Radio Hamburg

15 Millionen Euro teuer

Sanierung von St. Nikolai beendet

Hamburg, 26.01.2018

Ein Beitrag geteilt von Busenaz Degirmencioglu (@busenazdegirmen) am

Das Mahnmal St. Nikolai erinnert an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft. Doch eine schwierige Millionen-Sanierung wurde notwendig. Nun ist der Verfall der Ruine gestoppt.

Beschädigte Steine ausgetauscht, das Turmkreuz neu vergoldet, den Haupteingang wieder nutzbar gemacht: Die mehr als 15 Millionen Euro teure Sanierung des Hamburger Mahnmals St. Nikolai ist beendet. Bei einem Festakt unter freiem Himmel würdigte Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank am Donnerstag (25.01.) die Bedeutung der Kirchenruine. "Möge die Demokratie nie an Kraft verlieren und das Mahnmal St. Nikolai Orientierung geben in einer Zeit, in der die Lehren der Geschichte nicht vergessen werden dürfen", sagte die Grünen-Politikerin, bevor sie gemeinsam mit anderen Verantwortlichen ein rotes Band durchschnitt. Ein dunkler Vorhang öffnete sich am Westportal, Glockenspiel erklang.

Steine aus der Fassade gelöst

Die Nikolaikirche wurde im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört. Die Ruine soll an die Opfer der NS-Herrschaft erinnern. 2011 hatten sich Steine aus der Fassade des 147 Meter hohen Kirchturm - der fünfthöchste der Welt - gelöst und waren auf den Gehweg gefallen, darunter auch ein gut zehn Kilogramm schwerer Brocken. Der Turm wurde gesichert, die Schäden analysiert. Im Herbst 2014 begann die Sanierung. Stadt und Bund teilten sich die Kosten. Man sei dabei im Zeit- und Kostenrahmen geblieben, betonte Falko Droßmann (SPD), Leiter des Bezirksamts Hamburg-Mitte, das die Projektleitung innehatte.

Turm jahrelang von Gerüst umhüllt

2011 kamen noch mehr als 100.000 Besucher zu dem Mahnmal, dessen Aussichtplattform in 76 Metern Höhe mit einem Panoramalift zu erreichen ist. Doch das Gerüst schränkte den schönen Blick über die Stadt während der Bauarbeiten ein, so dass deutlich weniger Menschen kamen. Sie sei aber sehr optimistisch, dass die guten früheren Zahlen bald wieder erreicht werden, sagte Dörte Huß, Geschäftsführerin des Förderkreises Mahnmal St. Nikolai. Besucher können von nun an wieder durch das Westportal die Ruine besuchen, Jahrzehnte lang war dieser Haupteingang versperrt.

Lest auch: Vermessung der Ruine steht noch aus: St. Nikolai Kirche will sich rüsten

Nachdem sich im August ein Steinbrocken von der Kirche löste, steht nun ein erstes Gerüst. Für die weitere Einrüs ...

Kirche im Zweiten Weltkrieg ausgebrannt

Der neugotische Kirchturm diente den alliierten Bomberpiloten während der Luftangriffe auf Hamburg als Orientierungspunkt. Während des sogenannten Feuersturms "Operation Gomorrha" brannte die Kirche aus, Einschläge von Bombensplittern sind noch immer an den Wänden zu erkennen. Ein Museum im Kellergewölbe informiert unter anderem über die Zerstörung Hamburgs im Zweiten Weltkrieg sowie die Ursachen und Folgen der Luftangriffe.

Neuer Glanz für St. Nikolai

Tausende Ziegel- und Sandsteine wurden gebraucht, geeignete per Laboranalyse gefunden. Bei dem Mahnmal seien allein 50 Kilometer Fugen bearbeitet worden, erklärte Bauleiterin Corinna Nickel. Das Mahnmal sei "jetzt gesichert für die nächste Generation". Die Arbeiten bei Wind und Wetter in großer Höhe waren nicht immer einfach. Für Wartungszwecke wurde eine neue Leiter bis hoch in die Turmspitze eingebaut. Während der Arbeiten wurden 300 Figuren, die sonst für Besucher an der Fassade nur schwer zu sehen sind, fotografiert. Einige Exemplare sind nun auf einem Banner am Turm und neuen Monitoren im Eingangsbereich zu sehen.

Lest auch: Historisches Herz Hamburgs: Nikolai-Quartier wird aufgewertet

Das Nikolai-Quartier hinter dem Rathaus zwischen Willy-Brand-Straße und dem Alten Wall wird kräftig aufpoliert.

(dpa/san)