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Radio Hamburg

Sarah und Pietro Lombardi

Wer, wie, was und wieso eigentlich überhaupt?!

Hamburg, 26.10.2016
Sarah und Pietro Lombardi

Da hatten die beiden ordentlich durchgebrutzelt noch gut lachen - das dürfte Sarah und Pietro Lombardi inzwischen aber gehörig vergangen sein.

Offiziell kennen will sie am Ende wieder niemand. Trotzdem spricht ganz Deutschland von einer Trennung, die uns eigentlich einen feuchten Kehricht angehen dürfte.

Der IS kann einpacken, Donald Trump auch, die Engländer mit dem Brexit sowieso und Brangelina schon längst, denn schließlich trennen sich gerade höchst öffentlichkeitswirksam Sarah und Pietro Lombardi. Beziehungsweise werden die beiden eher von einer medialen Phalanx in Grund und Boden geschrieben und getrennt, was man so in den letzten Jahren in Deutschland selten erlebt hat. Kennen mag die beiden dabei eigentlich niemand so richtig. Dennoch erweckt der deutsche Blätter- und Onlinemedien-Wald in den letzten Wochen den Eindruck, dass es kein wichtigeres Thema im Staate Deutschland geben würde als die bizarre Trennung von zwei F-Promis. Doch warum und muss das wirklich sein?

Mediales, lombardianisches Dauerfeuer

Um gleich einen wichtigen Punkt vorwegzunehmen, wundern dürfen sich die Lombardis über die Berichterstattung ihrer Beziehungskrise freilich nicht - das gigantische Ausmaß dessen darf man allerdings doch mit hochgezogener Augenbraue anzweifeln. Sarah und Pietro haben die Beziehung vom Beginn ihrer "Karriere" 2011 in der achten Staffel von RTLs Castingshow "Deutschland sucht den Superstar" regelrecht in der Öffentlichkeit zelebriert und in einer ganz ähnlichen Größenordnung wie eine Daniela Katzenberger, Sarah Connor in früheren Jahren oder die Millionärsfamilie Geiss mit den Fernsehzuschauern, Zeitungs- und Magazinlesern geteilt. Dabei trifft auf die beiden in nahezu perfekter Weise das "Kournikova-Phänomen" zu, das von der  Tennisspielerin Anna Kournikova abgeleitet wird: Hohe mediale Aufmerksamkeit, trotz ziemlich bescheidenen Erfolgs im eigentlichen Job. Denn musikalisch konnten Sarah und Pietro nicht wirklich jemanden hinter dem Ofen hervorlocken. Wenn die beiden allerdings bei RTL2 ein Haus bauen, ein Kind bekommen, mit dem Wohnmobil durch Italien fahren, bei Let's Dance durch die Gegend tanzen und auch sonst nicht müde werden, das eigene Privatleben regelmäßig nach außen zu stellen, sah das schon ganz anders aus. 

Doch darf man dann gleich so über die Lombardis berichten? Ja, was sogar juristisch in gewissem Rahmen abgesichert ist. Für Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen und einen beträchtlichen Teil ihres Privatlebens im selben Zug auch öffentlich propagieren, kennt das deutsche Recht den Begriff der "Person des öffentlichen Lebens". Dieser besagt im Groben, dass das öffentliche Interesse an Informationen aus der Privatsphäre dieser Personen durch die Prominenz durchaus berechtigt ist. Hart gesagt; wer prominent ist, muss halt auch damit leben, dass sein Leben vor 82 Millionen Deutschen durchgekaut wird. Eine Ausnahme bildet hierbei die Intimsphäre, die auch bei einer Nacktschnecke wie Micaela Schäfer von den deutschen Medien nicht übertreten werden darf.

Aber genug der juristischen Ausflüge. Fakt ist, dass die Lombardis die öffentliche Aufmerksamkeit gesucht haben und damit über Jahre ihre Lebensunterhalt beschritten haben. Kaum verwunderlich, dass nun auch das letzte Kapitel im Pärchen-Businessmodel "Lombardi" für alle sicht- und erlebbar zu Ende gebracht wird. Dafür ist das mediale Narrativ auch einfach zu gut: Liebe im TV gefunden, Leben im TV geführt, mediale geschieden. Ein Medien-Drama in drei Akten quasi ...

