Radio Hamburg

Coronakrise: Eure Fragen - Der Bürgermeister antwortet

Peter Tschentscher beantwortet eure Fragen zur Coronakrise

Hamburg, 26.03.2020
Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher

Bereits zum zweiten Mal hat Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher am Donnerstagmorgen (26.03.) eure Fragen zur Coronakrise beantwortet. Hört euch hier das Interview noch einmal an.

Es ist unser Anliegen in dieser schwierigen, verwirrenden und manchmal auch wenig Hoffnung machenden Zeit an eurer Seite zu stehen und euch bestmöglich mit Informationen und Unterhaltung zu versorgen. Aus diesem Grund hat Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher bereits zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage eure drängendsten Fragen rund um die Coronapandemie beantwortet. 

Peter Tschentscher im Interview

Zwischen 9 und 10 Uhr hat Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher in der Radio Hamburg Morningshow eine Stunde lang am Telefon die Fragen beantwortet, die euch auf dem Herzen liegen. "Darf ich als Fußpfleger noch arbeiten?, "Wann werden die Kontaktverbote wieder gelockert?" oder "Wie kommt man an die Hilfen für Selbstständige?". Viele Fragen, viele Antworten und hoffentlich damit auch etwas Klarheit in diesen unsicheren Zeiten.

Interview zum Nachhören

Das gesamte Interview mit Peter Tschentscher hört ihr jetzt ungeschnitten und in voller Länge direkt hier:

Peter Tschentscher im Radio Hamburg Interview

Sollte die Wiedergabe bei euch auch technischen Gründen nicht funktionieren, findet ihr das Interview auch in unserem Nachrichtenpodcast.

Die wichtigsten Aussagen von Peter Tschentscher zur Coronakrise

1. Mein aktuelles Fazit: Die Regeln werden zur Ausgangsbeschränkung werden weitgehend eingehalten. Es haben sich viele Menschen darauf eingestellt.  Unnötige Fahrten mit dem Auto sollten vermieden werden.





2. Das öffentliche Leben muss natürlich aufrecht erhalten werden, aber die Kontrolle des Parkens im öffentlichen Raum ist meiner Ansicht nach nicht zwingend notwendig. Ich werde mich zudem erkundigen ob der Ordnungsdienst immer noch in 2er Teams unterwegs ist.





3. Für Familien mit Pubertierenden und Familien in Krisensituationen gibt es Hilfsangebote über Telefon-Hotlines zum Beispiel bei der Diakonie oder der Caritas. Für Senioren richten wir am kommenden Montag eine Hotline ein. Ansonsten sollten Familien vielleicht einfach mal eine Stunde an der frischen Luft spazieren gehen, damit sich Konflikte abbauen.





4. In Europa haben wir das Problem, dass jeder an sich selber denkt. Wir sehen das zum Beispiel bei der Bestellung von Schutzkleidung und anderen Hilfsmitteln. Dabei ist es so wichtig, dass die Warenströme und die Logistik weiter aufrecht erhalten bleiben. Der Personenverkehr dagegen muss eingeschränkt bleiben.





5. Bei der Rückkehr von Reisenden werden die sogenannten Aussteige-Karten im Flugzeug verteilt, nicht im Flughafengebäude bei der Ankunft. Man kann also nicht vom Augenschein darauf schließen, ob jemand so eine Karte ausgefüllt hat oder nicht. Diese Regelung wird von den zuständigen Bundesstellen durchgeführt. Wichtig ist auf jeden Fall, dass alle Heimkehrer sich nach der Ankunft zwei Wochen in häusliche Isolation begeben. 





6. Zum Schutz der Busfahrer ist der Einstieg vorne ja schon seit zwei Wochen nicht mehr möglich. Zudem lassen wir die Busse und Bahnen im HVV mit einer guten Taktung weiterfahren, damit Platz ist und die Fahrgäste die erforderlichen Abstände zueinander einhalten können. Der Fahrplan bei uns in der Stadt ist also bewusst nicht ausgedünnt wie zum Beispiel bei der Deutschen Bahn. Der HVV meldet dazu ergänzend: Wenn man keine Möglichkeit hat, sich vor Fahrtantritt ein Ticket über die App oder einen Fahrkartenautomaten zu besorgen, soll man danach ein Ticket kaufen. Grundsätzlich gilt, dass ein Fahrschein gelöst werden muss. 





