses und Schönes freue ich mich in den kommenden Wochen. Bis dahin...

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