Radio Hamburg

Mobile World Congress in Barcelona

Neues von Apple, Samsung und Co.

Barcelona, 27.02.2018
Samsung S9 und S9+

In Barcelona wurde auch das neue Samsung S9 und S9+ vorgestellt.

Intelligente Assistenten und schneller 5G-Datenfunk stehen im Mittelpunkt der Mobilfunk-Messe MWC in Barcelona und es soll drei neue Apple Handys geben.

Die Mobilfunk-Branche sieht sich nach wie vor im Wettbewerb mit Internet-Firmen benachteiligt und fordert eine Lockerung der Regulierung. Telefónica-Chef José María Álvarez-Pallete sagte beim Branchentreff Mobile World Congress in Barcelona, die Politik müsse den Beitrag der Netzbetreiber zur europäischen Zukunft anerkennen und ihnen unter anderem bei Einschränkungen im Umgang mit Daten entgegenkommen. Für einen effizienten Ausbau des künftigen superschnellen 5G Datenfunks bräuchten Mobilfunk-Firmen Frequenz-Lizenzen auf 25 Jahre, es sei aber unwahrscheinlich, dass sie diese bekämen, kritisierte Vodafone-Chef Vittorio Colao.

5G-Netz im Hamburger Hafen testen

Die Deutsche Telekom sieht sich auf gutem Weg, bis 2020 das schnelle Mobilfunknetz 5G flächendeckend anzubieten. «Wichtig ist es bis dahin, möglichst viel Erfahrung gemeinsam mit Partnern aus unterschiedlichen Branchen zu sammeln», sagte Telekom-Managerin Claudia Nemat in Barcelona. «Wir befinden uns mitten in der größten Netzwerk-Umgestaltung in der Geschichte.»  Das neue Mobilfunknetz soll künftig auch als Basis für das Internet der Dinge dienen und neue Services in vernetzten Städten wie etwa intelligentes Energiemanagement bieten. Das testet die Telekom derzeit in Dresden. Im Stadtteil Johannstadt baut das Unternehmen aktuell ein 5G-Testfeld auf, in dem Energie künftig dezentral erzeugt und intelligent gesteuert werden soll. Bisher seien die Netze zu «dumm» dafür gewesen, sagte Nemat. Seit Anfang Februar testet die Telekom auch ein 5G-Netz im Hamburger Hafen.

Konkurrenz für Siri und Alexa -Neue digitale Sprachassistenten

5G ist ein zentrales Thema der weltweit wichtigsten Mobilfunk-Messe, die am Montag offiziell begann. Außerdem spielt in diesem Jahr künstliche Intelligenz eine wichtige Rolle - mehrere Smartphone-Anbieter kündigten eigene digitale Assistenten an, die mit heutigen Platzhirschen wie Apples Siri, Amazons Alexa und dem Google Assistant konkurrieren sollen. Für Hardware-Hersteller wie Samsung oder LG ist das eine strategische Entscheidung, um in Zukunft weniger von den großen Plattformen abhängig zu sein. Zugleich braucht es viel Rechenleistung und Daten, um die smarten Assistenten anzulernen, so dass Google und Co. einen Vorteil haben könnten.

Facebook kooperiert bei seiner Initiative, Milliarden neue Nutzer ins Internet zu bringen, nun stärker mit den Mobilfunk-Anbietern. Dabei tritt das weltgrößte Online-Netzwerk als Technologie-Lieferant auf. In zwei Feldversuchen soll Facebooks «Terragraph»-Technologie für schnelle Datenübertragung in dicht besiedelten Stadtgebieten im Alltag ausprobiert werden. Einen davon führt die Deutsche Telekom in der ungarischen Hauptstadt Budapest durch. Die Technologie könne bei vielen neuen Anwendungen wie der Vernetzung von Fahrzeugen helfen, sagte Telekom-Manager Alex Jinsung Choi in Barcelona. Facebook-Manager Jay Parikh betonte zugleich, das Online-Netzwerk halte an seinem Ziel fest, Menschen ohne Internet-Anschluss ins Netz zu bringen. Der Konzern betreibt seine Initiative dafür bereits seit Jahren, stieß jedoch am Anfang trotz der Auftritte von Facebook-Chef Mark Zuckerberg in Barcelona auf Skepsis der Netzbetreiber. Diesmal trat Parikh demonstrativ mit fünf Managern von Mobilfunk-Konzernen wie Vodafone und Telefónica auf.

Drei neue Apple-Smartphones

Unterdessen gibt es Hinweise darauf, dass Apple ein iPhone mit deutlich größerem Bildschirm auf den Markt bringen will, verdichten sich. Für die nächste Aktualisierung der Modellpalette im Herbst sei ein Gerät mit 6,5 Zoll Bildschirmdiagonale geplant, schrieb der Finanzdienst Bloomberg am Montagabend unter Berufung auf informierte Personen. Dazu solle es ein neues Modell in der Größe des aktuellen Flaggschiffs iPhone X geben, sowie ein günstigeres Telefon mit einigen innovativen Funktionen der teureren Geräte wie der Gesichtserkennung.

Apple führe gerade Produktionstests mit Zulieferern durch, hieß es. Zugleich schränkte Bloomberg ein, dass sich die Pläne noch ändern könnten. Einer der Autoren des Berichts ist Mark Gurman, der schon vor seinem Job bei Bloomberg als Blogger frühzeitig diverse Apple-Neuheiten enthüllen konnte. Apple kommentiert solche Berichte grundsätzlich nicht.

