Radio Hamburg

Fridays for Future

"Point of No Return": Frank Thelen über das Umweltproblem

Hamburg, 30.09.2019
Frank Thelen

Frank Thelen ist Gründer und Unternehmer.

Jeden Freitag gehen die Menschen für den Klimaschutz auf die Straße. Unternehmer Frank Thelen spricht über seine Ansichten zum Umweltproblem.

Das Umwelt-Thema ist zur Zeit in aller Munde. Jeden Freitag gehen die Menschen auf die Straßen und demonstrieren für den Klimaschutz. Unternehmer Frank Thelen, unter anderem bekannt aus der TV Sendung "Höhle der Löwen", hat die Bewegung dazu gebracht, seine Ansicht auf das Umweltproblem zu ändern und investierte sein Kapital in grüne Technologien.

Radio Hamburg hat mit Frank Thelen über seine Ansichten gesprochen.

"Der Point of No Return" kommt

Du hast dich mit Fridays for Future beschäftigt. Wie denkst du derzeit?

Frank: " Mir war das Thema Umwelt schon immer wichtig und ich habe auch schon in grüne Technologien investiert. Was mir nicht klar war, ist, wie brisant die Lage ist. Ich hab mich in den letzten Wochen nochmal tiefer eingearbeitet und durfte auch mit vielen Experten sprechen und man muss einfach wirklich sagen, wenn wir die Emissionen nicht sehr kurzfristig - drastisch reduzieren, dann scheint es wirklich so zu sein, dass wir in ein so großes Problem laufen, dass wir nie wieder umkehren können und damit wirklich den Planeten für uns zerstören"

Du sprichst vom "Point of No Return" in sieben Jahren.

Frank: " Das ist was alle Wissenschaftler sagen. Er kann sogar noch früher sein, er kann auch etwas später sein. Das Problem ist, Politiker handeln jetzt so: Ja, dann führen wir in vier Jahren mal einen bisschen höheren Spritpreis ein . Und das ist leider gar nicht mehr das Thema. Ich selber würde mir auch gerne viel mehr Zeit lassen und viel mehr nachdenken. Aber wir haben so lange gepennt, dass wir nun wirklich drastisch und progressiv handeln müssen."

Du bist der Meinung, wir brauchen eine CO-2-Steuer, die schmerzt. Aber was schlägst du als effektivste Lösung genau vor?

Frank: "Erstmal müssen wir uns einig sein, dass es diese sieben, acht, neun, zehn Jahre gibt. Und das heißt, das alle sagen: Es ist jetzt wirklich Zeit progressiv zu handeln und nicht ja, wir haben noch ein bisschen Zeit . Wenn wir das tun, dann gibt es nur eins und zwar: Wir müssen aufhören fossile Brennstoffe zu verbrennen zur Stromgewinnung für Autos. Wir müssen weniger Fleisch konsumieren - und Kernkraft! Ich weiß, es ist kein beliebtes Thema. Aber es gibt moderne Kernkraft, zum Beispiel von Bill Gates entwickelt, die sehr viel sicherer ist und sogar Atommüll zu 100 Prozent verwendet. Diese moderne Kernkraft stößt kein CO-2 aus. Also wir müssen auch offen sein, Technologien noch einmal neu zu betrachten, denn eins ist klar: Wenn wir weiter so viel Emissionen verursachen, dann ist es nach allem Stand der Wissenschaft für uns auf diesem Planeten vorbei."

Was schlägst du sonst noch vor, auch in Bezug auf E-Mobilität?

Frank: " E-Mobilität ist aktuell die Zukunft. Wir dürfen einfach keine fossilen Brennstoffe mehr verbrennen. Das heißt aber nicht, dass wir hier in Deutschland jetzt jeden Diesel auf dem Scheiterhaufen verbrennen müssen. Das ist Panikmache, das ist Blödsinn. Wir müssen progressiver auf E-Mobilität umstellen. Denn die Neuzulassungen in Deutschland sind überhaupt nicht vergleichbar mit Norwegen oder Holland. Wir haben eigentlich diesen Trend verschlafen, wir haben keine Lade-Infrastruktur. Außer die von dem amerikanischen Hersteller 'Tessla'". Das muss sich ändern. Da müssen wir jetzt wirklich investieren und sagen: In fünf Jahren sollten keine neuen Verbrenner verkauft werden. Da sehe ich auch noch eine Menge Nachholbedarf, das wir mehr investieren. Aber auch hier muss man ehrlicherweise sagen, das ist nicht der Klimaretter. Sondern - die Autos haben einen Impact und ich finde wir sollten das ändern - aber die großen Sachen sind die Kohlekraftwerke, ist auch der Fleischkonsum. Jeder kann mal am Wochenende ein Steak essen aber vielleicht überdenkt man mal, ob es jeden Tag Rindfleisch sein muss."

Was sagst du zu Greta Thunberg?

Frank:  "Ich muss ganz ehrlich sagen, zunächst war ich sehr skeptisch. Ich hab gesagt: Demonstrationen, die sollen doch in die Schule gehen und was lernen. Was steht denn dahinter? Ich hab mich auch ein bisschen in die Irre führen lassen, dass da vielleicht ein wenig Marketing dahinter steckt. Aber soweit ich es heute beurteilen kann, hat es das Thema bei mir noch mal mehr auf die Agenda gesetzt. Ich kannte Umweltschutz und hab auch wirklich viele Millionen schon in grüne Produkte investiert. Aber das wir wirklich nur noch sieben Jahre haben, da musste ich mich auch noch tiefer einlesen und noch mit Wissenschaftlern sprechen und das finde ich hat Greta auf die Agenda gesetzt. Und das ist auch heute vielen Politikern so nicht klar. Und von daher muss ich ihr ehrlich sagen: Respekt. Ja, sie hat es geschafft das Thema drastisch auf die Agenda zu setzen und dafür meinen Respekt. Und jetzt müssen wir handeln."  

Die aktuellsten News hört ihr immer hier in unseren Nachrichten.