Foto: Stefan Klaffehn/pixelio.de
So sieht die gemeine Stechmücke aus, die unter anderem im Mückenatlas kartiert werden soll.
Im Dienst der Wissenschaft rufen Forscher in Deutschland zur großen Mückenjagd auf, um einen Mückenatlas zu erstellen.
Normalerweise nerven sie uns einfach, wenn sie kurz vorm Einschlafen um die Ohren summen und uns nicht nur um den Schlaf sondern auch um den Verstand bringen. Stechmücken sind klein. Und leider auch gemein. Zumindest für den, der gestochen wird. Für Wissenschaftler aber sind sie ein spannendes Forschungsobjekt: Sie wollen jetzt einen sogenannten Mückenatlas zusammenstellen und bitten Sie, die ansonsten so lästigen Tierchen per Post zu schicken. Wie? Ja, Sie haben richtig gelesen und wir erklären Ihnen warum und wie.
Was besonders in nassfeuchten Sommern in Heerscharen herumsurrt und zusticht und uns juckende Erinnerungen hinterlässt, ist nicht nur ein lästiges Übel auf Badewiesen oder beim Grillabend. Es ist ein Forschungsobjekt: Stechmücke sei für Wissenschaftler nicht gleich Stechmücke, sagt Ina Pokorny vom Naturkundemuseum Potsdam. Um neue Arten in Deutschland aufzuspüren und zu bestimmen, wollen Forscher einen bundesweiten Mückenatlas zusammentragen. Fundstellen und Arten werden dabei auch online in eine Deutschlandkarte eingetragen. Und in Zeiten von Facebook und anderen interaktiven Mitmach-Portalen gibt's jetzt quasi die Mücke 2.0, denn Sie sind gefragt die kleinen Biester zu fangen, einzufrieren und an das Brandenburger Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung zu schicken. Das können Sie zum Beispiel auch bequem im Urlaub machen - mal eine etwas andere Urlaubskarte.
Im Zuge des Klimawandels überleben inzwischen auch Arten aus dem Mittelmeerraum in unseren Breiten. Wer zum Mückenatlas beitragen will, muss nur einige Regeln beachten: "Wir benötigen ausschließlich Stechmücken. Sie sollten nicht zerquetscht, sondern möglichst unversehrt gefangen werden", sagt Pokorny. Durch die Schuppen oder Borsten könnten Forscher die Arten genau identifizieren.
Und die Wissenschaftler liefern auch gleich die Tipps mit, wie die Mücken schadlos gefangen werden können. Mücken bleiben unversehrt, wenn sie zunächst in einem großen Einmachglas gefangen werden. "Wenn man das Glas dann eine Weile in den Kühlschrank stellt, kann man die Mücken hinterher leicht in ein kleineres Gefäß befördern", sagt Pokorny. Um das Tier endgültig zu töten, reiche eine Nacht im Gefrierfach.
Danach können sich Mückenjäger ein
Mücken-Formular aus dem Internet ausdrucken, ausfüllen und ihren Fund losschicken - adressiert an das Brandenburger Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (Eberswalder Straße 84, 15374 Müncheberg). Portokosten können die Wissenschaftler leider nicht erstatten. Sie bieten aber jedem Mückenjäger einen Service an: Wer im Formular eine E-Mail-Adresse angibt, bekommt die Art mitgeteilt, die er "erlegt" hat.
Für Mückenfänger in Potsdam und der näheren Umgebung gibt es einen Extra-Service. Sie können ihre Beute auch lebendig bei Pokorny im Naturkundemuseum abgeben - zum Beispiel im Einmachglas. Lebende Mücken werden in Potsdam bei minus 80 Grad eingefroren. Unter diesen Bedingungen können Forscher am Robert Koch-Institut das Tier später zusätzlich auch auf mögliche Viren oder Würmer untersuchen. "Wir brauchen außerdem möglichst detaillierte Informationen zur Fundstelle", sagt Pokorny, «Am besten sollte man den Stadtteil und den genauen Ort angeben - Keller oder Garten beispielsweise."
Bei dem Projekt könnten auch seltene oder bislang unentdeckte Mückenarten aufgespürt werden. 3.500 Arten sind bislang weltweit bekannt, 49 davon in Deutschland. Wie kommen sie hierher? "Insbesondere beim Transport von Waren werden manchmal versehentlich Mücken oder deren Larven importiert", sagt Julian Heiermann vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Einzelne Insekten könnten auch in Passagierflugzeugen nach Deutschland gelangen.
Und die Fundkarte zeigt bereits, dass in Niedersachsen schon fleißig auf Mücken-Jagd gegangen wurde und diese eingesendet wurden. Hamburg und Schleswig-Holstein sind dagegen noch etwas mückenmüde. Also los! Nicht mehr über die Mückenplage schimpfen sondern sammeln und abschicken. Sozusagen im Dienste der Wissenschaft.
Grund zur Beunruhigung gibt es allerdings nicht: Bisher wurden keine Fälle von Krankheiten diagnostiziert, die in Deutschland durch Stechmücken auf den Menschen übertragen wurden, heißt es in der Projektbeschreibung der Wissenschaftler - auch keine Malaria. Heftig jucken können Mückenstiche aber - egal, welche Art der Blutsauger nun zusticht. Oberstes Gebot: nicht kratzen. Erst dadurch kann es zu bakteriellen Infektionen kommen, die sich zu Entzündungen entwickeln können.
Aber nicht nur Mücken machen uns manchmal zu schaffen, auch andere Insekten können lästig sein und ihren Stachel ausfahren. Was Sie gegen Insektenstiche aller Art tun können, lesen Sie in unserem Service-Beitrag zum Thema Insekten:
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Vorsorge An erster Stelle steht: Bloß keine Panik! Wespen lassen sich gerade durch hektische Bewegungen und Anpusten provozieren, fühlen sich bedroht und stechen zu. Das in unserem Atem enthaltene Kohlendioxid ist für Wespen ein Alarmsignal und führt leider meist zum brennenden Stich. Experten raten, still sitzen zu bleiben und die Wespe höchstens durch eine seichte Handbewegung wegzuschieben. Wenn ein Insekt einem sehr nahe zu Leibe rückt und in die Kleidung schlüpft, heißt es ebenfalls ruhig bleiben und abwarten, bis die Wespe ihren Weg wieder hinaus findet. Kleidung ausziehen könnte die Wespe einklemmen und sie somit ebenso zur Wehr bringen. |
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(dpa/aba)