Radio Hamburg

Tabuisierung soll enden

Plakatkampagne gegen Gewalt an Frauen

Hamburg, 21.11.2017
Opferschutz, aus-weg.de, Anti-Gewalt-Kampagne

Opfer häuslicher Gewalt empfinden oft Scham und Schuld. Doch mit der Kampagne aus-weg.de sollen Frauen häusliche Gewalt nicht mehr als Tabuthema empfinden. 

Am 25. November 2017 ist der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen. Aus diesem Anlass startet der Senat die erste Ermutigungskampagne Deutschlands. Drei Frauen erzählen ihre Geschichte und machen Betroffenen Mut, den Ausweg aus einer gewalttätigen Partnerschaft zu gehen. Die Aktionsseite ist unter www.aus-weg.de abrufbar.

Bekanntes Problem - immer noch Tabuthema

Laut Bundeskriminalstatistik waren im Jahr 2015 rund 127.400 Menschen von Partnerschaftsgewalt betroffen. 82 Prozent davon waren Frauen. Erfasst werden angezeigte Straftaten wie Mord / Totschlag, Körperverletzung, Missbrauch, sexuelle Nötigung, Bedrohung und Stalking. Gewalt in Partnerschaften gibt es in der gesamten Gesellschaft. Das Problem ist bekannt, wird aber nach wie vor in der Gesellschaft als Tabu behandelt. Die diesjährige Opferschutzkampagne geht deshalb einen neuen Weg. Senatorin Melanie Leonhard: „Die Kampagne aus/weg stellt Frauen in den Mittelpunkt, die einen Weg aus der Gewalt gefunden haben. Sie ist eine Mut-Mach-Kampagne, denn es gibt einen Ausweg aus Partnerschaftsgewalt. Gleichwohl fällt es betroffenen Frauen schwer, ihn zu gehen – das bestätigen Betroffene immer wieder. Wir wollen Frauen ermutigen, den Ausweg zu nehmen und ein gewaltfreies Leben zu führen.“

Drei mutige Frauen zeigen sich in der Öffentlichkeit und sagen, warum und wie sie den Ausweg genommen haben. Sie ermutigen andere Betroffene auf Plakaten in Stadtinformationsanlagen, Infoscreens in U- und S-Bahnhöfen sowie in sozialen Netzwerken.
Annette: „Ich bin gegangen, weil ich meine Würde zurück wollte.“
Felicitas: „Ich bin gegangen, weil ich wieder ich selbst sein wollte.“
Martina: „Ich bin gegangen, weil ich wieder Freude spüren wollte."

Auflösung der Tabuisierung

„Viele Betroffene empfinden Scham und Schuld, wenn sie sich aus gewalttätigen Partnerschaften lösen“, sagt Senatorin Melanie Leonhard. „Wir müssen uns dem als Gesellschaft stellen und Frauen Mut machen, Hilfen anzunehmen.“ Beim Senatsempfang aus Anlass des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen am kommenden Donnerstag, 23. November 2017, 15.00 Uhr, Rathaus – Kaisersaal, wird sich deshalb ein Townhall-Meeting mit der Tabuisierung von Partnerschaftsgewalt in der Gesellschaft beschäftigen. Erwartet werden rund 130 haupt- und ehrenamtlich Engagierte der Beratungsszene – und zwei der drei mutigen Frauen der aus/weg-Kampagne.

Die aus/weg-Kampagne wurde von der Hamburger Agentur polycore konzipiert und basiert auf einem Workshop u.a. mit Mitarbeiterinnen des Hamburger Beratungsnetzwerkes. Teil der Kampagne war in der ersten Phase so genanntes Adbusting. Zum ersten Mal in Deutschland hat eine Regierungsbehörde diese Art der Aufmerksamkeit gewählt und das bekannte Werbemotiv der Online-Partnervermittlung von Parship gekapert. Das Unternehmen wurde zuvor über das Adbusting informiert.

Das Bundeshilfetelefon 08000 116016 wurde 2016 insgesamt rund 81.800 Mal kontaktiert; in 34.400 Fällen fand eine Beratung statt. In 3.200 Fällen war eine Krisenintervention erforderlich. 1.641 Frauen haben im Jahr 2016 Zuflucht in den Hamburger Frauenhäusern gefunden.