Radio Hamburg

Schon über 215.000 Kranke

Grippewelle überrollt Norddeutschland

Stralsund/Greifswald, 16.03.2018
Grippe, Krank, Krankheit, Schnupfen, Erkältung

Laut Experten könnte die diesjährige Grippewelle die schlimmste der letzten 10 Jahre werden.

Die Zahl der in Deutschland an Grippe erkrankten Menschen nimmt von Woche zu Woche weiter zu. Besonders im Norden sorgt die Krankheitswelle für Einschränkungen.

Ausgedünnte Verwaltungen, Kliniken an der Kapazitätsgrenze: Die weiter anhaltende Grippewelle sorgt an vielen Stellen für Engpässe. In der zehnten Kalenderwoche lag die Zahl bestätigter, an das Robert Koch-Institut (RKI) übermittelter Fälle bei knapp 46.400. In der Woche zuvor hatte die Arbeitsgemeinschaft Influenza rund 42.400 Fälle gemeldet. Insgesamt sind in dieser Saison bereits mehr als 215.500 Menschen nachweislich an Grippe erkrankt. Die tatsächliche Zahl liegt deutlich höher, weil nicht von jedem Patienten Erregerproben analysiert werden.

Lokführer und Busfahrer krank: Ausfälle im ÖPNV

In Nordrhein-Westfalen führte die Grippewelle zu Bus- und Bahnausfällen. Auf dem Höhepunkt seien bis zu 200 der rund 1.500 Fahrer in Düsseldorf krank gemeldet gewesen, sagte ein Sprecher der Rheinbahn. Vereinzelt hätten Fahrten gestrichen werden müssen. Die Krankenquote nehme derzeit wieder ab. Auch in Köln, Dortmund und Essen fielen Fahrten aus. Der Krankenstand bei den Dortmunder Fahrern sei in den vergangenen Wochen durch die Grippe- und Erkältungswelle annähernd doppelt so hoch gewesen wie üblich, sagte eine Sprecherin der Stadtwerke.

Auch der Verkehrsbetrieb Potsdam (ViP) erklärte, es könne zu Ausfällen bei Bussen und Straßenbahnen kommen. Die hohe Zahl erkrankter Mitarbeiter stelle "organisatorisch vor erhebliche Herausforderungen". Es würden bereits Mitarbeiter aus der Verwaltung und Werkstatt, die über entsprechende Führerscheine verfügen, im Fahrdienst eingesetzt.

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Probleme in Kliniken, Gerichten und der Verwaltung

Mehrere Dutzend an Grippe erkrankte Mitarbeiter beeinträchtigten die Arbeit am Amtsgericht Cottbus. In mehreren Abteilungen sei die Situation "mehr als schwierig", so Gerichtssprecher Michael Höhr. Für Besucher und Anrufer könne es in den kommenden zwei Wochen zu erheblichen Verzögerungen kommen.  In Greifswald blieb das Stadtarchiv am Freitag wegen Krankheit geschlossen. Über die Notaufnahme der Universitätsmedizin der Stadt kommen nach Angaben der Einrichtung derzeit sehr viele grippegeschwächte Patienten oder Erkrankte mit grippalen Infekten ins Klinikum. "Die Universitätsmedizin kommt an ihre Kapazitätsgrenze", sagte der Direktor der Klinik für Innere Medizin, Professor Stefan Felix. In der Stadtverwaltung in Stralsund sind nach Angaben eines Sprechers etwa elf Prozent der Mitarbeiter krank. In Ämtern könne es zu längeren Wartezeiten kommen.

Schlimmste Grippewelle der letzten Jahre?

Die Zahl der gemeldeten Influenza-Erkrankungen in Mecklenburg-Vorpommern steigt nach Angaben des Landesamts für Gesundheit und Soziales (Lagus) kontinuierlich an. "Die Meldedaten deuten auf eine der schwersten und langwierigsten Grippewellen seit zehn Jahren hin", sagte Lagus-Chef Heiko Will in Rostock. In einigen Schulen mussten bereits Klassen zusammengelegt werden, weil viele Lehrer krank sind, hieß es aus dem Bildungsministerium in Schwerin. In Schleswig-Holstein bringt die Erkrankungswelle Krankenhäuser zunehmend in Bedrängnis. Wegen der vielen Patienten und kranken Mitarbeiter nahm die Imland-Klinik in Rendsburg zunächst nur noch absolute Notfälle auf, einige Operationssäle wurden geschlossen. Andere Kliniken haben nach Angaben des Gesundheitsministeriums ähnliche Maßnahmen eingeleitet. Am Friedrich-Ebert-Krankenhaus (FEK) in Neumünster wurden vier von acht Operationssälen geschlossen und 50 Prozent der planbaren Operationen verschoben.

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(dpa/san)