Es gibt neue Inhalte auf unserer Startseite - jetzt aktualisieren! [Schließen]
Radio Hamburg

Weitere prominente Steuersünder

Hat CR7 14,7 Mio. € Steuern hinterzogen?

Madrid, 01.08.2017
Christiano Ronaldo

Christiano Ronaldo (CR7) wird vorgeworfen, rund 14,7 Millionen Euro Steuern hinterzogen zu haben. Er bestreitet alle Anschuldigungen.

An seinem womöglich "härtesten Tag" wählte Cristiano Ronaldo den abgeschirmten Hintereingang durch die Garage des Gerichtsgebäudes in Pozuelo de Alarcón. Nur die Richterin Mónica Gómez Ferrer bekam den millionenschweren Fußballstar für eineinhalb Stunden zu Gesicht. Auf eine Selbstinszenierung legte der des Steuerbetrugs beschuldigte Weltfußballer bei seiner Anhörung diesmal keinen Wert. So mussten sich mehr als 200 Journalisten aus aller Welt mit den kargen Worten eines Sprechers begnügen. "Alles ist in Ordnung, Cristiano ist schon auf dem Weg nach Hause", lautete die Botschaft.

Ronaldo wies vor Gericht alle Anschuldigungen von sich, hieß es in einem am Montag verbreiteten Kommuniqué des Gerichts. "Ich habe niemals etwas verborgen und auch niemals die Absicht gehabt, Steuernzu hinterziehen", sagte der Profi von Real Madrid. Er habe betont, dass die Finanzbehörden "alle meine Einnahmen im Detail kennen, da ich sie immer angegeben habe."

Knallharte Richterin

Die Auskunftsfreudigkeit hielt sich auch im Ronaldo-Lager arg in Grenzen. Dafür hätte es das eigens errichtete Pult samt Mikro nicht gebraucht. Schnell war seitens der vergeblich wartenden Medien von einer "Schande" und einem "Ablenkungsmanöver" die Rede, nachdem der Sprecher von Ronaldos Manager Jorge Mendes, Iñaki Torres, schnell entschwand. Es war wohl in der Tat, wie die Madrider Sportzeitung "Marca" feststellte, Ronaldos "härtester Tag". Es geht nämlich um den Vorwurf der Steuerhinterziehung in Höhe von 14,7 Millionen Euro. Nach dem Termin hat die Untersuchungsrichterin Gómez Ferrer, die in Justizkreisen als "hart" gilt, bis zu 18 Monate Zeit, um über die Eröffnung eines Strafprozesses gegen den 32 Jahre alten Champions-League-Sieger und Europameister zu entscheiden. Im Falle einer Verurteilung droht "CR7" eine mehrjährige Haftstrafe.

Hält das Saubermann-Image, was es verspricht?

Ronaldo gab sich indes als Saubermann. "Wer mich kennt, der weiß, dass ich meine Berater darum bitte, dass sie immer alles pünktlich erledigen und alles korrekt zahlen, weil ich keine Probleme haben möchte", sagte der Weltstar in der Mitteilung des Gerichts. Er habe vor der Richterin auch die Anschuldigung zurückgewiesen, bei seinem Wechsel von Manchester United nach Spanien ein Unternehmensgeflecht zur Steuerhinterziehung geschaffen zu haben. "Als ich bei Real Madrid unterschrieben habe, habe ich keine spezielle Struktur kreiert, um meine Bildrechte zu verwalten. Ich habe vielmehr jene Struktur beibehalten, die ich schon in England hatte." Diese habe er schon seit 2004, sie sei in England von den zuständigen Behörden als "legal und legitim" anerkannt worden, behauptete der Portugiese in dem Kommuniqué.

Die Liste ist lang...Prominente Steuersünder

Viele Fußballstars und auch andere Persönlichkeiten wie etwa die weltberühmte Opernsängerin Montserrat Caballé mussten in Spanien bereits wegen Steuerbetrugs auf die Anklagebank. Berühmtestes Ziel der gnadenlosen Fahnder war Ronaldos sportlicher Erzrivale Lionel  Messi. Der Profi des FC Barcelona wurde wegen Steuerhinterziehung von 4,1 Millionen Euro zu 21 Monaten Haft verurteilt. Sein Glück: Bei Strafen von bis zu zwei Jahren müssen nicht vorbestrafte Angeklagte in Spanien in der Regel nicht ins Gefängnis. Die Anhörung Ronaldos durch die Richterin fand zwar hinter verschlossenen Türen statt, sorgte aber dennoch für eine riesige öffentliche Aufmerksamkeit. Vor dem Eingang warteten mehr als 200 Reporter und 40 Kameraleute aus mehr als 20 Ländern, darunter auch einige aus Deutschland, vergeblich auf den Profi. 

