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Radio Hamburg

DSDS-Finale 2015

Und wer bist du jetzt?

Bremen, 17.05.2015
DSDS-Gewinner 2015 Staffel 12 Severino

Severino ist der neue Superstar - für 1-2 Wochen zumindest.

Huch, Deutschland hat seit Samstag (16.05) einen neuen Superstar. "Hero of Your Heart" heißt der Singersong - Herz hatte die Finalshow allerdings nicht sonderlich viel.

Keine Angst! An wem die mittlerweile zwölfte Fahrt von RTLs Castingshow-Titantic "Deutschland sucht den Superstar" bisher vorübergegangen sein sollte, der hat auch beim Finale der Gesangs-Gruselbahn am Samstagabend (16.05) in Bremen nichts verpasst. Gegen einen Eisberg ist die Mutter aller Castingshows leider immer noch nicht gerauscht - aber selbst das hätte man wahrscheinlich mit einem Haufen Pyrotechnik, einem Pulk halbnackter Tänzerinnen und ordentlich Lightshow nicht uninszeniert gelassen. Die großkotzig als das "größte DSDS-Finale aller Zeiten" umworbene Show ist vor allem eines - zu perfekt, zu kalt, zu gleichgültig und damit leider alles andere als groß.

Na, die Bremer Stadtmusikanten haben es doch auch geschafft!

Statt die Kandidaten wie bisher in Köln wochenlang um die Wette singen zu lassen, hat man sich dieses Jahr dazu entschieden, die Kandidaten eingehend auf die zukünftige Karriere als DSDS-Nicht-Superstar vorzubereiten. Seit vier Wochen läuft dies in sogenannten Eventshows etwa so ab: Man produziere eine peinliche und künstliche Show, die mehr an ein Musikvideo, als an eine Casting-Sendung erinnert, überlasse dabei nichts dem Zufall, toppe das dann mit einer Live-Entscheidungsshow vor 30 gekauften Zuschauern auf einem Kölner Parkplatz, wo einem mitten in der Sendung ein Großteil der Kulisse unter dem A**** wegfährt und tue so, als sei das alles hammergeil und nicht nur der klägliche Rest einer ehemals halbwegs sehbaren Fernsehshow.

Und man muss es RTL schon lassen, besser hätte man den anfänglichen zehn Kandidaten nicht aufzeigen können, in welche musikalische Hölle sie sich begeben haben und wo die Zukunft hingeht. Bei der ersten Liveshow vor vier Wochen durfte man in Ischgl vor und für Betrunkenen in feinster Ballermannatmosphäre antreten. In Woche zwei verschwanden die verbliebenen Acht beim Auftritt in der Balver Höhle im Sauerland in der Versenkung, bevor man vergangene Woche bei der Show in der Leipziger Glashalle mit den letzten Sechs schon einmal für die zukünftigen Kaufhauseröffnungen in Ostdeutschland üben konnte. Mit der vierten und letzten Eventshow in Bremen durften die drei Finalisten dann die Königsdisziplin üben: In einer angeblich ausverkauften Halle Lieder runterrattern, die sowieso niemand hören will und dabei eine Auf-Teufel-Komm-Raus-Gute-Laune-Wir-Haben-Uns-Alle-Lieb-Show abliefern.

Dass man die Kandidaten für das Finale dabei ausgerechnet nach Bremen verfrachtet, scheint wohl aus einem schlechten Scherz geboren zu sein. Mit welch bitterer Ironie man beim RTL wohl gedacht haben muss: Dort wo es selbst ein Esel, ein Hund, eine Katze und ein Hahn mit schiefen Tönen zu weltweiter Prominenz bringen können, werden wir doch wohl noch einen deutschen Superstar finden, der uns für zwei Monate ordentlich Geld in die Kassen spült und den wir danach feierlich durch unsere Trash-TV-Fleischmühle drehen können. Der neue Superstar wird aber sicherlich nicht als fünftes Mitglied zu den Bremer Stadtmusikanten stoßen. Höchstens vielleicht unter den Hufen des Esels ...

Licht einschalten, macht halt auch keinen Superstar

Zugegeben: DSDS war schon immer die Show für bombastische Showelemente, ein tolles Bühnendesign und viel Brimborium rund ums Singen, doch was einem drei Stunden lang im DSDS-Finale in der Bremer ÖVB-Halle um die Ohren - und vor allem auf die Augen - gehauen wird, erinnert phasenweise eher an einen schlecht verfilmten LSD-Trip mit zwei Taschenlampen, die zwischendurch auch noch die Farbe wechseln können. In dem boxarenaartigen Studiodesign, bei dem wahrscheinlich auch backstage die Toiletten in allen Farben leuchten, scheint es wohl das Ziel der Macher gewesen zu sein, nicht nur einen Kandidaten nach dem nächsten aus der Show zu jagen, sondern den Fernsehzuschauer an den Rand des epileptischen Anfalls zu bringen. Immer ganz nach dem Motto: Was die grauen Kandidaten nicht an Bling-Bling und Glamour mitbringen, machen wir mit dem panikartigen An- und Ausdrücken sämtliche Lichtschalter in der Halle wieder wett. Macht den ganzen Mist leider auch nicht besser - nervt aber ungemein. 