Wenn Medien über das Ziel hinausschießen

Aber muss man dann wirklich so weit gehen, die Trennung von zwei 24-jährigen, gefallenen Casting-Show-Sternchen medial so zu begleiten, als wären UFOs vor dem Bundestag gelandet oder als ob es sonst keine Themen und Probleme auf der Welt geben würde? Ich glaube nicht, denn mit welcher Penetranz und Auf-Teufel-Komm-Raus-Mentalität gerade ein mediales Dauerfeuer auf die beiden Reality-TV-Stars niederprasselt, ist beinahe schon unheimlich und steht erstaunlicherweise auch in keinem Verhältnis zur bisherigen Berichterstattung über die beiden. Zugegeben, die Umstände um die Trennung sind nebulös und bizarr genug für eine hämische Berichterstattung und wie oben schon erwähnt auch in gewissem Rahmen nachvollziehbar. Am Ende wäre die ganze Trennungs-Story dann aber doch so schnell abgefrühstückt, wie die Musikkarriere der beiden. Aber irgendwo zwischen Handyhüllen, Instagramselfies und den allseits berühmten Insider-Quellen scheint die mediale Maschinerie irgendwann etwas zu heiß gelaufen zu sein und schießt seitdem konstant über das Ziel hinaus. 

"Wer hat es gesagt - Pietro oder Homer Simpson?"

Inzwischen vergeht kein Tag, an dem BILD, Stern, Focus und Co. sich nicht irgendwelche weiteren abenteuerlichen, thematischen Weiterdrehs rund um die "Lombardi-Krise" einfallen lassen, bei denen man sich häufig nur noch am Kopf kratzt und sich fragt: Warum verbeißt man sich so in zwei Menschen, wie ein Raubtier in ein Stück Frischfleisch? So spannend sind die doch eigentlich gar nicht. Schaut man sich beispielsweise die täglichen Stern-und BILD-Push-Nachrichten und Facebook-Posts der vergangenen Tage zu dem Thema an, kann man das Blätterrascheln eigentlich kaum glauben: "Pietro Lombardi: Hat er die Ehe schon aufgegeben?", "Nach einer Woche Auszeit: Sarah Lombardi ist wieder da!", "So verliebt sehen wir Sarah und Pietro heute Abend im Fernsehen", "Ist diese Ehe noch zu retten? Das sagt der Paar-Therapeut", "Sarah und Pietro Lombardi: Seine Fans wollen die Trennung", "Das sagt Pietros Mama zur Ehe-Krise", "Im Sommer knutschten Sarah und Pietro noch auf Kreta", "Noch haben sie ein gemeinsames Haus: Zieht Pietro jetzt aus?", "Wurden die Fremdgeh-Fotos bei der Handyreparatur geklaut?", "Mit diesen Formaten könnten Pietro und Sarah im TV bleiben" oder "Mach den Test: Wer hat's gesagt - Pietro oder Homer Simpson?" - und das ist nur die Spitze des medialen Lombardi-Quatschs der vergangenen Tage.

Sarah x Pietro und kein Ende in Sicht

Man sieht schon, dass beim Thema "Sarah und Pietro" in den deutschen Redaktionen der Kreativität und dem Erfindungsreichtum keine Grenzen gesetzt zu sein scheinen. Getreu nach dem Motto, solange der Skandal gute Klicks, Leser- und Zuschauerzahlen bringt, wird halt geschrieben, ausgedacht und spekuliert, bis kein Stein mehr auf dem anderen steht. Dass, wenn eine mediale Lawine erst einmal ins Rollen gekommen ist, jener nur schwer Einhalt zu gebieten ist, mussten vor Sarah und Pietro schon zahlreiche Promis, Politiker und Würdenträger erfahren. Bekanntestes Beispiel dürfte sicherlich die wochenlange mediale Hetzjagd rund um Ex-Bundespräsident Christian Wulff gewesen sein.

