Radio Hamburg

Frauen in der Musik

Zu viele Männer im Musikbusiness

Hamburg, 02.08.2018
We Make Waves

"We Make Waves" ist ein Festival, wo sich Frauen aus der Musikszene miteinander vernetzen können und ein Forum bekommen

Selena Gomez oder Ariana Grande sind Stars und landen regelmäßig mit ihren Songs in den Charts. Doch sie sind eine Ausnahme, es gibt tatsächlich viel weniger Frauen als Männer im Musikbusiness. 

Beyonce, Rihanna und Selena Gomez - sie alle sind internationale weibliche Musikstars. Dennoch ist die Musikindustrie nach wie vor eine von Männern dominierte. Laut der GEMA stammten 2006 noch 40 Prozent der Songs in den Top-100-Single-Charts von Frauen. Seit 2006 ist der Anteil der Frauen, die in den Charts vertreten sind, immer weiter gesunken.

Noch schlechter sieht es hinter den Kulissen aus: Bei sehr erfolgreichen Songs in den Charts schreiben die meisten Musiker die Songs zusammen mit männlichen Komponisten. Bei den erfolgreichsten Radio-Titeln zwischen 2001 und 2016 waren gerade mal zehn Prozent der Songschreiber weiblich. Doch das soll sich demnächst ändern.

Initiativen für mehr Frauen in der Musik

Geschlechtergleichheit war eines der Themen auf der diesjährigen Tallinn Music Week. Die Tallinn Music Week findet jährilich in der estländischen Hauptstadt Tallinn statt.
Das Festival gehört zu den Mitbegründern der "Keychange" Initiative, der sich bereits mehr als 100 Festivals angeschlossen haben.
Bis 2022 soll Geschlechtergleichheit auf internationalen Popkonzertbühnen und bei Festivalkonferenzen herrschen. Das Reeperbahn-Festival in Hamburg und die BBC Proms in London sind unter anderem dabei.
Außerdem erhalten 30 aufstrebende Musikerinnen und 30 innovative Branchenvertreterinnen aus ganz Europa in den kommenden zwei Jahren die Möglichkeit, ein internationales Netzwerk aufzubauen und so die Rahmenbedingungen für Frauen in der Musikindustrie nachhaltig zu verbessern.
Bei insgesamt sieben internationalen Festivals wird Keychange in den kommenden Monaten eine Reihe von Showcases, Diskussionen, Kollaborationen und Kreativlabore abhalten, den Schlusspunkt setzt 2019 eine Veranstaltung im Europäischen Parlament in Brüssel, bei der die Teilnehmerinnen ein Manifest der Veränderung präsentieren werden.


"We make waves"

"We make Waves" ist eine weitere Initiative für mehr Frauen in der Musik. Es ist ein von der Bookerin Mirca Lotz ins Leben gerufenes Festival, wo sich Frauen aus der Musikszene miteinander vernetzen können und ein Forum bekommen, um ihre Ideen zu diskutieren.
"Momentan liegt unser Fokus auf Musikerinnen und auf Menschen, die sich nicht in normale Geschlechterkategorien zuordnen lassen." Langfristig sollen bei "We make waves" auch Menschen aus anderen Kreativbereichen mitmachen - wie zum Beispiel aus der Filmbranche.

"musicHHwomen"

Auch in Hamburg gibt es so eine Initiative. Im vergangenen Sommer gründete Rockcity Hamburg mit "musicHHwomen – art.business.media“ die erste eigene Interessenvertretung.
Diese betreibt die erste Datenbank der Musikfrauen in Deutschland. Die Datenbank soll die Musikfrauen nun stärker vernetzen, die Präsenz erhöhen und zum Austausch anregen. Geplant ist eine bundesweite Einführung: Es sollen 16 lokale Netzwerke mit einer zentralen Datenbank aufgebaut werden. Aktuell wird auch an Mentoringprogrammen und Events gearbeitet.

Männerfreies Festival

Ein Festival nur für Frauen, Trans- und nicht-binäre Menschen wird es bereits diesen Sommer geben.
Auf die Idee kam die schwedische Humoristin Emma Knyckare im vergangenen Sommer als die Medien über Vergewaltigungen und sexuelle Übergriffe auf mehreren schwedischen Musikfestivals berichteten.
"Ich trank ein Glas Wein und fragte mich, was das eigentliche Problem sei. Für fast hundert Prozent der sexuellen Gewalt ist ein Mann verantwortlich. Was, wenn wir also bei einem Festival die cis-Männer einfach außen vorlassen, bis sie gelernt haben, sich zu benehmen? Genau das twitterte ich, legte mich ins Bett und dachte nicht weiter darüber nach. Denn ich bin eine schwedische Humoristin und sage schnell mal, was ich denke. Am nächsten Tag rief die Presse bei mir an, und eine Riesendebatte wurde angestoßen.", sagte Knyckare.
Das Interesse war so groß, dass Emma Knyckare schließlich beschloss, ein solches Festival ins Leben zu rufen. Am letzten Augustwochenende wird es in Göteborg stattfinden, es wurde in Eigenregie organisiert und über Crowdfunding finanziert. Mit dem Vorwurf, sie diskriminiere Männer, sagt sie, sie wolle eigentlich nur bei einem Festival in Ruhe ein Bier trinken können und sich keine Sorgen machen müssen, angegriffen zu werden.