Es gibt neue Inhalte auf unserer Startseite - jetzt aktualisieren! [Schließen]
Radio Hamburg

Wie denkt ihr darüber?

Özil-Rücktritt mit Rassismus-Vorwürfen gegen DFB

Berlin, 23.07.2018
Mesut Özil

Mesut Özil verabschiedet sich mit Rassismus-Vorwürfen aus DFB-Elf.

Mit beispiellosen Rassismus-Vorwürfen gegen die DFB-Führung hat sich Mesut Özil aus der DFB-Elf verabschiedet. Was sagt ihr dazu?

Mesut Özils krachender Rücktritt aus der Nationalelf bringt die DFB-Spitze in Erklärungsnot und befeuert die heikle Debatte über Rassismus in Deutschland. Mit seinen scharfen Vorwürfen gegen Verbandschef Reinhard Grindel und angeblich fremdenfeindliche Funktionäre hinterließ der 29-Jährige dem Deutschen Fußball-Bund eine schwere Bürde für die weitere Aufarbeitung des WM-Scheiterns. Darüber hinaus dürfte durch Özils emotionale Abrechnung die Diskussion um die Bereitschaft der Deutschen zur Integration von Migranten und deren Nachkommen wieder neu entbrennen. Für seine Abrechnung erntete Özil harte Kritik, aber auch großes Lob - nicht zuletzt aus Ankara. Özils Entscheidung sei "für die Integrationsbemühungen in unserem Land über den Fußball hinaus ein schwerer Rückschlag", sagte der frühere DFB-Präsident Theo Zwanziger.

Özil postet Erklärung auf Social Media Kanälen

In einer dreiteiligen, über die sozialen Netzwerke verbreiteten Erklärung zu seinem Rückzug aus der DFB-Auswahl, mit der er 2014 in Brasilien Weltmeister geworden war, fragte Özil am Sonntag: "Ich wurde in Deutschland geboren und ausgebildet, also warum akzeptieren die Leute nicht, dass ich Deutscher bin?" Und weiter: "Gibt es Kriterien, ein vollwertiger Deutscher zu sein, die ich nicht erfülle? Meine Freunde Lukas Podolski und Miroslav Klose werden nie als Deutsch-Polen bezeichnet, also warum bin ich Deutsch-Türke? Ist es so, weil es die Türkei ist? Ist es so, weil ich ein Muslim bin?" Zuvor hatte der Spielmacher des FC Arsenal die umstrittenen Fotos mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, die die Affäre im Mai ausgelöst hatten, vehement gegen alle Kritik verteidigt.

Lob, aber auch viel Kritik

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz, nannte es "gut, dass sich Özil endlich erklärt". Trotz Özils türkischer Wurzeln, die er als zentralen Grund für die Einwilligung in das Treffen mit Erdogan nannte, müsse er sich als Nationalspieler aber auch Kritik gefallen lassen, wenn er sich für Wahlkampfzwecke hergebe. Dies dürfe jedoch nicht "in pauschale Abwertung von Spielern mit Migrationshintergrund umschlagen", betonte Widmann-Mauz.

Rassismus-Vorwürfe gegen DFB-Spitze

Özil hatte im Zorn über das Verhalten von DFB-Chef Grindel in der Erdogan-Affäre geschrieben: "In den Augen von Grindel und seinen Helfern bin ich Deutscher, wenn wir gewinnen, aber ein Immigrant, wenn wir verlieren." Er und seine Familie hätten hasserfüllte E-Mails und Drohanrufe erhalten, von Beleidigungen in den sozialen Netzwerken ganz zu schweigen, teilte der 92-malige Nationalspieler mit. Während sich der DFB zunächst nicht zu Özils Aussagen äußerte, warteten türkische Regierungspolitiker mit großem Lob auf. "Wir unterstützen die ehrenhafte Haltung unseres Bruders Mesut Özil von Herzen", erklärte Sportminister Mehmet Kasapoglu. Justizminister Abdulhamit Gül gratulierte dem gebürtigen Gelsenkirchener mit türkischen Wurzeln, weil dieser mit seinem Rücktritt das "schönste Tor gegen den faschistischen Virus geschossen" habe. Erdogans Sprecher Ibrahim Kalin begrüßte Özils Aussage, dass er den türkischen Präsidenten wieder treffen würde.

Wie reagiert der DFB?

Die Debatte um die Fotos mit Erdogan hatte die Nationalmannschaft bei ihrer Vorbereitung auf die WM und beim Turnier in Russland belastet. Ilkay Gündogan, der sich ebenfalls mit dem türkischen Staatschef getroffen und für Fotos posiert hatte, erklärte noch während des Trainingslagers, er habe keine politischen Absichten verfolgt. Özil indes schwieg wochenlang, ehe er sich am Sonntag mit seinen über mehrere Stunden verteilten Erklärungen zu Wort meldete. Darin bestritt auch er politische Absichten. Die Diskussion um den Mittelfeldspieler aber hatte schon länger die sportliche Dimension überschritten und mischte sich auch in die hitzige Asyldebatte. Auch die Verbandsspitze des DFB steht nun unter gehörigem Druck - insbesondere Präsident Grindel. "Ich werde nicht länger als Sündenbock dienen für seine Inkompetenz und seine Unfähigkeit, seinen Job ordentlich zu erledigen", kritisierte Özil den langjährigen CDU-Bundestagsabgeordneten.

Was denkt ihr über Özils Äußerungen? Schreibt uns!

Wie ist eure Meinung zu den Vorwürfen von Mesut Özil? Läuft beim DFB was falsch, hat Özil eine völlig falsche Sicht auf die Dinge? Verratet uns eure Meinung in den Kommentaren. Mehr zum Thema hört ihr übrigens auch im Radio Hamburg Nachrichten-Podcast. Einfach abbonnieren und jederzeit und an jedem Ort informiert sein.

Lest auch: Radio Hamburg Nachrichten: Aktuelle News als Podcast

Informiert zu jeder Zeit. Holt euch die Radio Hamburg jetzt als Podcast aufs Smartphone und Co.

(dpa / ste)

comments powered by Disqus