Radio Hamburg

Was ist wahr, was Unsinn?

Die größten Umwelt-Mythen

Hamburg, 29.04.2019
Begrünte Weltkugel in Kleinformat

Umweltschutz heißt: Jeder muss seinen Beitrag leisten. 

Der Klimawandel betrifft uns alle. Um dem entgegenzuwirken, sollte man auch umweltschonend handeln. Doch: Wie mache ich das eigentlich?

Muss ich ein schlechtes Gewissen haben, wenn ich viel Fleisch esse? Viel mit der Hand abwasche, Veganer bin? Wer ein reines grünes Gewissen haben will, hat einige Herausforderungen zu meistern, denn rund ums Thema Umweltschutz gibt es so einige Mythen. Weiß man allerdings, wie man sich korrekt verhält, vermeidet man nicht nur Fettnäpfchen, man kann auch wirklich Energie sparen. Welcher großer Mythos wahr ist, und welcher falsch, seht ihr hier! 

Mythos 1: Der Abwasch von Hand ist viel umweltfreundlicher als der mit der Geschirrspülmaschine

Falsch. Eine vollgeräumte Spülmaschine benötigt ca. 15 l Wasser pro Spülgang und eine gute Kilowattstunde. Bei gleichzeitiger Spülung mit Hand würde man doppelt so viel Wasser benötigen und knapp 30 % mehr Energie.

Tipp: Hier kann man die bequeme Reinigungs-Variante ohne Vorwäsche nutzen.

Mythos 2: Glasflaschen sind umweltfreundlicher als Kunststoffflaschen. 

Das stimmt, aber nur teilweise. Wichtiger ist die Unterscheidung in Einweg- und Mehrwegflaschen. Zwar können Glasflaschen bis zu 50-mal wiederbefüllt werden, im direkten CO2-Vergleich verlieren sie allerdings gegen die PET-Mehrwegflasche.
Pluspunkt für die Glasflasche: Wenn die PET-Flasche nicht wiederverwertet wird, ist sie eine größere Belastung für die Umwelt als Glasflaschen.

Tipp: Die beste Umweltbilanz hat immer noch Leitungswasser.

Mythos 3: Papiertüten sind umweltschonender als Plastikbeutel 

Falsch. Keine Frage: Plastik ist einer der größten Umweltsünder der Gegenwart. Doch obwohl ein Papierbeutel nur 60 Gramm CO2 bei der Herstellung verbraucht und das viel weniger ist als bspw. ein Jutebeutel mit 1,7 Kilogramm, müssen für reißfeste Papiertaschen lange Fasern erst chemisch behandelt werden. Das heißt: Papiertüten verbrauchen bei der Herstellung doppelt so viel Energie wie Plastikbeutel. Auch die Haltbarkeit von Papiertüten ist in der Regel geringer.

Tipp: Wer auf Nummer sicher gehen will, greift also am besten zum Jute-Beutel oder einen klassischen Einkaufskorb.

Mythos 4: Kurzprogramme an Waschmaschinen sparen keine Energie 

Das ist richtig. Kurzprogramme dienen nämlich nicht der Energieersparnis, sie dienen lediglich der Zeitersparnis. Ein Kurz-Waschgang bei 60 Grad braucht 1,27 Kilowattstunden, bei 30 Grad sind es 0,4 Kilowattstunden.

Tipp: Auf das Kurzprogramm verzichten und gelegentlich auch mal das Koch-Waschprogramm nutzen, da ansonsten die Schläuche verkalken und sich Schmutz ablagert. Ansonsten haben moderne Maschinen auch Öko-Programme.

Mythos 5: Obst aus der Region sollte man immer den Vorzug geben 

Nicht unbedingt. Gerade in kalten Monaten schneidet heimisches Obst nicht immer besser ab. Denn: Obst aus der Region sollte man nur dann kaufen, wenn es nicht in Kühlhäusern gelagert wird. Denn: Die Kohlendioxid-Belastung beim Transport von Ware aus Übersee ist geringer als die energieintensive Lagerung von heimischen Obst in Lagerhäuser plus anschließendem Transport.

Tipp: Obst und Gemüse immer saisonal einkaufen.

Mythos 6: Durch hohen Verzehr von Soja-Produkten wird der Regenwald zerstört 

Das ist Unsinn. Da für viele Länder die Landwirtschaft ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist, braucht der Soja-Anbau Platz. Hierfür wird eine Menge gerodet - auch Regenwälder. Doch: Der Mensch verzehrt nur zwei Prozent des weltweit produzierten Soja-Bohnen. Die restlichen 98 % werden als Tierfutter verarbeitet und dienen deswegen als Nahrungsquelle für Geflügel, Schweine etc. Der wahre Klimakiller ist deshalb nicht das Soja-Produkt, sondern rotes Fleisch bzw. die immer stärker werdende Nachfrage danach. 

Tipp: Einfach mal auf Fleisch verzichten.