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Wasserleiche aus der Elbe

Traurige Gewissheit: Schotte Liam Colgan ist tot

Hamburg, 23.04.2018
Wasserleiche in der Elbe gefunden

Laut des "Lucie Blackman Trusts", der im Auftrag der Familie nach dem vermissten Schotten gesucht hat, handelt es sich bei der gefunden Leiche um den Vermissten.

Befürchtet worden war es von Anfang an, nun hat die Familie des 29 Jahre alten Schotten Liam Colgan wohl traurige Gewissheit. Seit einem feucht-fröhlichen Junggesellenabschied im Februar 2018 auf der Reeperbahn vermisst, wird jetzt eine Leiche im Hamburger Hafen entdeckt. Inzwischen scheint fast sicher zu sein, dass es sich bei der gefunden Person um den vermissten Schotten handelt.

Opferhilfsorganisation bestätigt Fund

Seit dem 10. Februar, als Colgan während des Junggesellenabschieds seines Bruders auf dem Kiez verschwand, suchte die Familie unter großer öffentlicher Anteilnahme und mit zahlreichen Helfern nach ihm. Jetzt scheint klar: Colgan ist tot - zumindest bestätigt das die britische Opferhilfsorganisation Lucie Blackman Trust, die die Eltern im schottischen Inverness vertritt. Wenige Stunden zuvor war in der Hafencity eine Leiche aus der Elbe geborgen worden. Beim Trust ist man sich sicher: Der Tote ist Colgan. "Der Lucie Blackman Trust ist betrübt zu bestätigen, dass die Leiche aus der Elbe in Hamburg die von Liam Colgan ist", heißt es im Vermissten-Steckbrief auf der Homepage der Organisation, die im Ausland in Not geratene Briten unterstützt.

Polizei will Tod noch nicht endgültig bestätigen

Die Polizei ist da noch vorsichtiger, will das Urteil der Forensiker abwarten. Der Leichnam sei deshalb zur Obduktion ins Institut für Rechtsmedizin gebracht worden, sagt ein Sprecher und warnt: Erst Anfang April sei ein in der Wandse gefundener toter Pole aufgrund bei der Leiche gefundener Ausweispapiere zunächst fälschlich für einen anderen gehalten worden.  Auch der Tote aus der Elbe trug offizielle Dokumente bei sich. In einer Jackentasche sei der Führerschein des Schotten gefunden worden, teilte der Lucie Blackman Trust mit. Auch der Rest der Kleidung stimme mit der überein, die Colgan in der Nacht seines Verschwindens getragen habe.

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Die Polizei hat am Montagmorgen (23.04.) am Magdeburger Hafen in der Hafencity eine Wasserleiche gefund ...

Obduktionsergebnis noch offen

Ein Zeuge hatte den Toten am frühen Montagmorgen (23.04.) im Becken des Magdeburger Hafens an der Osakaallee in der Hafencity entdeckt und die Polizei alarmiert. Feuerwehrleute bargen den Leichnam. Wie lange er schon in der Elbe trieb und ob es Hinweise auf Fremdeinwirkung gibt - all diese Fragen ließ die Polizei mit Hinweis auf das noch ausstehende Obduktionsergebnis offen.  Schon gleich nach dem Verschwinden Colgans hatte es Spekulationen gegeben, dass ihn ein solches Schicksal ereilt haben könnte.

Letztes Lebenszeichen in der Nähe des Michels

Es war ein feuchtfröhlicher Freitagabend am zweiten Februarwochenende. Gemeinsam mit Freunden wurde bei einer Kieztour über die Reeperbahn der Junggesellenabschied von Liams Bruder Eamonn gefeiert. Zuletzt war der 29-Jährige - da schon stark betrunken - im "Hamborger Veermaster" mit dabei. Dann trennte er sich von der Gruppe, zunächst noch unbemerkt. Der Mitschnitt einer Überwachungskamera beim Verlagshaus Gruner + Jahr am Hafen zeigt noch, wie er später in Richtung Michelwiese ging - das letzte belegte Lebenszeichen.

Beispiellose Suchaktion

Als sein Bruder weder in das Hostel zurückkehrt, in dem die Gesellschaft untergekommen ist, und auch der gebuchte Flieger zurück nach Haus ohne Liam abhebt, geht Eamonn zur Polizei und erstattet Vermisstenanzeige. Die beispiellose Suchaktion, mit der die Familie dann Colgans Schicksal zu klären versucht, bewegte Menschen weit über die Stadtgrenzen hinaus. Auch Blackman-Trust-Chef Matthew Searle spricht von einer "erstaunlichen" öffentlichen Unterstützung dies- und jenseits des Kanals. "An der Suche haben sich Tausende Menschen - Deutsche und Briten - beteiligt." 300.000 Flugblätter mit Liam Colgans "Steckbrief" landeten mithilfe der Post in rund einem Drittel der Hamburger Haushalte. Mehrere Initiativen unterstützten die Familie, auch durch Spenden. Internationale Medien berichteten über den Fall. Immer wieder gab es Hinweise, aber letztlich keine heiße Spur.

Alle aktuellen Entwicklungen rund um den vermissten Schotten Liam Colgan hört ihr auch in unserem Nachrichten-Podcast.

(dpa/san)