Radio Hamburg

G20-Aufarbeitung

Fotofahndung nach weiteren G20-Chaoten

Hamburg, 17.05.2018
G20 Öffentlichkeitsfahndung der Polizei Hamburg

Die Suche nach G20-Verbrechern geht weiter. Polizei und Staatsanwaltschaft haben Fotos von weiteren 101 mutmaßlichen G20-Gewalttätern ins Internet gestellt.

Den unbekannten Verdächtigen würden schwere Straftaten wie gefährliche Körperverletzung, schwerer Landfriedensbruch oder Plünderung vorgeworfen, erklärte Staatsanwalt Michael Elsner am Mittwoch (16.05.). Polizeisprecher Timo Zill bat die Bevölkerung zudem erneut um Mithilfe bei der Identifizierung der Gesuchten, die während des Treffens der Staats- und Regierungschefs im Juli 2017 für teils schwere Ausschreitungen verantwortlich waren. Tausende Gipfelgegner griffen Polizisten an, setzten Autos in Brand und plünderten Geschäfte. 

Tausende Stunden Filmmaterial

"Wir reden hier nicht über Kleinigkeiten", erläuterte Zill bei der Präsentation der Bilder. Insgesamt bearbeitet die Soko "Schwarzer Block" derzeit noch 3.200 Ermittlungsverfahren. Insgesamt gebe es 733 Beschuldigte, von denen 140 Ausländer seien. 91 Fotos seien an die Behörden anderer EU-Länder weitergegeben worden. Die dort laufende polizei-interne Fahndung habe bereits erste Hinweise erbracht. Zur Verfügung stünden der Soko sieben Terabyte an Videodateien, sowie weitere zehn Terabyte aus externen Quellen, sagte Zill. 5.900 relevante Dateien habe die Polizei über ihr Hinweisportal bekommen, 450.000 Stunden Videoaufnahmen von der Hamburger Hochbahn. Seit März setzten die Ermittler auch eine Gesichtserkennungssoftware als Hilfsmittel ein. In rund 100 Fällen sei es dadurch gelungen, konkreten Personen weitere Straftaten zuzuordnen.

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Fotofahndung sehr erfolgreich

Bereits in der ersten Fotofahndungswelle, die im Dezember 2017 startete, konnte etwa ein Drittel der Gesuchten identifiziert werden. Dies werte man als großen Erfolg, so die Ermittler. 35 der 107 gesuchten Verdächtigen seien identifiziert worden. Bei normalen Fahndungen dieser Art liege die Erfolgsquote bei fünf bis zehn Prozent. Bereits am ersten Tag nach Veröffentlichung sei 2,5 Millionen Mal auf die Internetseite zugegriffen worden, insgeamt seien es inzwischen 3,8 Millionen Klicks. Es seien mehr als 300 sachdienliche Hinweise eingegangen. Von den 35 durch die erste Fotofahndung identifizierten Beschuldigten seien inzwischen zwei angeklagt worden, in einem Fall sei ein Strafbefehl erlassen worden, sagte Elsner. In den übrigen Fällen dauerten die Ermittlungen an.

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Fahndungsmethode rechtlich abgesichert

An der Fotofahndung hatte es zuvor teils massive Kritik gegeben. Staatsanwalt Elsner betonte aber, dass das Mittel der Öffentlichkeitsfahndung in der Strafprozessordnung vorgesehen sei. Wenn ein Verdächtiger durch polizei-interne Ermittlungen nicht identifiziert werden könne, müsse die Staatsanwaltschaft bei erheblichen Straftaten die vorgesehenen Mittel ausschöpfen. Bei Delikten von geringerer Bedeutung wie Sachbeschädigungen komme die
Öffentlichkeitsfahndung jedoch nicht in Frage. Jede Fotoveröffentlichung sei richterlich genehmigt. Bei einer Suche nach einem erkennbar Jugendlichen oder Heranwachsenden entscheide ein Jugendrichter über die Veröffentlichung des Fotos. Bislang habe nur in einem Fall das Gericht der Fahndung nicht zugestimmt, weil der Richter die Qualität des Fotos für nicht ausreichend hielt, sagte Zill.

Einen Überblick über die zweite Fotofahndung im Rahmen der G20-Aufarbeitung findet ihr unter folgendem Link.

(dpa/san)