Radio Hamburg

Geplante Schulsschließungen

Erzbistum kneift vor Schulausschuss-Sitzung

Hamburg, 16.02.2018
St. Katharinen Kirche

Der Streit um die Schließung von katholischen Schulen in Hamburg spitzt sich zu.

Die Stimmung rund um die Schließung mehrere katholischer Schulen wird schlechter. Das Erzbistum Hamburg ist am Donnerstag (16.02.) nicht zur Sitzung des Schulausschusses erschienen.

21 Minuten lang sollen am Freitag (16.02.) ab 11:30 Uhr bei mehreren Gemeinden in und um Hamburg die Glocken läuten. Geplant ist dies als Protestaktion und Reaktion auf die geplante Schließung von 8 der 21 katholischen Schulen in Hamburg. Laut Initiator Pascal Landahl im "Abendblatt" sollen sich Gemeinden unterschiedlicher Konfession an der Aktion beteiligen. Mit dabei sind in Hamburg "neben den katholischen Gemeinden St. Sophien, St. Paulus und der Gemeinde Hamburg-Hamm auch die Syrisch-Orthodoxen Kirchen in Harburg und Neugraben" so das "Abendblatt". Doch auch im Umland werden sich Kirchen an der Aktion beteiligen. So sollen "Kirchen in Kiel, Ludwigslust und Teterow, ein Kloster in Sachsen und eines in Worms" mit dabei sind.

Situation spitzt sich zu

Derweil wird die Stimmung zwischen den Konfliktparteien zusehends schlechter. Das Erzbistum Hamburg ist am Donnerstag (15.02.) nicht zur Sitzung des Schulausschusses gegangen. Geplant war gemeinsam mit der neu gegründeten Initiative zur Rettung der Schulen offene Fragen zu klären und Lösungsmöglichkeiten zu finden. Hamburgs Chef-Katholiken weigerten sich jedoch vor der Bürgerschaft zu sprechen, weil man nicht öffentlich über die Rettungspläne für die Schulen sprechen wolle. Zudem warf Erzbistums-Sprecher Nielen SPD und Grünen vor, in das Selbstbestimmungsrecht der Kirche eingreifen zu wollen und sprach von einem Untergraben der Vertrauensbasis. Auf Basis der vorangegangenen Gespräche fehle die Vertraulichkeit zwischen den Konfliktparteien.

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Dieses Vorgehen sei unumgänglich, so das Erzbistum. Betroffen sind drei Schulen im Stadtteil Harburg, zwei S ...

Hamburger Politiker entsetzt

Die schulpolitischen Sprecherinnen von SPD und Grünen finden die kurzfristige Absage bedauerlich bis unverständlich. Die Linke spricht mit Blick aufs Erzbistum sogar von einem Kommunikationsdesaster. Doch auch aus Reihen der katholischen Kirche wird die Ablehnung an dem Verhalten des Erzbistums lauter. So kritisierte auch der Vorsitzende der katholischen Jugend in Hamburg, Martin Helfrich, den Konfrontationskurs der Kirchenvertreter. Erzbistums-Sprecher Nielen erklärte jedoch, dass man die Situation bedauere. "Wir betonen zugleich unsere Bereitschaft, dem Ausschuss Rede und Antwort zu stehen." Stattdessen lade Erzbischof Stefan Heße sowohl den Schulausschuss als auch - zu einem anderen Termin - die sich gründende Schulgenossenschaft zu einem Gespräch ins Bischofshaus ein.

Hohe Schulden des Erzbistums

Wegen hoher Schulden des Erzbistums sollen mindestens 5 von insgesamt 21 katholischen Schulen in der Hansestadt geschlossen werden. Für drei weitere Schulen wird noch nach einer Lösung gesucht. Die Initiative zur Rettung der Schulen will alle 21 katholischen Schulen in eine Genossenschaft aufnehmen. Dies lehnt das Erzbistum ab. Es sei erklärtes Ziel, ein funktionierendes System katholischer Schulen mit mindestens 13 Schulen auch für die Zukunft weiterzuentwickeln, hatte Erzbischof Heße erklärt. Für drei weitere Schulen habe das Erzbistum ein Moratorium ausgesprochen, um nach Lösungen zu suchen, wie auch diese Schulen erhalten bleiben können. Damit sei die katholische Kirche immer noch der größte private Schulträger in Hamburg.

(dpa/san/iw/ck)