Radio Hamburg

Spezialisten aus dem Ausland

Diese Branchen suchen Verstärkung

Arbeitssuche

Wie kann die Wirtschaftskraft Hamburgs stabil gehalten werden?

Bereits seit Jahren steckt Hamburg fest in der Hand des Fachkräftemangels. 

Während die Stadt noch durch ihre Attraktivität dazu in der Lage ist, neue Bürger anzuziehen, stoßen die Unternehmen an anderer Stelle an ihre Grenzen. Nun stellt sich die Frage, wie es in diesem Bereich weitergehen kann und welche Entwicklungen angestoßen werden, um die Wirtschaftskraft der Stadt dennoch stabil zu halten.

Verschärfung nach 2014

Bereits im Jahr 2014 haben wir bei Radio Hamburg über die aktuelle Lage berichtet. Zum damaligen Zeitpunkt wurde geschätzt, dass etwa 37.000 Stellen nicht wie gewünscht besetzt werden konnten. In den darauffolgenden Jahren verschärfte sich die Lage noch einmal. So gut die Jobaussichten für Arbeitnehmer in diesen Tagen sind, die über die notwendigen Qualifikationen verfügen, so schwer ist es auf der anderen Seite für führende Firmen, sich für neue Bewerber in Position zu bringen und sie auf die eigenen Stärken aufmerksam zu machen. Einerseits verschärft sich unter diesem Einfluss das Werben um den Nachwuchs. Dieser wird aktuell immer wichtiger, um noch wesentliche Schritte nach vorn machen zu können. Auf der anderen Seite werden Fachkräfte aus dem Ausland inzwischen als eine Chance gesehen, um dem Problem zu begegnen und eine Limitierung der wirtschaftlichen Kraft zu verhindern, wie sie bis dato nicht mehr ausgeschlossen zu sein scheint.

Die verarbeitende Industrie

Einige Branchen leiden in besonderer Weise unter den aktuellen Einschränkungen. Dazu zählen zum einen wirtschaftsnahe Dienstleistungen, gerade in den Feldern von Transport, Verkehr oder auch in der Logistik. Darüber hinaus hat die Industrie große Probleme, an gut qualifizierten Nachwuchs zu kommen oder genug Bewerber für die eigenen Ausbildungsplätze zu gewinnen. Zu den Vorreitern aus dem Mittelstand, welche die große Tradition der Unternehmen in Hamburg und Umgebung verkörpern, zählt herbst-mischtechnik.de aus Buxtehude. Schon seit dem 20. Jahrhundert ist der Betrieb bekannt für seine Präzision in der Blechverarbeitung und dem Behälterbau. Doch auch ein solch solider Vertreter des Mittelstands bekommt in diesen Tagen die Auswirkungen der aktuellen Entwicklung deutlich zu spüren.

Lehre statt Studium?

Doch nicht allein der demographische Wandel ist nach der Meinung von Experten dafür verantwortlich, dass sich die Lage in den letzten Jahren veränderte. Auf der anderen Seite entscheiden sich viele junge Menschen eher für ein Studium. Ein großer Teil der Schüler in Hamburg ist dazu in der Lage, sein Abitur zu machen und sieht dies sogleich als Verpflichtung, sich für den akademischen Weg zu entscheiden. Dabei zeigt die aktuelle Entwicklung, dass das Image der Ausbildung wieder verbessert werden muss, um auf diese Weise an mehr Nachwuchs zu kommen. In vielen Branchen wird dies als eine Chance gesehen, um die führenden Unternehmen wieder ein Stück nach vorn zu bringen.
Auf der anderen Seite wird in Hamburg ein Modell in Gang gesetzt, das die Ausbildung mit Teilen eines Studiums verbinden soll. Ab dem Jahr 2020 ist es dann möglich, in der Hansestadt auf die Kombination beider Elemente zu setzen. Auf diese Weise sollen junge Menschen einerseits wichtige handwerkliche Fähigkeiten erlernen, die ihnen die Gelegenheit bieten, in diesem Gebiet tätig zu werden. Dennoch fehlt es ihnen nicht an den theoretischen Grundlagen. So besteht für sie nach einigen Jahren noch immer die Möglichkeit, sich selbst aus der Produktion zu verabschieden, um andere Positionen innerhalb des Unternehmens anzustreben.
Mit diesem Modell, das rasch geplant und umgesetzt werden konnte, nimmt Hamburg in diesen Tagen eine besondere Rolle ein. An und für sich handelt es sich um einen Weg, die besten Elemente der beiden Berufswege miteinander zu verbinden. Schon bald könnten weitere Bundesländer folgen, die ihren Bürgerinnen und Bürgern die Chance bieten, auf diesem neuen Weg in ihre Karriere zu starten. Insgesamt sind in Hamburg dafür zunächst 1.000 Plätze vorgesehen. Pro Jahr wird es also zunächst für 250 Bewerber möglich sein, sich für diesen Weg zu entscheiden und damit zu den Pionieren zu zählen.

Eingliederung in den Arbeitsmarkt

Auf der anderen Seite sollen auch Arbeitslose die Chance bekommen, sich wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren und dort eine neue Produktivität zu entfalten. An und für sich wurden Programme gestartet, die dafür neue finanzielle Mittel zur Verfügung stellen. Diese gehen zum Beispiel an die Arbeitgeber, die sich dazu bereiterklären, einen solchen Bewerber in ihre Firma aufzunehmen. Auf der anderen Seite werden neue Programme in Gang gesetzt, welche die Umschulung erleichtern sollen. Auf diese Weise könnte Arbeitslosen der Wechsel in eine andere Branche noch leichter gemacht werden, in welcher zur Zeit Not am Mann ist. Unter dem Strich handelt es sich auch hier um einen Weg, die bestehenden Lücken zu schließen, um dann den Blick weiter nach vorn zu richten.
Doch erst die Erfahrung der nächsten Jahre wird zeigen, ob es in der Praxis möglich ist, auf diese Weise zu verfahren. Bislang handelt es sich schlichtweg um einen Versuch, zu dessen Ausgang bis dato nichts gesagt werden kann. Es wird somit auf die ermittelten Werte ankommen, um den Mehrwert dieser Idee real zu prüfen und sich genauer mit deren Vorteilen und Auswirkungen auseinanderzusetzen. Stellen sich die ersehnten Erfolge ein, so stehen die Chancen nicht schlecht, dass die Stadt Hamburg weiter daran festhält, um auf diese Weise einen individuellen und erfolgreichen Weg zu beschreiten.