Das Gehäuse des größten neuen iPhone-Modells mit 6,5-Zoll-Bildschirm werde in etwa die Abmessungen des heutigen iPhone 8 Plus haben - aber das Display praktisch die gesamte Frontseite ausfüllen. Darauf werde man auch zwei Apps nebeneinander laufen lassen können, wie heute auf einem iPad-Tablet. Das iPhone X hat einen 5,8 Zoll großen Bildschirm. Der ebenfalls für gute Quellen bekannte Branchenanalyst Ming-Chi Kuo von KGI Securities hatte bereits im Januar geschrieben, Apple plane neben einer aktualisierten Auflage des iPhone X auch ein größeres iPhone X Plus sowie ein günstigeres Telefon mit einem 6,1 Zoll großen LCD-Bildschirm statt der kostspieligeren OLED-Displays.

Apple habe in den neuen Modellen auch eine umprogrammierbare eingebaute E-SIM statt der üblichen Einsteck-Karten verwenden wollen, schrieb Bloomberg. Aber einige Netzbetreiber sperrten sich dagegen und Apple brauche ihre Unterstützung, hieß es. In einigen Regionen könne das größere Modell stattdessen mit zwei SIM-Kartenslots kommen. Seit Monaten wird spekuliert, wie gut sich das mehr als 1000 Euro teure iPhone X auf Dauer verkauft. Apple nennt keine Verkaufszahlen für einzelne Modelle. Ein Sprung beim durchschnittlichen iPhone-Preis im Weihnachtsquartal spricht zwar für einen hohen Anteil des iPhone X im Produktmix - doch wird für das aktuelle Vierteljahr mit einem deutlichen Rückgang gerechnet. Das günstigere iPhone 8 sieht unterdessen immer noch genauso aus wie die 6er-Reihe aus dem Jahr 2014. Damit solle in diesem Jahr Schluss sein und auch das preiswertere neue Modell werde das Design des iPhone X bekommen, schrieb Bloomberg. Es werde aber einen Rahmen aus Aluminium statt des Edelstahls der teureren Versionen haben.

Samsung stellt S9 und S9+ vor

Samsung will seine Spitzenposition im hart umkämpften Smartphone-Markt mit zwei neuen Flaggschiff-Modellen untermauern. Es sei die «perfekte Zeit», mit dem Galaxy S9 und dem S9+ eine neue Benutzererfahrung zu liefern, sagte DJ Koh, Mobil-Chef von Samsung, im Gespräch mit der dpa. Samsung habe seinen Kunden zugehört und in der Entwicklung den Fokus auf aktuelle Trends gelegt.

Heute stehe längst nicht mehr das Telefongespräch, sondern die Kommunikation mit Bildern und Videos im Vordergrund. "Die Social-Media-Generation hat uns motiviert, die Kameratechnologie in den Mittelpunkt zu stellen», sagte Koh auf dem Mobile World Congress in Barcelona. "Das Video wird zur neuen Sprache für die Selbstdarstellung."

Auf dem wichtigsten Treffen der Mobilfunkindustrie präsentieren traditionell die führenden Smartphone-Hersteller ihre neuesten Modelle. Marktführer Samsung machte mit seinen beiden neuen Flaggschiff-Modellen den Aufschlag.

Selbst bei nächtlichen Lichtverhältnissen soll die Kamera des Galaxy S9+ noch detailreiche Bilder aufnehmen können. Für eine noch persönlichere Kommunikation erstellt das Smartphone zudem aus einem Selfie oder einer Videoaufnahme ein animiertes AR-Emoji und wandelt die individuellen Gesichtszüge in ein 3D-Modell um, das verschiedene Stimmungsausdrücke widerspiegelt. In Kooperation mit Disney stehen S9-Nutzern dafür auch Figuren aus dem Animations-Film «Die Unglaublichen» sowie Klassiker wie Micky Maus zur Verfügung.

Die persönlichen Emojis lassen sich im GIF-Format auch auf allen gängigen Plattformen teilen. Offene Plattformen gehörten zum Kern der Samsung-Philosophie, so Koh. Eine «Super-Slow-Motion-Videofunktion» erkennt schnelle Bewegungen und nimmt Sequenzen eines Videos in besonders verlangsamter Zeitlupe auf. Dank automatischer Bewegungserkennung beginnt die Aufzeichnung punktgenau dann, wenn der Sensor eine Bewegung im vordefinierten Bereich erfasst hat.

Den Marktforschern von Gartner zufolge ist der Smartphone-Markt zuletzt erstmals rückläufig gewesen. Auch für traditionsreiche Anbieter wird das Umfeld rauer. Viele Menschen geben zwar viel Geld für neue leistungsfähige Geräte aus, nutzen diese allerdings auch länger als früher. 

Und sonst noch...

Skurriles gibt es natürlich auch, wie die App, die euch zeigt, dass du zu warme Nasennebenhöhlen hast und vielleicht eine Entzündung und/oder Grippe ins Haus steht.

Ein für die Mobilfunk-Branche wichtige Entwicklung spielte sich unterdessen weit weg von Barcelona an der US-Westküste ab. Der Chipkonzern Qualcomm, von dem die Funkmodems und Prozessoren vieler Smartphones kommen, zeigte am Montag Bereitschaft, über eine Übernahme durch den Rivalen Broadcom zu reden. Zugleich findet Qualcomm den von Broadcom gebotenen Preis nach wie vor zu niedrig und eine Fusion regulatorisch zu riskant. Mit einem Gesamtwert von über 140 Milliarden Dollar wäre es nicht nur die bisher teuerste Tech-Übernahme. Durch einen Deal würde auch ein Super-Zulieferer für die Smartphone-Hersteller entstehen, der sie stärker unter Druck setzen könnte.

(dpa/aba)