Kurz vor 11.00 Uhr durfte Ronaldo mit seinem Wagen durch eine Hintereinfahrt direkt in die Garage fahren. "Ein solches Privileg hat nicht einmal die Infantin Christina bekommen. Sie musste damals in Palma de Mallorca an Journalisten und Schaulustigen vorbei, um ins Gericht zu kommen", wunderte sich ein Kommentator im spanischen Fernsehen in Erinnerung an das jüngste Steuerbetrugsverfahren gegen die Schwester von König Felipe VI. und deren Ehemann Iñaki Urdangarín.

Lest auch: Rücktritt von allen Ämtern: Uli Hoeneß akzeptiert Urteil im Steuerprozess

Uli Hoeneß verzichtet auf eine Revision in seinem Steuerprozess und akzeptiert die Haftstrafe! Er tritt von allen ...

Lest auch: 1,5 Milliarden Euro: Stars in gigantischen Steuerskandal verwickelt

Unvorstellbare Summen sollen britische Stars wie Gary Barlow, Katie Melua oder George Michael in einem Ring ...

Prominente Steuersünder

Diese Promis haben Steuern hinterzogen

  • Alice Schwarzer, Journalistin und Publizistin

    Erst im Februar gab die bekannteste Frauenrechtlerin Deutschlands, Alice Schwarzer, zu, dass sie über viele Jahre ein Schweizer Konto vor den deutschen Steuerbehörden verheimlicht habe. Sie zeigte es 2013 selbst an und zahlte nach eigenen Angaben 200.000 Euro Steuern nach. Sie muss keinen Prozess fürchten, da sie die Steuerschuld innerhalb einer vorgeschriebenen Frist nachzahlte.

  • Dolce & Gabbana, Modedesigner

    Die Modedesigner Domenico Dolce and Stefano Gabbana wurden im Juni 2013 wegen Steuerhinterziehung zu Haftstrafen von 20 Monaten verurteilt. Die Strafe wurde aber zur Bewährung ausgesetzt. Den Gründern des Mode-Unternehmens Dolce & Gabbana war vorgeworfen worden, mit fiktiven Firmen in Luxemburg eine Milliarde Euro Steuern hinterzogen zu haben.

  • Lauryn Hill, US-Sängerin

    Die mehrfache Grammy-Gewinnerin Lauryn Hill wurde im Mai 2013 wegen Steuerhinterziehung zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Sie hatte zugegeben, zwischen 2005 und 2007 1,8 Millionen Dollar ihres Einkommens nicht versteuert zu haben. Sie saß ihre Haftstrafe ab.

  • Klaus Zumwinkel, Ex-Vorstand der Deutschen Post

    Der frühere Post-Chef Klaus Zumwinkel wurde im Januar 2009 vom Landgericht Bochum zu einer Haftstrafe auf Bewährung verurteilt. Er hatte gestanden, über seine Stiftung in Liechtenstein Steuern in Millionenhöhe hinterzogen zu haben. Zusätzlich musste er eine saftige Geldstrafe bezahlen.

  • Boris Becker, Ex-Tennisspieler

    Boris Becker wurde im Oktober 2002 vom Landgericht München zu einer zweijährigen Haftstrafe verurteilt. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Außerdem musste er 300.000 Euro Geldstrafe zahlen und 200.000 Euro an karitative Einrichtungen überweisen. Boris Becker hatte zugegeben, zwischen 1991 und 1993 zwar in Monaco gemeldet gewesen zu sein, aber in München gelebt zu haben. Er habe somit bewusst falsche Angaben in seinen Steuererklärungen gemacht, um 3,3 Millionen Mark zu sparen. Er zahlte die Steuern nach.

  • Peter Graf, Vater der Tennisspielerin Steffi Graf

    Der Vater von Steffi Graf wurde 1995 wegen Steuerhinterziehung angeklagt und zu einer Haftstrafe von drei Jahren und neun Monaten verurteilt. Es ging um rund 12 Millionen Mark hinterzogener Steuern. Peter Graf saß die Hälfte seiner Strafe ab, bevor er auf Bewährung frei kam.

  • Patrick Lindner, Schlagersänger

    Auch Schlagersänger Patrick Lindner zahlte 2005 eine Geldstrafe wegen Steuerhinterziehung. Er hatte 400.000 Euro Verlust aus der Vermietung einer Villa für die Jahre 1993 bis 1996 beim Fiskus geltend gemacht. In der Villa lebte jedoch zu dieser Zeit sein Manager und Lebensgefährte Michael Link.

Nach der Anzeige der für Wirtschaftsdelikte zuständigen Staatsanwaltschaft soll Ronaldo zwischen 2011 und 2014 Millioneneinnahmen aus Bildrechten "bewusst" am Fiskus vorbeigeschleust haben. Dafür habe der Teamkollege von Weltmeister Toni Kroos im Jahr 2010 - ein Jahr nach seinem Wechsel von Manchester United zu Real - auf den Britischen Jungferninseln und in Irland ein Unternehmensgeflecht geschaffen. Seine Anwälte haben diesen Vorwurf öffentlich zurückgewiesen. Der Stürmer selbst hatte vor einigen Wochen erklärt, er habe "ein ruhiges Gewissen".