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Radio Hamburg

Bachelorette 2014

Bätschi im Rosamunde-Pilcher-Albtraum

Hamburg, 24.07.2014
Bachelorette RTL Nacht der Rosen Folge 2

Wieder einmal muss Anna sich aus den Kandidaten das kleinste Übel aussuchen.

Bätschi, Bachelorette, Anna wird von RTL in der zweiten Folge ihrer Männersuche mitten in den Dating-Wahnsinn katapultiert. Für die Zuschauer gibt es eine Extraladung Kitsch.

Die zweite Folge der "Bachelorette" am Mittwoch (23.07) macht genau da weiter, wo die Auftaktepisode vor einer Woche aufgehört hatte: Bachelorette Anna tapst in einer Mischung aus Portugal-Tourismusvideo, Rosamunde-Pilcher-Schmonzette und Abercrombie and Fitch Werbung durch eine Jugendherberge voll prolliger Grammatik-Katastrophen - und am Ende ist einfach alles total mega-hammer-geil! 

Total wacker beim Speed-Dating

Während sich die Premiere noch zwei Stunden damit beschäftigte, dem Zuschauer die Kandidaten und die Bachelorette selbst schmackhaft zu machen, bietet die aktuelle Folge Dating-Hölle vom Feinsten. Gleich zu Beginn kommt RTL auf die glorreiche Idee, die Musicaldarstellerin zwischen einen Haufen Bambuspflanzen hinter die Männer-Villa zu setzen, wo sie jedem der Proll-Gockel beim Speed-Dating drei Minuten ihrer wertvollen Pool-Bräunungs-Faulenz-Zeit stehlen darf. Fast schon brutal offenbart die stocksteife Teerunde dem Zuschauer und auch der Bachelorette dann, was beim RTL-Casting der Männer das Wichtigste gewesen zu sein scheint: gebräunte Haut, Probleme mit der deutschen Sprache, stets sitzende Haare und eine 0-8-15-Persönlichkeit, die jeden Soap-Darsteller in den Schatten stellt. Auf so kreative Sätze wie "Leider bist du genau mein Typ!", "Fährst du zweigleisig?" oder "Blonde Frauen sind nicht mein Typ", fällt der strohblonden Anna dann auch nicht viel mehr ein, als dass manch einer der Kandidaten sich ganz wacker geschlagen hätte. Bei dem Gespräch mit Kandidat Luke merkt dann selbst die begriffsstutzige Anna, dass es nicht reicht, nach Hobbys zu fragen. "Boah, sind drei Minuten lang", stellt Anna fassungslos nach dem Gespräch fest, das größtenteils aus "Mmmmmhhhhh", "Ähhhhh" und wieder "Mmmmmhhh" besteht. Als Zuschauer möchte man ihr da nur zurufen: "Boah, sind zwei Stunden lang", angesichts der extrem ausgedehnten Sendezeit der Sendung.

Dating-Hölle in Portugal

120 Minuten lang versucht Anna auf Teufel komm raus, hinter die Fassade der aalglatten Männer zu blicken, braust in auseinanderfallenden Buggys durch die Gegend, unterhält sich dabei über Geigen, Lieblingstiere und bezeichnet das als "total intensive Gespräche." Zwischenzeitlich wünscht man sich da nur, dass der Buggy doch endlich einen Abhang herunterpurzeln würde, damit endlich mal etwas passiert. Kläglicher Höhepunkt der Ausfahrt: Bätschi-Anna packt den Bikini aus, schneidet dann eine Salami an und muss den am Finger schwer verletzten Andi verarzten. Da wird es vielleicht der Schauspielerin wieder ganz anders, als Zuschauer schmiert man sich da lieber eine Wurststulle.

Verbrannte Garnelen und Blasenschwäche

Einziger Lichtblick in dem Haufen aus aufgepumpten Teenies, die stellenweise in den untersten Niveau-Schubladen wühlen und Anna am liebsten alle "wegflanken" würden, scheint der 33-jährige Hamburger Thomas zu sein, von dem auch die Bachlerotte ganz begeistert ist. Dank drei schwarz verkohlter Garnelen, dem Drang sich ständig durch die Haare fahren zu müssen, der Unfähigkeit zu paddeln, guter Passform beim Kuscheln, einer Vorliebe für Bier und einer daraus resultierenden schwachen Blase, die in den ungünstigsten Momenten versagt, ist Anna nach dem Einzeldate ganz aus dem Häuschen. "Oh mein Gott, ist der toll", brüllt die 26-Jährige, nachdem der inkontinente Haarfetischist abgereist ist.

