Radio Hamburg

Wissenschaftliche Studie beantwortet:

Kann Musik bei Demenz helfen?

Alter Mann mit Kopfhörern denkt nach

Kann Musik dabei helfen, die Erinnerungen bei Demenz-Patienten zu fördern?

Jeder von uns hat mindestens einen Song, mit dem er etwas verbindet – sei es die Erinnerung an Ereignisse oder Personen, glücklich oder traurig.

Im heutigen Alltag begleitet uns Musik fast überall, sei es das leise Radiogedudel bei der Arbeit oder unsere Lieblingssongs über Kopfhörer in der Bahn. Es ist etwas geworden, dass zu unserem Leben dazugehört und unsere Launen beeinflussen kann. Jeder Mensch hat heutzutage mindestens einen Song, mit dem er etwas verbindet, wie etwa ein großes Ereignis, eine bestimmte Situation oder eine Person. Und manchmal berühren uns Songs so sehr, dass sie uns Gänsehaut verursachen und sich förmlich in unser Gedächtnis brennen.

Alzheimer: Die Krankheit des Vergessens

Weltweit leben insgesamt 46,8 Millionen Menschen mit irgendeiner Form von Demenz, davon 31,2 Millionen Menschen mit der Alzheimer-Krankheit. Alzheimer ist eine Form von Demenz; eine Hirnkrankheit, die zu Gedächtnisverlust, Verwirrtheit und Desorientierung führt. Alzheimer ist bisher unheilbar und kann höchstens verlangsamt werden, mit Therapien und Medikamenten. Während des Krankheitsverlaufs schrumpft das Gehirn der Betroffenen und befällt nacheinander die verschiedenen Areale im Gehirn, sodass bei einer schweren Erkrankung teilweise sogar das Atmen vergessen werden kann.

Was hat das mit Musik zu tun?

Wenn wir einen Song hören, der uns tief berührt, können wir in einen Ekstase-ähnlichen Zustand gelangen, und dieser wird in einem bestimmten Hirnareal gespeichert. Verrückterweise ist genau das Areal, das diese Momente speichert, das einzige Hirnareal, das bei Alzheimer nicht angegriffen und zerstört wird. Somit hat das Hören von bestimmten Songs bei den getesteten Patienten eine erhöhte Hirnaktivität hervorgerufen. Diese Songs müssen natürlich eine Bedeutung für die Betroffenen haben oder mit einer Erinnerung verknüpft sein, um zu funktionieren.

Was bringt uns dieses Wissen?

Mithilfe dieser Informationen kann in Zukunft die Therapie und Betreuung von Menschen mit Demenz verändert und verbessert werden. Musik scheint mehr mit uns zu machen, als wir es für möglich halten. Die Studie muss allerdings fortgeführt werden, um zu verifizieren, dass Musik eine bewährte Hilfe bei der Therapie sein kann. In dieser Studie um Jeff Anderson aus Utah, USA, wurden bisher nur 17 Patienten untersucht, bei denen allerdings alle vermehrte Hirnaktivität gezeigt haben, wenn sie ihre Lieblingssongs gehört haben. Aufgrund dieses Ergebnisses ist es also nicht unwahrscheinlich, dass weiter um und über die Themen Demenz und Musik im Zusammenhang geforscht wird.

Weitere Nachrichten hört ihr in unserem News-Podcast: