Radio Hamburg

Großfahndung der Soko "Schwarzer Block"

Polizei sucht nach Hunderten G20-Tätern

Hamburg, 18.12.2017
Schanzenviertel, G20

Die Hamburger Polizei hat rund um den G20-Gipfel Tausende von Straftaten identifiziert.

Gut fünf Monate nach rund um den G20-Gipfel in Hamburg wollen Polizei und Staatsanwaltschaft mit einer Öffentlichkeitsfahndung beginnen.

Fünf Monate nach den Ausschreitungen beim G20-Gipfel in Hamburg sucht die Polizei mit Fotos nach gut 100 Tatverdächtigen. Videosequenzen zeigen das erschreckende Ausmaß der Gewalt. Berliner Linksautonome reagieren mit der Veröffentlichung von Bildern von Polizisten.

Zigtausende Hinweise nach G20-Gipfel

Mit zum Teil gestochen scharfen Bildern sucht die Polizei seit Montag (18.12.) nach 104 mutmaßlichen Beteiligten an den G20-Krawallen in Hamburg. Die Fotos wurden zusammen mit Videosequenzen des Tatgeschehens auf die Internetseite polizei.hamburg.de gestellt. Die Aufnahmen seien aus der vorliegenden Datenmenge von mehr als zwölf Terabyte extrahiert worden, sagte Polizeisprecher Timo Zill. Sie hätten teilweise die Qualität von Passbildern. Es sei eine der größten Fahndungen dieser Art.

Polizei bittet die Hamburger um Mithilfe

Polizeipräsident Ralf Martin Meyer bat die Bevölkerung um Mithilfe. Den 104 Gesuchten werden jeweils erhebliche Straftaten vorgeworfen, wie Oberstaatsanwalt Michael Elsner erläuterte. In den meisten Fällen gehe es um gefährliche Körperverletzung, schweren Landfriedensbruch oder Brandstiftung. Nach den Tatverdächtigen habe die Polizei zuvor erfolglos gefahndet. In allen 104 Fällen hätten Amtsrichter der öffentlichen Fahndung zugestimmt.

Täter größtenteils männlich

Die Polizei schätzt, dass in den drei Tagen vom 6. bis zum 8. Juli 5.000 bis 6.000 Täter aktiv waren. Die Soko "Schwarzer Block" habe bislang 3.340 Ermittlungsvorgänge eingeleitet, sagte Polizeisprecher Zill. Bei mehreren Hundert Verfahren seien Beschuldigte bereits namentlich festgemacht worden. Die gesuchten Tatverdächtigen sind in der großen Mehrheit junge Männer. Doch auch einige Frauen sind dabei. Besonders auffällig etwa eine junge blonde Frau mit bauchfreiem Top und rot-weißen Turnschuhen. Sie ist unter dem Tatkomplex Stein- und Flaschenbewurf aufgeführt.

Fahndungsfotos nach Straftaten sortiert

Die Polizei hat das veröffentlichte Material in insgesamt fünf Tatkomplexe unterteilt. Die übrigen vier lauten: Elbchaussee, Rondenbarg, Plünderungen und G20 not welcome. Berliner Linksautonome reagierten auf die Fotofahndung mit der Veröffentlichung von Bildern von Polizisten. Zu Fotos von 54 Berliner Polizisten, die an Häuserräumungen im Stadtteil Friedrichshain teilgenommen haben sollen, schrieben die Linksextremisten auf der Internetseite indymedia.org: "Wir freuen uns über Hinweise, wo sie wohnen oder privat anzutreffen sind. Neben der Teilnahme an der Räumung können sie bedenkenlos für die Gewalt der drei Wochen der Belagerung verantwortlich gemacht werden."

"Unerträgliche Denunziation" von Polizisten durch Linksextremisten

Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) sagte dazu: "Diese Denunziation ist unerträglich." Polizeigewerkschaften reagierten entsetzt. "Das muss strafrechtliche und politische Konsequenzen haben", verlangte die Gewerkschaft der Polizei (GdP). Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) forderte: "Das muss beendet werden, und zwar schnell und nachhaltig. Zum Schutz von Einsatzkräften gehört auch der Schutz der Privatsphäre und der Familien."

Das Fahndungsportal der Polizei Hamburg findet ihr hier:  https://www.polizei.hamburg/g20-fahndungen/10027864/g20-fahndungen-c/ 

Erkenntnisse bitte an:
SOKO Schwarzer Block

  • Tel. 040 4286 76543
  • jede andere Polizeidienststelle
  • oder an das Portal  Mitteilungen an die Polizei. Bitte beachten Sie dort die Hinweise in der Belehrung.

(dpa/san)