7. Ich spreche erstmal ein Danke an alle diejenigen aus, die jetzt besonders durchhalten und zur Versorgung aller beitragen. Bundesminister Olaf Scholz hat schon einen Vorschlag für einen möglichen Bonus gemacht, das muss aber noch weiter besprochen werden, damit so etwas auch bei den Richtigen ankommt. Wir haben da bislang noch keine Lösung für gefunden.





8. Für besonders betroffene Branchen wie zum Beispiel auch die Prostitution, haben wir die Beantragung von Grundsicherung verbessert. Wir sorgen dafür, dass man den Antrag einfacher stellen kann. Alle, die es betrifft können diese Grundsicherung in Anspruch nehmen.





9. Leider habe ich spontan auch keine Lösung dafür, wie LKW-Fahrer ihre Körperhygiene durchführen können, da alle Restaurants und Autobahn-Raststätten geschlossen sind. Wir müssen irgendwie kreative Lösungen finden. Das ist das Problem: Wenn man solche strengen Regeln wie die Ausgangsbeschränkungen auflegt, ergeben sich an anderer Stelle Probleme mit denen man nicht gerechnet hat. Es ist aber unser Anliegen, dass wir die Grundfunktionen aufrecht erhalten und die Versorgung der Bevölkerung gewährleisten.





10. Grundsätzlich sollte man Home Office nutzen wenn das geht. Der Radio Hamburg-Hörer, der bei seinem städtischen Arbeitgeber nicht ins Home Office kann weil nicht genügend Laptops vorhanden sind, soll mir bitte über Radio Hamburg eine Email schreiben. Wir versuchen das zu lösen. 





11. Wenn zum Beispiel in einer Notbetreuung für Kinder die Schutzkleidung, insbesondere die Mundmasken, fehlen, soll der Träger der Einrichtung sich an die zuständige Sozialbehörde wenden. Leider treten viele Probleme gleichzeitig auf und unter anderem ist zum Beispiel eine bestellte Lieferung an Schutzkleidung nicht gekommen.





12. Wer jetzt noch im Ausland festsitzt und nicht weiß, wie er zurück kommt muss sich an die Deutsche Botschaft wenden. Wir versuchen alles, um Menschen nach Deutschland zurück zu holen. Insgesamt haben wir schon 150.000 Menschen zurück geholt. Wenn es um Hamburgerinnen und Hamburger geht sind wir auf jeden Fall ansprechbar.





13.  Am morgigen Freitag besprechen wir im Bundesrat wie wir mit den entstehenden Kosten für diese Krise umgehen. Unser Hilfsprogramm soll denen zugute kommen, die am meisten betroffen sind und wenig bis keine Reserven haben. In Hamburg haben wir ja auch ein eigenes Schutzschirmprogramm beschlossen, mit dem wir die Leistungen vom Bund aufgestockt haben.





14. Die ordnungsgemäße Abhaltung der Abiturprüfungen ist besonders für die Abiturienten wichtig, für ihre berufliche Zukunft. Ich möchte nicht, dass ein Hamburger Abitur später nicht anerkannt wird, weil es nicht unter den normalen Bedingungen stattgefunden hat. Wir können sicherstellen, dass die Prüfungssituation so ausgestaltet wird, dass die Abstände zwischen den Schülern eingehalten werden. Dadurch dass alle anderen Schüler ja nicht in der Schule sind, haben wir den entsprechenden Platz. 





15. Fußpfleger dürfen Behandlungen, die medizinisch notwendig sind, weit ausführen. Wichtig ist, dass auf den Selbstschutz also z.B. Mundschutz und Handschuhe und gründliche Desinfektion geachtet wird.





16. Es ist genau das Problem, dass wir nicht wissen, wann die Nachteile der Ausgangsbeschränkungen die derzeitigen Vorteile nämlich die Unterbrechung der Infektionsketten überwiegen. Wir müssen sehen, wie sich die Situation weiter entwickelt und dann entscheiden. 





17. Wir wollen unbedingt eine Überlastung des Gesundheitssystems wie in Italien oder Spanien vermeiden. Wir wollen, dass alle, auch z.B. diejenigen mit einem Herzinfarkt, gut behandelt werden. Wir stärken die Krankenhäuser, indem wir zum Beispiel nicht dringend notwendige Behandlungen und OPs verschieben.





18. Ich bedanke mich für die erneute Einladung zum Interview bei Radio Hamburg. Sendungen wie diese sind wichtig, denn nur gemeinsam schaffen wir den Kampf gegen Corona.





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