Radio Hamburg

Gesundheitssenatorin schlägt Alarm

In Hamburg wird zu viel Antibiotikum verschrieben

Hamburg, 20.04.2018
Antibiotikum, Tabletten

Über eine halbe Million Antibiotika-Rezepte stellen Hamburger Ärzte jedes Jahr aus - das sind zu viele, sagen Experten. Nun will Hamburg gegen die Antibiotika-Flut vorgehen.

Über eine halbe Million Antibiotika-Rezepte stellen Hamburger Ärzte jedes Jahr aus - das sind zu viele, sagen Experten, denn durch den übermäßigen Einsatz entstehen multiresistene, manchmal tödliche Keime. Die Verantwortlichen im Gesundheitswesen starten nun eine Aufklärungskampagne, die sich an Patienten, aber auch an Ärzte richtet, die zu schnell den Rezeptblock zücken und unnötigerweise Antibiotika verschreiben. Nach Schätzungen sterben in Deutschland jährlich bis zu 15.000 Menschen an den Folgen einer Infektion mit multiresistenten Keimen.

Weniger Antibiotika verwenden

Ziel der gemeinsamen Initiative sei es, Patienten davon zu überzeugen, weniger solcher Medikamente einzunehmen, erklärte Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) am Donnerstag (19.04.). Antibiotika durch unsachgemäßen Gebrauch ihre Wirksamkeit zu verlieren. "Wir alle können - auch als Patientinnen und Patienten - dazu beitragen, dass Antibiotika nur dann eingesetzt werden, wenn sie wirklich helfen." 

Lest auch: Neue Serie: Multiresistente Keime und was wir tun können

In der neuesten Serie der Radio Hamburg Nachrichtenredaktion wird über Multiresistente Keime aufgeklärt.

Breites Gemeinschaftsbündnis im Kampf gegen Resistenzen

Gesundheitsbehörde, Krankenkassen, Ärzte-, Zahnärzte- und Psychotherapeutenkammer, Krankenhausgesellschaft, Apotheker und Patientenvertreter hätten sich dazu auf eine Strategie zur Eindämmung des Antibiotikaverbrauchs verständigt. Unter anderem soll mit einer Plakatkampagne auf den bewussten Umgang mit den Medikamenten hingewirkt werden. "Wenn wir immer mit Kanonen auf Spatzen schießen, werden wir irgendwann keine wirksame Waffe mehr gegen Infektionen haben", warnte Prüfer-Storcks. Außerdem übernehmen die Krankenkassen ab Juli die Kosten für einen Schnelltest, der Klarheit über die Art einer Infektion bringt. Antibiotika helfen nämlich nur bei Bakterien, nicht bei Viren.

Weitere Infos rund um das Thema Antibiotika-Einsatz in Hamburg hört ihr auch in unserem Nachrichten-Podcast. 

(dpa/san)