Alles für die Boys

Statt Anna aber mit allein Mitteln der Kunst zu verführen, versucht Thomas während des Dates lieber eine Art Wette mit den restlichen Kandidaten in der Männer-Villa zu erfüllen. "Dedicated to my Boys", also nur für seine Boys, stopft er der Bachelorette Trauben in den Mund und lässt sich auch im Gegenzug von der Musicaldarstellerin füttern. Romantik pur also, aber auch symptomatisch für das Hauptproblem des Formats. Was sich in der ersten Folge bereits andeutete, wird in der zweiten Episode noch viel deutlicher. Statt Zoff und Kampf um die Rosendame gibt es bei den sich am Pool von links nach rechts drehenden Herren, deren Hauptziel es zu sein scheint gleichmäßig braun zu werden, viel zu viel Harmonie und ganz viel Kumpel-Liebe, was in etwa so viel Unterhaltungswert hat, wie der Bachelorette beim Nägelschneiden zuzusehen. Stattdessen gibt es nur bedingt lustige Penis-Gespräche und einen Haufen dumme Sprüche, denn wer will schließlich schon eine Frau, "die aussieht, wie ein Pfund Mett."

Suche Rose, biete pornösen Duden

Neben Rosen sollte Anna in der nächsten Nacht der Rosen unbedingt Duden, Deutschkurse oder gleich einen Übersetzer verteilen. Bei den Grammatikakrobaten und talkenden Denglisch-Künstlern, die alles mega-total-hammer-porno-geil finden, frisst der Löwe den Schaf und im Gesicht sitzt das Honigkuchenpferd. Mega-affen-hammer-super-scheiße-geil finden die Jungens bei der zweiten Nacht der Rose natürlich die "Granate" Anna, die laut dem Kennerblick von Trauerklops Luke keine Unterwäsche trägt. Das hilft der armen Anna leider auch nicht, um von Gesprächen über Brillen und demente Omas, krummen Xavier-Naidoo-Ständchen, der Vergewaltigung eines Klaviers und dem peinlichen Paarungs-Hampelmann-Tanz von Baby-Polizist Maik verschont zu werden. Da steht auch die sonst so kumpelhafte Jungs-Truppe mit peinlich berührtem Blick daneben. 

Rosamunde Pilcher lässt grüßen

Zwischenzeitlich drängt sich der Eindruck auf, dass man Kitsch-Königin Rosamunde Pilcher höchstpersönlich zur Nachbearbeitung der Sendung gelassen hat. In feinster Romanzen-Schnulz-Art darf zum Beispiel Einzeldate-Gewinner Thomas eine Treppe hinuntergleiten, unterlegt von den Kuschel-Rock-Hits 1 bis 44 und einer Anna, die den Tränen nahe ist und ins Mikrofon stammelt: "Das ist Aufregung pur" und "Ich sterbe!". Als Thomas dann auch noch ein am Wegesrand gepflücktes, gelbes, pflanzliches Etwas präsentiert, wäre manch Fernsehzuschauer sicherlich fast mit dem Fernsehgerät intim geworden. Ein einfacher Würgereiz hätte es sicherlich aber auch getan. Auch sonst drückt die RTL-Kitsch-Abteilung mit der passenden Musik, niemals enden wollenden Zeitlupen, tollen Landschaftsaufnahmen der portugiesischen Atlantikküste und Nahaufnahmen, gefühlt bis ins Nasenloch, ordentlich auf die Tube. An den Rand des Unerträglichen steigert sich die Schund-Groschenroman-Atmosphäre als Anna ihre Rosen verteilen darf. Mit zittriger Stimme und unter Tränen muss Anna in aller grausamster Musical-Art drei Kandidaten nach Hause schicken. Darunter auch Stimmungskanone Maik, der sicherlich Besseres verdient hat, als in der RTL-Sendung weiter vorgeführt zu werden.

Erkenntnis nach zwei Stunden Dauer-Dating: Der nächste Urlaub geht nach Portugal, abgesehen von einer Villa voller Liebeshungriger scheint es da wirklich ganz nett zu sein.

(san)

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