Radio Hamburg

78-Jährige überfährt Mutter & Baby

Erneuter Führerscheintest für Rentner?

Hamburg, 25.04.2018
Rentner am Steuer eines Fahrzeugs

Nachdem eine Mutter & ihren Säugling lebensgefährlich verletzt wurden, wollen wir wissen, ob Rentner regelmäßig ihre Fahrtauglichkeit überprüfen lassen sollten.

Es müssen dramatische Szenen gewesen sein, die sich am Dienstagnachmittag (23.04.) in der Harksheider Straße in Poppenbüttel abgespielt haben müssen, nachdem eine 78-Jährige mit ihrem Auto eine junge Mutter samt Kinderwagen erfasst hat. Die Mutter und ihr Säugling wurden dabei lebensgefährlich verletzt. Die Seniorin fuhr anschließend gegen einen Straßenbaum und verletzte sich ebenfalls schwer. Nach ersten Angaben der Feuerwehr hatte die Frau bereits beim Ausparken einen ersten Unfall verursacht und donnerte in einen vor ihr stehenden Wagen, in dem vier Personen leicht verletzt wurden. Noch ist die Unfallursache vollkommen unklar. Die Feuerwehr spricht nicht von einem vorsätzlichen Fehlverhalten der 78-Jährigen, dennoch kocht damit wieder eine altbekannte Diskussion hoch: Sollten Senioren regelmäßig ihre Fahrtauglichkeit überprüfen lassen?

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Alter schuld am Unfall?

Wie das "Abendblatt" berichtet, habe die Frau beim Ausparken komplett die Kontrolle über ihren Automatikwagen verloren und dabei eine Schneise der Verwüstung nach sich gezogen. Immer wieder sorgen Senioren mit teils dramatischen Unfällen für Aufsehen, im Zuge dessen fast schon reflexartig die Frage im Raum steht, ob Senioren nicht in regelmäßigen Abständen ihre Fahrtauglichkeit in einem Führerscheintest unter Beweis stellen sollten. Klar ist, dass bei Rentner Reaktionsfähigkeit und Hör- und Sehfähigkeit wegen des fortgeschrittenen Alters im Schnitt nachlassen. Im "Abendblatt" erklärte Torsten Milarg vom ADAC aber auch: "Wie fit Ältere am Steuer sind, unterscheidet sich von Mensch zu Mensch grundlegend." Pauschal kann das Alter also nicht als Erklärung herhalten. "Entscheidend für eine unfallfreie Teilnahme am Straßenverkehr ist nicht das Lebensalter, sondern neben dem Gesundheitszustand des Fahrers auch die in einem langen Kraftfahrerleben erworbene Fahrroutine", so der ADAC.

Unfallstatistik sieht kritische Schwelle

"Entgegen der weitverbreiteten Meinung, dass ältere Autofahrer (65+) mehr schwere Unfälle verursachen, zeigt die Unfallstatistik ein anderes Bild. Obwohl Senioren 20 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen, verursachen sie weit weniger Unfälle (13 Prozent)", so der ADAC auf seiner Homepage. Ab 75 Jahren allerdings sprechen die Zahlen eine andere Sprache. "Sofern im Jahr 2016 über 75-Jährige und ältere an einem Unfall beteiligt waren, trugen sie zu 75,1 Prozent die Hauptschuld an dem Unfall. Die häufigsten Unfallursachen bei den Senioren waren „Vorfahrtsfehler“ (17,6 Prozent) sowie Fehler beim „Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren, Ein- und Anfahren“ (16,6 Prozent)", so die deutsche Verkehrswacht. 

Müssen Rentner zum Verkehrs-Check?

Der ADAC sieht verpflichtende Testverfahren dennoch als nicht verhältnismäßig an. Eigentlich fahrtüchtige Personen könnten irrtümlich ihren Führerschein verlieren, wer seinen Führerschein dagegen behalten darf, könnte seine Fahrtauglichkeit überschätzen und durch den Test erst Recht zur Gefahr werden. Dennoch empfiehlt der ADAC allen Senioren sich regelmäßig, freiwillig ärztlich untersuchen zu lassen. Besonders wichtig sei dabei das Sehvermögen.

Was meint ihr?

Wir haben euch in der Radio Hamburg Morning-Show gefragt, was ihr von verpflichtenden Führerscheintests für Senioren halten würdet - mit gigantischem Feedback und einer durchaus gemischten Stimmungslage:

"Ich finde es nicht richtig, nun wieder ältere Menschen als potentielle Verkehrsgefährder zu reduzieren. Dies gilt nämlich auch für Jüngere gleichermaßen, wie wir es leider täglich auf unseren Straßen erleben. Sicherlich sollte in bestimmten Abständen jeder motorisierte Verkehrsteilnehmer seine aktuelle Fahrtauglichkeit immer wieder unter Beweis stellen. Hierzu zählen auch erste Hilfemaßahmen vor Ort", so einer der Radio Hamburg Hörer bei WhatsApp. 

"Mit einem GesundheitsCheck ab X Jahren ist es nicht getan. Die Dame von gestern hat ihren Führerschein vor ca. 60 Jahren gemacht.  Seither hat sich nicht nur die Anzahl der Autos auf den Straßen vervielfacht,  sondern auch die Regeln und die Straßen haben sich massiv geändert. Nicht selten fallen mir Fahrzeuge auf, die sehr langsam fahren, weil der/die Fahrer/in vom Verkehr vollkommen verwirrt ist und gar nicht mehr weiß wohin.. Beispiel das Schild "Linksabbieger bitte hier rechts abbiegen". Mir ist ein älterer Herr vor sechs Jahren voll vor die Nase gefahren, als er dann trotzdem links abbog. Eine kleine Fahrprüfung bzw Auffrischung sollte daher auch Pflicht sein", schrieb uns Christian aus Ahrensburg.

"Ich wohne im kleinen, beschaulichen Glinde, wo wirklich sehr viele Senioren in den Autos sitzen. Allerdings gibt es hier Straßen, die über den öffentlichen Nahverkehr überhaupt nicht angefahren werden. Hier, z.B. am Ende der Mühlenstraße, braucht ein junger Mensch ca. 20 Minuten zu Fuß zur nächsten Bushaltestelle. Das ist für viele Senioren gar nicht machbar! Hier müssten Städte und Kommunen mal umdenken. Auch vergünstigtes oder kostenloses Fahren mit Bus und Bahn für Senioren fände ich gut", whatsappte uns Marion.

"Ein Freund der Familie ist 73 und braucht seinen Führerschein um nachts weiterhin zur Arbeit zu kommen! Er fährt sicher und lässt sich auch regelmäßig Untersuchen. Ich denke das auch Angehörige dafür verantwortlich sind mit drauf zu achten das sobald sie merken es wird kritisch, den Lappen weg zu nehmen", so ein weiterer Hörer.

"Ich bin für eine Fahrtauglichkeitsprüfung und finde Senioren sollten im Zuge dessen, das sie ihren Führerschein freiwillig abgeben, den Rest ihres Lebens die öffentlichen Verkehrsmittel kostenlos nutzen dürfen.", schrieb uns noch Nicki.

Jetzt wollen wir von euch wissen: Sollten Rentner in regelmäßigen Abständen eine Fahrtauglichkeitsprüfung machen müssen? Stimmt jetzt hier direkt ab und sagt uns eure Meinung in den Kommentaren!

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