Suche Herz, biete Zombie-Tanzstadl

Und passend zu dem optisch vollkommen überkandidelten Sing-Tamtam sucht man so etwas, wie Herz oder Emotion in der Show leider so vergebens wie zwei zusammenhängende Sätze in dem Herumgegurke von Moderationsplatzpatrone Oliver Geissen. Zwischen Klamauk-Einspielfilmchen von Frauen, die wie Ziegen singen, Menschen die sich gegenseitig an den Ohren rumspielen und im Bett herumflatulieren, dem 11.000-maligen wiederholen, dass auch wirklich und ganz echt 11.000 Menschen freiwillig in der Halle hocken würden und der Darbietung von verstörenden Ausdruckstänzen der Delmenhorster VHS-Bauchtanztruppe, bleiben nicht nur die Kandidaten samt ihrer Persönlichkeit auf der Strecke, sondern auch irgendwie der Zuschauer. Statt etwa Sympathie und Begeisterung für die drei Finalisten entwickeln zu können, rauschen die Kandidaten samt vollkommen austauschbarer Persönlichkeit und ebenso austauschbarer Stimme mit ihren 60934609 mal gehörten Buum-Buum-Herzschmerz-Balladen über den Äther, ohne dass auch nur das geringste Gefühl zurückbleibt. Bezeichnend dazu auch das Bild am Ende Show, als die 17-jährige Kandidatin Viviana aus Jugendschutzgründen von ihrer Mutter auf der Bühne vertreten wird - als Zuschauer hat man da nämlich fast das Gefühl, dass die gute Frau, die wohl noch nie auf einer großen Bühne war, dort schon den ganzen Abend herumstand. So wenig einprägsam sind die Kandidaten.

Ob man nun Fan der Castingshow ist oder nicht - es ist eine traurige Entwicklung, die die Sendung über das vergangene Jahrzehnt genommen hat. Kaum noch erinnert man sich an die Jahre, in denen man schwitzend und Nägel kauend vor dem Fernseher hing, um seinem DSDS-Lieblingskandidaten Woche für Woche die Daumen zu drücken oder um vielleicht sogar hin und wieder auch mal die mantraartig von Marco - Schreihals - Schreyl wiederholte Telefonnummer seines Favoriten zu wählen (natürlich hat man das nie jemandem verraten!).

Unvergesslich die Perlen des Reality-Trash-Casting-Genres als Daniel Kübelböck Woche für Woche von der Jury zusammengefaltet wurde, sich Annemarie Eilfeld durch die Mottoshows zickte und dabei gnadenlos im Kölner Studio ausgebuht wurde oder als Stephan Darnstaedt erst aus der Show gewählt wurde, was sich am Ende aber hochdramatisch als ein Versprecher der Moderatorin Tooske Ragas herausstellte. Das waren immerhin noch Emotionen, die echt wirkten und sas waren noch Zeiten, als man seine Lieblinge und seine Hassobjekte bei DSDS hatte und Lust hatte wochenlang mitzufiebern. Heute kennt man dagegen nicht einmal mehr die Namen der Kandidaten. Da will wohl nicht einmal mehr DSDS-Kult-Urgestein Notar Dr. Jens Fleischhauer mitmachen. Stattdessen überbringt jetzt ein Mr. No-Name die vollkommen unnötigen Entscheidungsbrieflein. Aber hey, das Studio kann 456000237 Farben auf die Brüste und das Hinterteile von Mandy Capristo strahlen ... Seele hat DSDS in Staffel 12 schon lange keine mehr.

Halt's Maul du "Hero of Your Heart"!

Wie gleichgültig die gesamte DSDS-Maschinerie inzwischen mit den Kandidaten umgeht und wie egal diese eigentlich mittlerweile für das Format sind, zeigen eindrucksvoll drei goldene Umschläge, die Dieter Bohlen zu Beginn der Show unter dem Jurypult hervorzaubert und in denen die Texte und musikalischen Arrangements für drei komplette Alben stecken. So wenige Liebe zur Musik und eine derartige Abneigung für einen jungen Künstler und den penetranten Unwillen auf einen Menschen überhaupt erst einzugehen, hat es so wohl noch nie bei "Deutschland sucht den Superstar" gegeben. 

Die Marionetten - und beim Finalsong hängen die Kandidaten dann sogar tatsächlich an Halteseilen! - die drei Stunden lang von Schnulze zu Up-Tempo-Song zu grausiger 80er-Jahre-Ralph-Siegel-Finalschnulze "Hero of Your Heart" gehetzt werden, sind zuerst der furzenden Italiener Antonio, der durch die Castingshow stolpert, als wäre er im Supermarkt am Fleischregal aus Versehen falsch abgebogen. Daneben steht noch ein zweiter Italiener namens Severino auf der Bühne herum, der irgendwas am Knie hat und der wohl deshalb ganz merkwürdig über die Bühne tanzt. Und zu guter Letzt singt auch noch die 17-jährige Viviana, was das Zeug hält. Die ist halt nett und brünett, in ihren Gefühlsregungen chronisch zwischen heulen und Grinsebacke wechselnd und damit bestes Bohlen Song-In-die-Kehle-Press-Material. Zum Superstar taugt natürlich niemand, aber eine halbe Million Euro darf der Sieger immerhin mit nach Hause nehmen - hoffentlich muss damit nicht das Song-Schreiben-Nach-Zahlen-Album bei Dieter Bohlen bezahlt werden ...

Wer am Ende gewonnen hat? Um es vielleicht mit dem einzig wahren Star der zwölften DSDS-Staffel zu sagen: "Is' mir egal!"

Eure Meinung zum Finale? Ab damit in die Kommentare!

(san)

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