Zu stoppen ist ein derartiges Medien-Trommelfeuer nur schwer. Dazu fehlt Medien und Medienschaffenden häufig schlichtweg die nötige Selbstreflexion. Mit gewisser Arroganz wird dabei durch die Gazetten geprescht, immer mit dem Mantra: "Das wird die Leute da draußen schon irgendwie interessieren". Um zu erkennen, ob dem Publikum das alles schon längst zu den Ohren heraushängt sind die Rückkopplungskanäle auch in Zeiten von Social Media und Co. leider immer noch zu undurchlässig und zu unreflektiert. Leserfeedback ist eher ganz nett, als Quelle für ein verändertes Verhalten für viele allerdings ein schlechter Scherz - man will ja schließlich nichts von seiner Macht abgeben, die man als Medium durch das Setzen von Themen in gigantischem Ausmaß besitzt. Tonus ist häufig: "Warum soll man sich eigentlich von irgendjemandem reinreden lassen, der doch sowieso keine Ahnung hat, was die Leute interessiert. Als Medienschaffender wird man das durch die Berufserfahrung und den täglichen Umgang mit der Thematik schon besser wissen." Echte und vor allem effektive Kontrollinstanzen, die da mal sagen: "So jetzt haben wir aber auch genug auf Sarah und Pietro rumgehackt, jetzt lasst uns mal die nächste Sau durchs Dorf treiben", gibt es in deutschen Redaktionen leider immer noch sehr selten. Und wenn niemand kontrolliert, was da in die Welt hinausgeschrien wird, dreht sich das mediale Rädchen weiter und weiter ...

Wir wollen Euch am Boden sehen

Aber das Sommerloch ist überwunden und da draußen gibt es eigentlich genug Baustellen, die man in Redaktionen beleuchten könnte. Warum ist also kein Ende der Lombardi-Krise in Sicht? Es erweckt phasenweise tatsächlich schon den Eindruck, als hätte man sich in dunklen Hinterzimmern gegen die Lombardis verschworen. Die berühmte Aussage von Springer-Chef Mathias Döpfner, dass wer mit der BILD-Zeitung "im Aufzug nach oben fährt, der fährt auch mit ihr im Aufzug nach unten", existiert nicht ohne Grund. Mit ziemlicher Manpower hat man den Lombardi-Aufzug in den letzten Jahren künstlich nach oben gezogen, gerade rauscht er mit atemberaubendem Tempo in die Tiefe. Über die Gründe dahinter kann man nur spekulieren: Hat es sich da irgendjemand mit irgendjemandem verscherzt und zahlt dafür jetzt den Preis? Hat man sich geweigert irgendwo mitzuspielen und wird dafür jetzt öffentlich demontiert?

Man weiß es nicht. Gut möglich ist aber, und das klingt jetzt sehr bitter, sonderlich dramatisch werden Sarah und Pietro die Berichterstattung über die eigene Ehekrise wahrscheinlich nicht finden, basiert doch das Erfolgkonzept der beiden darauf, durch Privates möglichst öffentlich präsent zu sein. Insofern könnte man sogar fast sagen, dass die beiden momentan eigentlich auf den gemeinsamen Karrierehöhepunkt zusteuern und der Rubel für die beiden danach erst richtig zu rollen beginnen wird. Wer die beiden vorher nicht kannte, kommt nun kaum umhin, von den beiden inzwischen mehr zu wissen, als einem eigentlich lieb ist. Der Vollzug der endgültigen Trennung, eine Versöhnung und all das Drumherum werden uns sicherlich auch noch in den kommenden Monaten beschäftigen. Und ziemlich wahrscheinlich darf einer der beiden die ach so dramatischen Ereignisse ab Januar noch öffentlichkeitswirksamer im RTL Dschungelcamp einem Millionenpublikum erklären - in der Wirtschaft würde man das als ziemlich erfolgreiche Verwertungskette bezeichnen. Gut möglich also, dass das ganze Ehedrama zwar einen wahren Kern hat, im Hintergrund von beiden oder einem der beiden noch etwas Öl ins Feuer gegossen wird, um die Story möglichst lange am Köcheln zu halten und damit die eigene mediale Aufmerksamkeit zu erhalten oder zu steigern.

Eines ist trotz allem klar: Es reicht. Denn ganz ehrlich, so spannend sind die beiden und ihre Ehe-Posse doch nun auch wieder nicht, oder? Auf zu neuen Geschichten, Themen, Krisen und Personen!

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