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Kriminalitätsstatistik

Hamburg so sicher wie seit 1980 nicht mehr

Hamburg, 08.02.2019
Polizei

Die Zahl der registrierten Straftaten ist im vergangenen Jahr in Hamburg um 3,3 Prozent gesunken. Die Polizei erfasste in ihrer Kriminalstatistik für 2018 insgesamt 218.594 Taten.

Gute Nachrichten aus den Hamburger Polizeikommissariaten - Hamburg ist so sicher, wie seit knapp 40 Jahren nicht mehr. "Wir leben in einer sicheren und immer sicherer werdenden Stadt", sagte Innensenator Andy Grote (SPD) am Donnerstag (07.02.) bei der Präsentation der Kriminalitätsstatistik für 2018.

"Sensationelle Zahlen"

Die Zahl der registrierten Straftaten ist in Hamburg das dritte Jahr in Folge gesunken. Die Polizei erfasste in ihrer Kriminalstatistik für 2018 insgesamt 218.594 Taten, 3,3 Prozent weniger als im Vorjahr. 2015 waren noch 243.959 Delikte gezählt worden. Die Aufklärungsquote stieg im vergangenen Jahr von 44,4 auf 45,8 Prozent. Das Risiko, Opfer einer Straftat zu werden, sei damit so gering wie 1980, wie Grote erklärte. Polizeipräsident Ralf Martin Meyer nannte das Ergebnis der Statistik "sensationell".

Starker Rückgang bei Einbrüchen

Die Zahl der Wohnungseinbrüche ging um 20,2 Prozent zurück, die der Taschendiebstähle um 17,3 Prozent. Rückgänge gab es auch bei der Gewaltkriminalität wie Tötungsdelikte, Raube und Vergewaltigungen, und zwar insgesamt um 2,2 Prozent. Die Polizei zählte 59 Morde und Totschlagsdelikte, 15 Fälle weniger als im Vorjahr. Es wurden 20 Menschen ermordet, 39 wurden Opfer eines Totschlags. In vier von fünf Fällen (81,8 Prozent) standen Täter und Opfer in einer Beziehung zueinander. Die Polizei klärte mehr vorsätzliche Tötungsdelikte - zum Teil auch aus früheren Jahren - auf als verübt wurden. Darum lag die Aufklärungsquote bei 105,1 Prozent.

Mehr Drogendelikte in Hamburg

Eine Zunahme um 25,5 Prozent verzeichnete die Polizei bei der Rauschgiftkriminalität. Meyer erklärte dies mit den verstärkten Kontrollen der sogenannten Task Force Drogen an den Brennpunkten des Rauschgifthandels. Die meist gehandelte Droge sei Cannabis. Die Gefährlichkeit von Haschisch und Marihuana werde in der öffentlichen Diskussion unterschätzt. Meyer verwies auf Warnungen von Medizinern vor dem Wirkstoff THC, der zu irreversiblen Gehirn- und Organschäden führe. Vereinfacht gesagt heiße das: "Cannabis macht dumm."

#MeToo-Debatte zeigt Wirkung

Einen Anstieg verzeichnet die Statistik auch bei den Betrugstaten, vor allem über das Internet. Im Bereich Waren- und Warenkreditbetrug registrierten die Ermittler eine Zunahme um 16,7 Prozent. Die Polizei will mit einer Umstrukturierung ihrer Kräfte reagieren. Die Zahl der Sexualstraftaten nahm um 3,1 Prozent auf 1662 Fälle zu. Bei den schweren Sexualdelikten betrug die Zunahme sogar 14,1 Prozent, bei der sexuellen Belästigung ("Grapschen") war es ein Plus von 22,5 Prozent. Der Leiter des Landeskriminalamts, Frank-Martin Heise, erklärte die Anstiege mit vermehrten Anzeigen, auch in Folge der #MeToo-Kampagne. Zum Teil gehe es um Taten, die viele Jahre zurücklägen.

Soko "Schwarzer Block" klärt weiterhin G20-Fälle auf

Einen großen Anstieg verzeichnet die Statistik bei den Widerstandshandlungen gegen die Staatsgewalt, und zwar um 94,1 Prozent. Hintergrund sei eine Gesetzesänderung, nach der ehemals einfache Körperverletzungsdelikte nun als tätliche Angriffe auf Vollstreckungsbeamte und Rettungskräfte gewertet würden, sagte Meyer. Die Zahl der Landfriedensbrüche stieg sogar um 237 Prozent auf 884 Fälle. Hier schlage sich die Arbeit der Soko "Schwarzer Block" nieder, die anhand von Videoaufzeichnungen weiterhin Straftaten beim G20-Gipfel im Juli 2017 aufkläre.

Leichter Anstieg der Flüchtlingskriminalität

Die Polizei registrierte insgesamt 68.092 Tatverdächtige. 45,7 Prozent waren Ausländer (2017: 45,6 Prozent). Rechne man Delikte, die nur von Ausländern begangen werden können, wie Verstöße gegen das Aufenthaltsrecht, heraus, so betrage der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger 42,8 Prozent (2017: 42,3 Prozent), erklärte Meyer. Die Zahl der Verdächtigen mit Flüchtlingsstatus stieg um 7 Prozent, ohne ausländerrechtliche Verstöße bleibe noch ein Anstieg von 4 Prozent. Der Anteil der Flüchtlinge an allen Tatverdächtigen stieg von 8 auf 8,7 Prozent, lag aber immer noch unter dem Stand von 2016, als 9,1 Prozent aller Verdächtigen einen Flüchtlingsstatus hatten. Bei den Taten handelte es sich vor allem um Körperverletzungen, Ladendiebstähle, Rauschgiftdelikte und Schwarzfahren.

Opposition fordert mehr Personal und Technik

Die CDU-Bürgerschaftsfraktion forderte den Senat auf, die Polizei mit Personal und Technik zu stärken, damit sie in allen Kriminalitätsbereichen erfolgreich sein könne. "Es gibt also nach wie vor keinen Anlass für Senator Grote, sich auf der guten Arbeit seiner Beamten auszuruhen", erklärte der CDU-Innenexperte Dennis Gladiator. Der FDP-Innenpolitiker Carl Jarchow warf dem rot-grünen Senat vor, immer mehr Personal bei der Kriminalpolizei von der Bekämpfung der Massendelikte abgezogen und mehr als ein Jahr mit einem Umstrukturierungsprojekt im LKA vergeudet zu haben.

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(dpa/san)